Alle Beiträge von Michael

Abenteuer Elektro-Mobilität

Unsere Gedanken und Erlebnisse rund um’s Elektroauto sind hier umgekehrt chronologisch in loser Zeitfolge erzählt. Wer alles lesen möchte, fängt am besten von hinten an.

 
4.12.2025: Wir bestellen den Skoda Elroq 85

Wir hatten den Schock etwas sacken lassen und überlegten: noch einmal ein Auto, oder nur noch Car Sharing?
Die Bequemlichkeit siegt – aber jetzt wollen wir ein streckentaugliches E-Auto, mit dem wir auch in den Urlaub fahren können. Die Auswahlkriterien: 350 km sichere Reichweite, großer Laderaum, Anhängerkupplung, möglichst klein …
… also eigentlich ein Fabia Combi in elektrisch ;-)

Wie gehabt … Michael liest Tests, konfiguriert Autos, der Elroq 85 kristallisiert sich heraus. Skoda, praktisch, gut. Zwar größer als gewünscht, aber kleinere E-Autos haben zu wenig Reichweite, und zudem keine Anhängerkupplung, mit denen man Anhänger ziehen darf.
Am 25.11. klappern wir die beiden Aachener Skoda-Händler ab. Jacobs hat keine Zeit, bei Fleischhauer erhalten wir ein Angebot, das mit den Online-Angeboten mithalten kann. Wir wollen uns am nächsten Tag entscheiden.

Das machen wir auch … aber jetzt hat Fleischhauer keine Zeit für den Kaufvertrag, vertröstet auf den Abend, ist nicht erreichbar. Auch Jacobs will kein Auto verkaufen. Am 4.12. reicht es uns, wir rufen beim freundlichen Autohaus in Norddeutschland an … und haben innerhalb von 3 Stunden alle Formalien erledigt, Auto ist bestellt.

Lieferung ist Juni/Juli 2026 – die deutschen Autokonzerne haben Lieferzeiten von 6-12 Monaten, wollen also offensichtlich so viele (sofort lieferbare) China-Importe wie möglich als Wettbewerber haben.

 
2./5.11.2025: Nach 9 Jahren der K.O. :-(

2 Jahre keine Klagen/Probleme, dann ein Wochenendausflug, die 130 km Hinweg ohne Probleme, trotz Regen und Kälte kommen wir mit 90-95 km/h auf der Autobahn gut hin.
Den Rückweg starten wir mit vollem Akku … aber die Reichweite ist gering. Wir fahren langsamer, nur noch 80 km/h. 15  km vor Aachen müssen wir laden … aber, oh Schreck, die Chademo-Säulen sind abgebaut. Mit 3 km Restreichweite erreichen wir die Stawag-Ladesäule in Verlautenheide.

Am Mittwoch der geplante Inspektionstermin, mit TÜV. Ich bitte, den Akku zu prüfen. Gegen Mittag ruft die Werkstatt an: Schlechte Nachricht, nur noch 27,9% der Zellen sind in  Ordnung … ob wir den TÜV überhaupt noch machen wollen?

Ein neuer Akku kostet inklusive Einbau 12.000€ – alte Technologie, Einzelanfertigung. Das lohnt nicht.

 
2.1.2024: VW/Seat zahlt !

Heute wurden 4.019,86 € überwiesen. VW hat „außergerichtlich“ die unstreitigen Fälle (wo der Halter zeitnah verkauft hat) anerkannt und der geforderte Schadenersatz wird in voller Höhe gezahlt. Danke myright!

 
16.11.2023: 7-Jahres-Inspektion … die erste Verschleißreparatur

TüV und Inspektion kosten etwas ca. 250 € … hinten sind Bremsscheiben und Beläge zu erneuern, satte 600 €.

 
26.11.2021: 5-Jahres-Inspektion … der Unterhalt ist konkurrenzlos günstig

Bezahlt habe ich 99,90 € für die Inspektion und 99,90 € für den TüV.

 
25.5.2020: Der Bundesgerichtshof …

… urteilt letztinstanzlich gegen VW. Ich zitiere mit innerer Genugtuung aus der offiziellen Pressemitteilung des BGH (Aktenzeichen: VI ZR 252/19):

  • die Beklagte (haftet) aus vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung gemäß §§ 826, 31 BGB
  • bewusste und gewollte Täuschung des KBA
  • … Fahrzeuge … , deren Motorsteuerungssoftware bewusst und gewollt so programmiert war, dass die gesetzlichen Abgasgrenzwerte mittels einer unzulässigen Abschalteinrichtung nur auf dem Prüfstand eingehalten wurden
  • Ein solches Verhalten ist … besonders verwerflich
  • einer arglistigen Täuschung gleichstehendes sittenwidriges Verhalten der Beklagten

Ob ich nach diesem Urteil die Verantwortlichen bei VW, SEAT etc. ungestraft als Lügner und Betrüger bezeichnen darf, entzieht sich meiner Kenntnis. Darum bliebe ich zur Sicherheit bei der juristisch nicht angreifbaren Formulierung: offensichtliche Betrüger und Lügner.

