1.9.2019 - Kayak Tag 2, dieses Hippo zwang uns zum Aussteigen

Afrika 2019: Kajaktour im Okavangodelta

Donnerstag 29./30.8.: Hinreise via Johannesburg nach Maun

Wir haben den Nachtflug mit Lufthansa ab Frankfurt gebucht – und im November ein Schnäppchen-Angebot zum Upgrade in die BusinessClass ergattert. Um es vorwegzunehmen: Nobel geht die Welt zugrunde, echt too much … aber das Lay Flat Bed ist absolut klasse.

Wir nehmen den ICE, eigentlich in 95 min direkt zum Flughafen, aber wegen eines Defekts müssen wir mit unserem ganzen Kram in Köln umsteigen. Zu zweit nehmen wir ja genauso viel „allgemeinen Kram“ mit wie zu viert, können es aber nicht auf 4 Personen verteilen – also haben wir 3 große Taschen zum Aufgeben und als Handgepäck den schweren Fotorucksack und jeder einen kleinen Tagesrucksack.

30.9.2019 - Umsteigen in Johannesburg
30.9.2019 – Umsteigen in Johannesburg

Wir landen pünktlich um 8:20 Uhr, dank des schönen Betts hatten wir 5-6 Stunden Schlaf. Wir teilen uns auf – einer chillt in der SAA-Lunge, eine geht bummeln, zur Sicherheit mit ein paar Rand. Der Flug nach Maun geht pünktlich, wir fliegen im kleinen Avro RJ85. Nach weniger als zwei Stunden landen wir, unterwegs viel trockene Landschaft. Der Flughafen ist so klein, dass wir auf der Suche nach dem Gepäckband glatt die Ankunftshalle übersehen: „Do you have luggage?“ … „Yes, we have“ (und wollen am ihm vorbei) … „Where is your luggage“ … „Possibly on the luggage belt“ (und ich gehe weiter) … „Stop, your luggage … it will come here!!!“ 😂.

Gegen 15:00 Uhr, fast genau 24 Stunden nach der Abfahrt zuhause, kommen wir im Old Bridge Backpackers an. Das Old Bridge gefällt uns richtig gut. Einfach, aber nett, kein Schicki-Micki, leger, freundliche und nette Leute. Und direkt Afrika-Feeling: Hippos, Crocs, jede Menge Vögel.

Wir haben eines der fünf “Tents”, eine Holzkonstruktion mit Zeltwänden und Zelt- oder Wellblechdach und Veranda zum Thamalakane River. Das Essen hier ist frisch zubereitet, große Auswahl und wirklich lecker. Das wissen auch die Einheimischen, darum ist hier immer was los.

Wir telefonieren noch mit John von Kayaktive … morgen früh holt er uns um 8 Uhr ab und unser Abenteuer beginnt.

Nachts ist es sehr laut: Musik, Autoverkehr, Hundegebell. Aber am lautesten schnorcheln …  die Hippos.

Fazit:

  • Nachtflug ist echt gut, Umsteigen in Johannesburg war auch dieses Mal wieder stressfrei.
  • Old Bridge (wie es die Einheimischen nennen) ist eine legere, coole Location mit äußerst leckerem Essen.

 

Old Bridge: Man ist sofort „in Afrika“ … jedenfalls für uns Mitteleuropäer ☺️:

 
31.8.-4.9. Kajaktour

Karin meinte Anfang 2018, als die Planung begann, dass ihr 3 Wochen nur im Auto zu langweilig und zu wenig Action wäre. Wir sind ja Outdoor-Fans und bei unserem Namibia-Urlaub 2015 hat es uns gestört, dass man kaum Wanderungen unternehmen kann.

Also googelten wir „Activities Okavango Delta“ … einer der ersten Treffer war das Abu Camp, mit Bootsausflügen und Elefantenreiten … dann sahen wir den Preis von 2.980 USD pro Person und Tag (😱) … und fragten uns, ob man zur Abreise den Elefanten mit eingepackt bekommt? Okay, also kein Elefantenreiten.

