13.9.2016 - Mangersta Beach (Cathy, Alec, Ian, Michael)

Lewis&Harris 2016 – der Workshop

„We will meet around 1pm at Stornaway airport” heißt es in den Workshop-Unterlagen. Wie kommt man also vom Rheinland nach Stornoway … und wo/was ist Stornaway?

  • Also : Stornoway ist die Hauptstadt von Lewis&Harris, 8000 Einwohner, ein großer Hafen und ein Flugplatz.
  • Okay: Der Flugplatz ist sogar noch kleiner als Aachen-Merzbrück … im Sommer gibt es 3 Flüge mittags und 2 abends, von/nach Edinburgh, Glasgow und Inverness … im Winter (also Mitte September bis Mitte Mai) nur noch je ein Flug mittags und abends ;)
  • Und: Die Flugzeiten und Umsteigezeiten erfordern, dass man von Deutschland aus entweder in Glasgow/Edinburgh oder in London übernachten muss.

Ich entscheide mich für Direktflüge von Düsseldorf mit Eurowings und buche jeweils am Folge- bzw. Vortag den Flug nach Stornoway mit Flybe. Das ganz ist recht erschwinglich, pro Flug 80-100€ plus die Übernachtung, auch je 80€. Auf dem Hinweg lege ich einen Ausflugstag in Edinburgh ein, auf dem Rückflug eine Übernachtung in einem Flughafenhotel in Glasgow.

 
10.9. Anreise über Edinburgh

Dank langer Warteschlangen und mehrerer Verspätungen lande ich gegen 15:00 Uhr in Edinburgh. Mit dem Bus geht es nach Downtown, wo ich ein zentrales Hotel gebucht habe. 9 Stunden war ich unterwegs :-(

Frisch geduscht und ein bisschen erholt bummele ich bei tollem Sonnenwetter durch die Innenstadt. Viele schöne Fotomotive.

Zum Sonnenuntergang wandere ich auf den Hausberg von Edinburgh, den Arthur’s Seat, ein 251m hoher Vulkankegel. Dank des klaren Wetters hat man eine tolle Weitsicht (bis zur Nordsee, man sieht bis zum Bass Rock), der Sonnenuntergang ist wunderschön.

Um 21:30 Uhr bin ich erschossen wieder im Hotel.

 
11.9. Ankunft auf Lewis. Sturm
11.9.2016 - Uig Bay, bei 60mph Wind
11.9.2016 – Uig Bay, bei 60mph Wind. Die Kamera wird fast aus der Hand geweht.

Noch ein langer Reisetag. Um 8:30 Uhr fahre ich nach mittelmäßigem Frühstück zum Flughafen, Check-in geht schnell, 2 Stunden Lounge, lauter und unruhiger Flug in einem kleinen Propellerflugzeug, aber tolle Sicht auf Flüsse, Seen und Meer.

In Stornaway treffen nach und nach die anderen Teilnehmer ein. Nur die 3 Londoner haben eine relativ kurze Anreise, die anderen reisen aus Grenoble, Italien und … Australien an. Als erstes wird natürlich ausgetauscht, welches Equipment zum Einsatz kommt: 2x Pentax, 1x Nikon, 1x Sony, 1x Canon und 1x Fuji. Und ich mit meiner Alt-Canon und Neu-Fuji (siehe Fuji X-T2) verstärke zwei Lager ;-)

Ab 14:00 Uhr regnet es in Strömen, gegen Nachmittag kommt Sturm auf, an der Westküste ist abends mehr als 100 km/h Wind.

Unser B&B Baile-na-Cille liegt ganz im Westen, einsam an einer sehr schönen Bucht. Ein uraltes Haus mit einfachen Zimmern (Etagenbad) und urgemütlichen Ess- und Wohnzimmern. Das Essen ist suuuperlecker, laut einem Kommentar bei TripAdvisor ist unser Gastgeber Richard ein Londoner Sternekoch, der sich hier zur Ruhe gesetzt hat. Am ersten Abend lernen wir Richards trockenen Humor kennen und die Wahrheit: „Not really, I was 13 years the butler of a famous London chief – but why should I correct TripAdvisor, it’s good marketing!”

Abends sind alle k.o., Tom zeigt ein paar Bilder der Locations, wie sie bei Sonne aussehen. Morgen werden wir versuchen, bei dem Regen bzw. Sturm Bilder zu machen. Ach ja – Handynetz oder WiFi gibt es an der Westküste von Lewis nicht.

 
12.9. Dauerregen, Steinkreise und Wikingerhäuser
12.9.2016 - Callanish (I)
12.9.2016 – Callanish (I)

Das Frühstück ist sehr gut, nach 3 Tagen probiere ich sogar Porridge (und die Abendessen sind ein Gedicht :-). Bis 12:00 Uhr ist Dauerregen, wir verbringen den Vormittag mit Bilder zeigen: Tom zeigt uns wieder, wie es bei schönen Wetter aussieht, und wir legen die erste von vielen Bildkritik-Sessions ein.