Mit Spannung sehe ich dem Verhandlungsergebnis von my-right entgegen …

 
28.11.2019: TÜV, 3-Jahresinspektion

Tja – diesmal richtig teuer, nach 3 Jahren werden Unterbodenschutz, Innenraumluftfilter und der TÜV fällig … 253,41 € ☺️.
Okay – beim Fabia, unserem Benziner, werden im TÜV-Jahr um die 700€ fällig … ich beschwere mich also nicht!

 
31.10.2019: Die 12V-Batterie gibt den Geist auf

Zum 3. Mal in diesem Jahr: Kein Bild kein Ton, der Wagen lässt sich weder aufschließen noch (nach der manuellen Notentriegelung) irgendwie aktivieren. Aber ich kenne das ja schon – die 12V-Batterie ist tot (bzw. hat den Tiefentladeschutz aktiviert und sich abgeschaltet), ADAC rufen, Startkabel, alles geht wieder. Aber diesmal meint der ADAC-Techniker, dass die 12V-Batterie nach dem dritten Tiefentladen hinüber ist.

Der Hintergrund und die Ursache: Die Heizung des E-Autos ist ein großer, sehr großer Fön, bis zu 6000 Wh Leistung zieht der. Und dieser Verbraucher hängt an der 12V-Batterie und nicht am großen Akku. Das bedeutet in der kalten Jahreszeit, dass die 12V-Batterie unzulässig hoch belastet wird … und leidet, altert und schnell kaputt geht. Der TÜV-Techniker kennt das, passiert bei älteren KIA, BMW-i3 und einigen anderen in der kalten Jahreszeit dauernd. Alle heutigen Modelle speisen die Heizung über den Fahrakku.

Nach zwei Briefwechseln hat dann auch KIA eingesehen, dass dies ein Konstruktionsfehler gemäß ProdHaftG ist … die 160€-Rechnung für eine neue Batterie wurde storniert.

… early Technology Adopter …

 
5.1.2019: Zwei Zahlenbeispiele …

… welche die ganze Misere der deutschen Kraftfahrzeug-Industrie zeigen:

  • Aachen hat 2016 14 Elektrobusse bestellt, bei einem deutschen Lieferanten aus Salzgitter – einer wurde bisher geliefert. (Und der steht i.W. in der Werkstatt – aber das liest man eher nicht in der Zeitung.)
    Gleichzeitig fahren in China bereits ca. 400.000 E-Busse. 99% aller E-Busse fahren übrigens in China (Bloomberg, Stand Mai 2018).
    .
  • Mitte 2018 konnte man die folgenden E-Roller von europäischen Herstellern kaufen: … keine
    In China wurden 2016 ingesamt 20 Millionen Roller verkauft … 98% davon E-Roller !
    Auf der Motorradmesse in Köln war der mit Abstand größte Aussteller: NIU.

Ist der Zug vielleicht schon abgefahren für die deutschen Automobil-Hersteller, die ihre ganze Energie darauf verwenden, die heutigen Cash Cows (Diesel, SUV, Verbrenner) möglichst lange am Leben zu halten?
Ich erinnere mich noch gut an die deutschen Röhrenfernseher („LCD wird sich nie durchsetzen, nichts geht über eine vom Spezialisten justierte Bildröhre“) und die konkurrenzlos guten deutschen Kameras („Der Digitalkram aus Asien wird niemals an unsere Bildqualität herankommen“).

Und ja, die heutigen E-Fahrzeuge sind nicht perfekt, sogar weit weg davon. Ebenso wie die Infrastruktur zum Laden. Aber das war in den ersten Jahren bei LCD-Fernsehern und Digitalkameras auch der Fall. Wie sagt Alain Veuve: Sobald eine radikale Innovation den Marktanteil von 1% überschritten hat, wird der Wandel unaufhaltsam und schnell. Und 2018 ist der E-Auto-Anteil an den Neuzulassungen in Deutschland erstmals >1% …

 
4.1.2019: Zwei neue Familienmitglieder ;-)

Okay – es ist schon etwas länger her. Seit Juli hat Luis einen Elektroroller, seit September Michael ein E-Bike. Die Vorzüge von leise, sauber, kraftvoll und bequem gelten halt auch für Zweiräder.