Die Lodges oder Camps bieten aber nur Mokoro-Touren an (Einbaum), aber da sitzt man drin, wird durch’s Wasser kutschiert … nee, das ist auch nicht wirklich „Activity“.

Dann fanden wir Kayaktive, die bieten Kajaktouren von 1-5 Tagen an. Gruppen von 2-5 Teilnehmern, selber paddeln, ein Guide, der mit paddelt, Gepäckboot mit Koch, Equipment und Vollpension, Übernachten auf Inseln im Delta … das ganze für 1.500€ für beide für 5 Tage. Und wenn schon, denn schon … 5 Tage ist genau das richtige für uns. Abenteuer muss halt sein ☺️.

Fazit:

  • Der Tagesablauf mit Game Walk morgens, ca. 4 Stunden Kajak, Game Walk abends ist klasse. Action & Safari. 
  • Man ist im Delta, mit den Tieren, in der Natur. Elefanten, Giraffen, Antilopen … aus der Froschperspiktive.
  • Die Game Walks sind ein Traum – die Tiere sind zwar weiter weg als bei Auto oder Kajak, aber unmittelbarer.
  • 4,5 Tage gab es 30 min nach dem Start außer zu den Guides keinen Kontakt zu Menschen. Nur Tiere.

PS: Man fragte uns immer wieder dieselben zwei Fragen, unterwegs, aber auch hier zuhause:
Oh, ist das nicht viel gefährlicher als im Mokoro? –> Verstehe ich nicht, wieso, wo ist der Unterschied? Mokoro oder Kajak, man ist im Wasser, der Abstand zu Elefanten, Hippos, Büffeln ist derselbe.
Hattet ihr keine Angst umzukippen? –> Fährst du Fahrrad? Und – hast du Angst umzukippen?

 

Unsere Route und Tagesablauf

  • orange: Anfahrt mit dem Auto
  • blau (hin) und pink (zurück): Paddeln
  • gelb: Game Walks
  • Klick auf die Icons öffnet jeweils einen Text und ein paar Bilder.
  • Falls die Karte nicht richtig dargestellt wird: bitte die Seite neu laden!

Den typischen Tagesablauf zitiere ich einmal von der Webseite:

  • 6am: Wake up, coffee/tea and biscuits around the campfire prior to a 1 to 2 hour walk.
  • 8am: Breakfast- Sausages or bacon, eggs, baked beans and toast.
  • 9am: Depart campsite. Kayaks are supplied with water and snacks. A motor boat follows paddlers with all equipment/luggage etc.
  • 12.30: After a morning on the river encountering some of the wildlife in the delta, commonly elephant, hippo and antelope as well as abundant birdlife we stop for lunch. Typically this consists of cold meats, cheese, salad and bread.
  • 1.30pm: After lunch and a rest we set off again and enjoy a few more hours paddling into camp.
  • 4.00pm: Arrive at campsite for the night. Tents with bedrolls containing duvet and pillow are set up, along with basic ablutions (basin and for trips over 2 nights, bucket showers). There are also a few areas where a brief swim is possible.
  • 4.30pm: Evening walk. Another good chance to see game and a beautiful sunset.
  • 7.30pm: Dinner. Evenings are time to unwind after an energetic day; we provide a full dinner, typically barbequed meat with rice/potatoes/pap and fresh vegetables as well as table wine.

Wir haben drei wunderbare Guides: im Kajak der Chefguide Shadrack vorneweg, hinter uns die beiden Mokoro-Fahrer, Gee, der Koch, und Mr. Three, der Helfer für alles. Erfahren, gute Kumpel, sorgfältig und vorsichtig.

Das Equipment (Boote, Zelte) ist top, einzig die Dusche ist vergessen worden – aber welcher große Geist braucht Duschen, wenn es einen Fluss gibt? ☺️

Jeden Morgen erwartet uns nach dem Game Walk ein Full English Breakfast, mittags gibt es Salat & Brote, abends ein 3-Gänge-Menü. Alles frisch zubereitet und super lecker.