Dann geht es – noch in starkem Regen – zu den Steinkreisen von Callanish. Dort gibt es drei große Steinkreise – einer ist fast so groß wie Stonehenge. Mittagessen gibt’s im Cafe des Museums.

Ganz interessant sind die Black Houses, ein Freilichtmuseum mit restaurierten Häusern, in denen man seit den Wikingern bis 1970 gewohnt hat: ohne Fenster, geheizt mit Torf (sehr nasser, den es hier überall gibt), links das einziger Zimmer, rechts das Vieh.

Zum Wetter: seit 16:00 Uhr wird nicht mehr geschossen – äh, geregnet :-).

Nach dem Abendessen klart es auf und wir erleben einen tollen Sonnenuntergang in unserer Bucht Uig Bay. (Mir fällt gerade auf, dass Bay ja Bucht heißt, und Uig heißt auch Bucht … also steht da Bucht Bucht Bucht ;-)

 
 
13.9. Callanish und Mangersta Stacks

Um 7:00 Uhr laufe ich eine Stunde, es ist eine tolle Luft, mild und schon sonnig.

  • Nach dem Frühstück geht es zur Mangersta-Bucht, ca. 15 min vom Hotel entfernt. Mir gelingen ganz nette Fotos von Strand und Brandung, aber ich finde mich nicht rein in das Motiv.
  • Um 11:03 Uhr ist ein denkwürdiger Moment: das letzte Bild mit der Canon 5D Mark III. Vorausgegangen war die unbefangene Frage des anderen Fuji-Fotografen, warum ich denn weiter die Canon nehme, wenn ich von der Fuji überzeugt sei. Und mir schoss die Antwort auch sofort durch den Kopf: reine Gewohnheit, sonst nichts. Ich packte die Canon weg, holte die Fuji raus (die ich schon beim Spaziergang durch Edinburgh benutzt hatte) und war sofort begeistert von der intuitiven Bedienung.
  • Nachmittags geht es wieder zu den Callanish Steinen, diesmal in der Sonne mit schönen Wolken. Es sind nur wenige Menschen dort, es gelingen  ein paar schöne Langzeitbelichtungen.
  • Abends fahren wir wieder zur Mangersta-Bucht, diesmal mit Ausblick auf die „Stacks“.  Schöne Bilder in der Abendsonne.

Der Tag klingt gemütlich aus, mit Lightroom-Lektionen, quatschen und Rotwein.

 

13.9.2016 - Callanish (I)
13.9.2016 – Callanish (I)
 
14.9. Der Norden von Lewis
14.9.2016 - Highland Cows
14.9.2016 – Highland Cows

Es ist wieder Regen vorher gesagt: ab 14:00 Uhr bis morgen Abend. Übermorgen soll es wieder freundlich sein.

Wir fahren also direkt nach dem Frühstück los, heute geht es zum Leuchtturm von Lewis, dem Butt of Lewis  ganz im Norden. 2x 1 Stunde Fahrt, unterwegs sehen wir Highland-Rinder, große Bussarde, alte Häuser und auf der Rückfahrt auch eines der wenigen Cafés hier auf Lewis. Diese Cafés sind die einzige Möglichkeit, etwas zu essen. Einfach, aber frisch gemacht, immer lecker.

Der Leuchtturm und die Steilküste sind schön, aber das Licht ist schlecht: sehr bedeckt, diesig und extrem viel Wind.

Gegen 13:00 Uhr fängt es an zu regnen, leider so stark, dass wir zurück fahren, gegen 16:00 Uhr sind wir wieder im B&B.

Nachmittag und Abend vergehen damit, dass wir uns gegenseitig Bilder zeigen und untereinander Lightroom-, Photoshop- und NIK-Tipps austauschen. Trotz wenig Fotografieren ein interessanter Tag.

 
15.9. Wir üben „Bilder im Regen“ ;-)
15.9.2016 - Wasserfall, Glen Valtos bei Uig
15.9.2016 – Wasserfall, Glen Valtos bei Uig

1 Stunde laufe ich vor dem Frühstück, in wunderbar frischer und milder Luft.

Bis ca. 14:00 Uhr sind wir heute unterwegs, ab 11:00 Uhr nieselt es, später immer mehr. Mir gelingen nur mittelmäßige Bilder vom Strand bei Ebbe, aber schöne Bilder von einem Schiffswrack und später von einer rostigen Maschine in einem Steinbruch. „Bilder im Regen“ klappt gut – wir sind bis auf die Haut nass, die Kameras haben alle gut durchgehalten.