  • Die Auswahl des Elektrorollers war gleichzeitig einfach (bis Ende 2018 gab es schlicht nur chinesische Hersteller, die europäischen Hersteller wie Vespa, BMW etc. glänzen mit Marketing-Ankündigungen ohne Preis und Liefertermin) und schwierig (die Auswahl ist riesig, es gibt Dutzende von Chinaimporten). Luis hat sich für den NIU N1S entschieden, zum einen wegen der guten Testberichte, zum anderen wegen der Ausstattung (starker Boschmotor, 150 kg Tragkraft für 2 Personen, App, Stauraum). Und schließlich wird NIU über Händler vertrieben.
    Luis ist sehr zufrieden – einzig der bei Lieferung bereits defekte Akku war ärgerlich, denn der Austausch dauerte fast 4 Wochen.
    Ansonsten ist es eine Freude, diesen leisen und spurtstarken Flitzer zu fahren :-).
    .
  • Mit Ü60 ist ein E-Bike für Michael von den Kids als „okay“ genehmigt worden  ;-).
    Die Auswahl fiel nach vielen Testberichten und ausführlichen Probefahrten auf das KTM Power Sport 10 CXS5.
    Es ist das beste Fahrrad, was ich je hatte: stabil, bequem und natürlich schnell. Zum ersten Mal in meinem Leben macht mir Fahrradfahren Spaß (ich bin mehr der Läufer), ich fahre jetzt sogar im Winter regelmäßig. Einzig ein ärgerlicher Defekt ist sehr störend: Wenn Karin bei Ausfahrten ihr Rennrad nimmt, schaltet das blöde E-Bike bei >26 km/h immer ab und ich komme am Berg nicht mehr mit … :-(
 
2.12.2018: Lade-Abenteuer (oder: -Ärger)

Der Benziner ist in der Werkstatt … also muss auch Karin ihre Feuertaufe mit dem KIA auf Langstrecke bestehen.

Fazit vorab: Sie schafft es :-)

  • Rasthof Aggertal-Süd, die Ladesäule wird von Allego betrieben, wie kommen wir nur auf die Idee, dass die eCharge-App von innogy funktionieren könnte. Aber newmotion (jetzt Shell) hat ja mit fast allen Betreibern ein Roaming-Abkommen. Tja – aber das System wehrt sich: “keine Server-Verbindung”.
  • Also auf nach Aggertal-Nord, sind ja nur 20 km Umweg. Hier gibt es eine Server-Verbindung, und newmotion funktioniert tatsächlich. (Es ist ja auch echt zu viel verlangt, wenn man bei Edeka mit der gleichen Kreditkarte wie bei Kaisers bezahlen wollte. Ich wundere mich, dass die Ladesäulenbetreiber keine eigene Währung einführen – dass in Euro abgerechnet wird, ist echt erstaunlich!)
  • Auf dem Rückweg noch schnell eine Schnellladung für die restlichen 100 km bis Aachen in Aggertal-Nord, hat sich ja bewährt auf dem Hinweg. Server-Verbindung ist da, und der Roamingvertrag von newmotion ist erstaunlicherweise immer noch gültig.
  • Kurz vor Aachen, noch 19 km Restreichweite, Karin beschließt, zur Sicherheit noch einen kleinen Ladeschluck in Aachener Land Nord zu nehmen. Eine innogy-Säule, eCharge müsste also gehen.
    Aber … der Bedienungsscreen zeigt einen so schnell durchlaufenden Text, dass man mit Lesen nicht mitkommt … okay, da steht “alles ganz einfach, folgen Sie den Anweisungen auf dem Bildschirm” … welchen Anweisungen? … ah, da steht “QR Code scannen” (so was hatte Michael auch erklärt ;-) … zum Scannen ist es zu dunkel (warum soll man auch eine Beleuchtung neben die Ladesäule stellen?) … kein Problem, das iPhone hat ja eine Taschenlampe … arggg, die App schaltet die Taschenlampe aus, sobald man scannen will … okay, dann wird eben die Ladesäulennummer in die App eingegeben … “Nummer unbekannt” meldet eCharge … ein letzter Versuch, Taschenlampe an der Tankstelle ausleihen und noch mal Scannen … Victory, Ladesäule erkannt, Ladevorgang kann gestartet werden. Aber warum ist die Nummer laut QR-Code eine andere als die aufgedruckte Nummer?

Wir werden den Eindruck nicht los, dass “man” (Regierung, Verwaltung, Konzerne, …) die Elektromobilität gar nicht wollen. Oder kann sich jemand vorstellen, dass VW sich mit Shell einigen dürfte, die Einfüll- und Tankstutzen dreieckig zu machen und nur mit Shell/VW-Kundenkarte das Tanken zu erlauben?