Wir paddeln täglich 3-6 Stunden – solche langen Strecken machen die aber nur, wenn man auch paddeln kann. Dazu morgens und abends der Game Walk, jeweils 1.5-2.5 Stunden. Da wir morgens schon gegen 6 Uhr aufstehen, sind wir abends  um 9, halb 10 erschossen und verziehen uns ins Zelt.

Unsere Camps liegen mitten in der Wildnis, immer mit Schattenbäumen und angenehm am Wasser:

 

Kayaking mit Elefanten und Hippos

Das Okavangodelta ist ein sehr langsam fließender Fluss. Er besteht statt aus großen Flussarmen aus vielen Lagunen, durch die das Wasser nur langsam fließt. Verbunden sind die Lagunen mit Kanälen, wo es deutlich schneller fließt. Das sind die „Hippo Channels“, entstanden durch die nächtlichen Wanderungen der Hippos von Lagune zu Lagune. Man kann in Forschungsartikeln lesen, dass es ohne Hippos diese Kanäle und damit das Delta so nicht gäbe. Die Guides versichern, dass tagsüber nur sehr selten ein Hippo sich im Channel aufhält.

Paddeln in den Lagunen ist easy, in den Kanälen mühsam bis sehr mühsam, vor allem kraftraubend. Eng, viel Widerstand durch Schilf und Wasserpflanzen, recht hohe Gegenströmung, viele 90°-Kehren. Diese 90°-Kehren entstehen dadurch, dass die Hippos längs zwischen den Lagunen ein paar parallele Kanäle bahnen, quer dazu bauen die Elefanten ihre Straßen, dann wächst es partiell wieder zu … und es ist ein wunderschönes Labyrinth entstanden.

4.9.2019 - Kayak Tag 5 - 5,5 std Rückfahrt - Eli-Blockade
Oops – Michael ist viiiiiieeel zu nah ? (<klick> für Video)

Wenn die Hippos als Gruppe in einer Lagune sind, paddeln wir zügig mit einigem Abstand vorbei. Mulmig ist mir dabei bis zum Schluss. Einzelgänger sind dagegen meist schlecht gelaunt – entweder richtig großer Abstand oder warten, bis das Hippo sich trollt. Am 2. Tag müssen wir alle an Land, einem Hippo ausweichen. Die Guides vertreiben das Hippo mit Rufen und Stockwürfen, wir bekommen den Rat „If the hippo comes, climb the tree!“ Am 5. Tag blockiert so ein Einzelgänger den Kanal – wir müssen Boote und Gepäck ein Stück über Land tragen.

Auf den Kajaks benutzen wir nur unsere iPhones als Kamera. Die Landschafts- und Paddelbilder sind damit sehr gut geworden, aber für Tierfotos fehlt doch einiges an Brennweite. Im Wasser begegnen wir hauptsächlich Hippos und Elefanten, einmal auch Büffeln. Am Ufer sind Zebras, Giraffen, Antilopen, Warthogs. Und natürlich jede Menge Vögel – aber da war es mit dem iPhone zwecklos zu fotografieren.

Giraffen und Elefanten sind groß genug für das iPhone ☺️

 

Zu Fuß unter wilden Tieren

Die Game Walks starten morgens um ca. 6:30 Uhr mit einem Kaffee und ein paar Keksen zum wach werden und nachmittags gegen 16/17 Uhr, in den Sonnenuntergang hinein. Shadrack ist extrem vorsichtig, er scannt ununterbrochen die Umgegend und den Horizont. Es gibt klare Instruktionen:

  • Gänsemarsch, damit wir als eine Silhouette wahrgenommen werden. Nebeneinander werden wir eher als Bedrohung wahrgenommen und das führt ggfs. zu Abwehrreaktionen bei den Tieren.
  • Nicht reden. Zum einen, damit Shadrack hören kann, zum anderen um nicht zu stören.
  • Abstand vergrößern, sobald Tiere unruhig werden.

Wir sehen die typischen Steppentiere, das Okavangodelta versickert ja in der Kalahari: Zebras, Gnus, Giraffen, Wardhogs, Impalas, Paviane, viele Vögel. Aber auch Hyänen, Schabrackenschakale und einmal einen Leoparden.