Der Nachmittag vergeht mit Lightroom-Lektionen und – sehr guter – gegenseitiger Kritik an unseren Bildern. Der Abend wird lustig, auch wegen der Vorfreude auf den morgigen Sonnenaufgang: laut Wetterbericht soll es aufklaren.

 
16.9. „Unser“ Druide und Fahrt nach Harris
16.9.2016 - Callanish I (Sunrise, 7:21)
16.9.2016 – Callanish I (Sunrise, 7:21)
16.9.2016 - Callanish I (Sunrise, 7:37)
16.9.2016 – Callanish I (Sunrise, 7:37)

Um 6:00 Uhr geht es zum Sonnenaufgang nach Callanish. Eine zweite Gruppe (Workshop aus USA) ist auch da und einige weitere Leute. Wir sind ca. 30 Fotografen und sprechen uns kollegial im Dunkeln ab, wer wo sein Stativ aufbaut, damit keiner im Bild eines anderen ist. Auf einmal kommen zwei Männer, gehen mitten in die Steinkreise, eine große Kiste dabei …was ist das denn?

Ein Schamane mit Diener, die eine Zeremonie machen wollen. Ausgerechnet heute ist Sonnenwende! Wir haben keine Chance – sie weichen nicht. Bei guter Stimmung (die Engländer mit ihrer Höflichkeit und Gelassenheit sind in solchen Situationen sehr hilfreich ;-) beschließen wir, den Schamanen später per Photoshop zu entfernen. So kommt jeder von uns zu 2-3 Stunden Übung mit dem Reparaturpinsel ;-)
(Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, woher die beiden wissen, was damals vor 4000 Jahren für eine Zeremonie gemacht wurde.)

 

16.9.2016 - Callanish I (Sunrise, 7:08)
16.9.2016 – Callanish I (Sunrise, 7:08)

 

Gegen 8:00 Uhr geht es zurück zum Frühstück. Schnell packen und es geht auf die 1,5 Stunden Fahrt nach Harris, ins Harris Hotel im Hauptort Tarbert. Harris ist eine komplett andere Landschaft, viel rauher und viele Sandstrände. Wir fahren nachmittags der Reihe nach verschiedene Locations an der Westküste an:

  • Luskentyre Beach, eine riesige Bucht mit Dünen und Stränden
  • Northton, eine Bucht mit Salzmarschen
  • The Temple Cafe
  • Ein schnelles Abendessen im Hotel, danach wieder nach Süden, Sonnenuntergang am Strand von Horgabost.

Auf dem Rückweg, gegen Mitternacht, haben wir einen Glückstreffer: Vollmond, klarer Himmel und Springtide – in der Bucht von Seilebost sind die Salzmarsche überflutet und schimmern silbern im Mondlicht. Uns gelingen tolle Bilder :-)

 
 
17.9. Die Golden Route von Harris
17.9.2016 - Waiting for the Bus ;-)
17.9.2016 – Waiting for the Bus ;-)

Ein spätes Frühstück, dann geht es auf die Golden Route of Harris: Tarbert – Luskentyre – Horgabost – Northton – Rodel – zurück über die winzige und kurvige Straße an der Ostküste.

Wir gönnen uns ein langes, interessantes Tide Pooling bei Horgabost (Tom’s Anweisung lautet: Jeder sucht sich Details, heute Abend zeigt ihr mir eure interessantesten Grafiken!), an der Ostküste locken immer wieder kleine Zwischenstops:

Der letzte Abend klingt mit einer Fortbildung über Whiskey aus – ich mag am liebsten „light/smokey“,die Whiskeyprobe ergab als eindeutigen Favoriten den Ardbeg 12  ;-).

 
18./19.9. Rückflug über Glasgow

Der Abschied von Lewis&Harris ist zünftig – es regnet in Strömen. Wir bleiben bis 12:00 Uhr im Hotel, fahren dann die ca. 1,5 Stunden nach Stornaway.

Im einzigen Pub, der sonntags geöffnet hat, essen wir zu Mittag. Dann klart es auf und wir unternehmen einen langer Spaziergang durch den Park von Lew Castle. Das schöne Anwesen wurde vor 170 Jahren von einem Lord erbaut, der gerade die ganze Insel gekauft hatte und hier wohnen wollte. Dann war es ihm aber zu kalt und nass, er verkaufte die Insel an den nächsten Lord, dem es auch zu kalt und nass war und der schenkte dann Gebäude und Garten der Allgemeinheit. Heute ist hier ein Park und ein Museum.

 

Die Rückreise war problem- und ereignislos: abends der kurze Flug nach Glasgow, am nächsten Morgen dann weiter nach Düsseldorf.

 
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