Auch wenn man im Auto näher an den Tieren ist als zu Fuß – das Gefühl zu Fuß ist überwältigend: unmittelbarer, man fühlt sich näher, obwohl man z.T. 50-100 m entfernt ist. Die Fluchtdistanz der Tiere ist recht groß, wesentlich größer als im Moremi oder Chobe (oder erst recht Etosha), wo die Tiere Autos und Menschen gewöhnt sind. Das heißt, dass wir aus großer Entfernung bereits gesehen und beäugt wurden, und bei 50-100m Entfernung die Tiere anfingen, sich zu entfernen. Für gute Aufnahmen braucht man also schon ein 300+ mm Objektiv. Trotz der Entfernung … das Empfinden ist zu Fuß viel unmittelbarer als im Auto. Man fühlt sich klein und “mittendrin”.

Gee und Mr. Three bereiten unterdes das Frühstück bzw. Abendessen vor. Zum Frühstück immer Full English Breakfast, eigentlich zu viel und schwer für uns, aber eine gute Grundlage für den Paddeltag. Über die Abendmenüs kann man sich nicht beschweren, wir sind begeistert:
– Hähnchenschenkel, scharfes Gemüse, Reis, Butternut
– Pap und Stew. Wer dieses Stew bereitet hat, bekommt einen Orden, yummy-yummy. 👍
– Spaghetti Bolognese
– Lammkoteletts, Couscous, Ratatouille

Hier im Camp auch unser schönstes Erlebnis: 2 ½ Stunden besucht uns eine Elefantenherde am Camp: viele Muttertiere, ein halbes Dutzend Kleine, ein Bulle, 20 oder mehr Tiere insgesamt. Im Wasser, gegenüber/links/rechts, sie queren den Fluss, einige umrunden die Campsite. Atemberaubend und friedlich, auch die Guides sind fasziniert.

Vom Leoparden gibt es kein Foto, dafür ist das Erlebnis umso nachdrücklicher:

  • … wir gehen, schön in einer Reihe, am Flusslauf entlang … da springt ca. 15 m rechts vor uns ein Leopard laut brüllend aus einem Busch und rennt quer vor uns nach links. Der Guide geht mit uns sofort auf einem großen Ameisenhügel in Deckung, wir sehen ein Leopardenjunges sich in den Busch zurückziehen.
  • Wir, auch der Guide, sind sehr erschrocken, aber auch von der Kraft und Eleganz des Leoparden fasziniert. Als der Guide das Junge sieht, ist er erleichert: „She wanted to distract us from the kid. And as long as we don’t go to the kid, we are safe.
  • Wir machen einen großen, großen Bogen, vom Busch mit dem Jungen weg. „This is because the leopard need to see that we are going away from her kid!
  • Ein Foto gelingt mir in den 1-2 Sekunden natürlich nicht. Ich fragte noch „Will we see the leopard again? “… „No – but she is seeing us!“. 😎


Die Landschaft auf unseren Game Walks:


 
4.9.2019 - Kayak Tag 5, Abschied von der Crew
4.9.2019 – Kajak Tag 5, Abschied von der Crew
4.9.2019 - Ausklang im Old Bridge
4.9.2019 – Ausklang im Old Bridge

Am letzten Tag ist der Mammut-Paddeltag – 6 Stunden sind wir unterwegs, den Hinweg der ersten Tage paddeln wir zurück, dank Strömungsunterstützung ist das machbar.

Wir sehen vom Kajak aus große Herden von Gnus, Büffeln, Impalas, jeweils hunderte Tiere. Natürlich die üblichen Elefanten, Hippos und Baboons, Giraffen, Zebras. Und das eine Hippos, das den Channel versperrt und uns über Land zwingt.

Gegen 15 Uhr sind wir an der Startstelle zurück. Wir helfen, alles aufzuladen, ein herzlicher Abschied, dann geht es zurück zum Old Bridge. Duschen, Ausspannen, mental wieder in der Zivilisation ankommen.

Ein wunderbares Abenteuer – wir werden noch lange davon träumen.

 
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