Oder wie ich letztens in einem Forum las: RWE&Co kommen aus der Braunkohleindustrie – da ist das wichtigste User-Interface der Hammer – und Technologiedurchbrüche wie Server, GUI, Kreditkarten sind noch weitgehend unbekannt.

 
30.11.2018: 2-Jahres-Inspektion

Fast ein Jahr ohne besondere Vorkommnisse, keine Pannen, kein neuer OBC ;-)

Die Inspektion kostet diesmal 234€ – es sind Luftfilter- und Bremsflüssigkeitswechsel erforderlich, ein kleiner Lackschaden wird ausgebessert.

 
30.12.2017: Ausflug ins Bergische

Mittlerweile nutzen wir den KIA auch ohne Scheu, wenn wir längere Strecken als die Reichweite haben. Der E-Routenplaner beim GoingElectric ist sehr bequem und verlässlich … und mittlerweile gibt es auch in Deutschland an fast jeder Autobahnraststätte Schnelllader.

Die 150 km bis nach Wiehl wären im Sommer problemlos in einem Rutsch zu schaffen … im Winter muss man zwischendurch einmal für 10-15 min eine Kaffeepause einlegen ;-).

 
16.11.2017: Die Jahresinspektion :-)

Bei km 10.200 kommt die Jahresinspektion und kostet … … … saaagenhafte  … … … 63,65€ 😂
Ich frage den Meister, wie man denn davon leben könne: „Wir nehmen doch schon den doppelten Stundensatz wie bei den Verbrennern …“ (Der Strukturwandel in der Automobilindustrie wird dem der Kohle- und Stahlindustrie in nichts nachstehen!).

Als Ergänzung gibt es einen Service-Alert (so heißt das bei KIA): Der OBC wird noch einmal getauscht. Oh nein, denke ich, warum? Der jetzige tut es doch seit 7 Monaten problemlos. Egal, wat mutt, dat mutt … am 6.12.2017 wird der vierte OBC innerhalb von 12 Monaten eingebaut. Mal schauen, wie lange der drin bleibt …

Dafür kostet der Austausch des rechten Scheinwerfers (Steinschlag) den Wucherpreis von 1044€. Grrr …

 
29.10.2017: Ausflug ans Meer, nach Katwijk aan Zee

Der „kleine Luis“ ist mittlerweile 18 Jahre alt, 1,86 m groß … und hat einen Führerschein ;-). Wie ich liebt er das Elektroauto, ist aber auch ein Tesla-Fan (siehe unten). Hier sein Erlebnisbericht – ein Tagesausflug nach Katwijk.

Fahrtbeginn Sonntag, 29.10.17 um 7:30. „100,5 – das Hitradio“ läuft. Erste Etappe nach Eindhoven, laut Navi 103 km und 56 Minuten. Ankunft in Eindhoven um 8:30, mit 20% Ladung. Spannung! Nach erstmaligem Schrecken an der Ladestation und mehreren Telefonaten mit Papa und dem Helpdesk lädt das Auto endlich per Schnelllader. Ich weine die ganze Zeit, weil neben uns ein Tesla lädt. Hannah und ich rasten aus, weil ein Mann in den Tesla steigt. Plan, ihn zu klauen, ist somit gescheitert. Bisher ernähren wir uns von mitgebrachten Äpfeln. Der Wagen ist um 9:35 auf 94% und es geht weiter. Da wir langsam aus dem 100,5-Bereich kommen, macht Hannah jetzt die Musik. Das Wetter bessert sich immer mehr, je weiter wir Richtung Meer fahren, im Moment sind 12° und es ist sonnig.

Nach einer angenehmen Fahrt kommen wir um 10:40 in Utrecht an, das Laden beginnt nach erneutem Anruf (die Station muss manuell ferngestartet werden) um 10:45. Wir holen uns im Starbucks an der Raststätte einen Latte Macchiato und einen Kakao und etwas Gebäck. Ich suche online nach der nächsten Ladestation bei Katwijk für die Rückfahrt und wir essen Burger und Pommes bei Burger King.

Um 11:25 fahren wir los zur letzten Etappe vor Katwijk. Wir laden das Auto um 12:10 kurz vorm Meer in Sassenheim, so dass wir für den Rückweg genug Akku haben.

Wir kommen um 13:00 Uhr in Katwijk an und parken im Parkhaus unter der Düne. Danach gehen wir kurz an den Strand und setzen uns ins Zee en Zon für Kaffee, Tee und Toastis. Es ist sehr windig, aber nicht zu kalt und wir genießen den Meerblick. Anschließend laufen wir eine Dreiviertelstunde den Strand auf und ab. Manchmal wird Hannah fast weggeweht, obwohl sie mit ca. 30 Decken doppelt so schwer wie sonst ist. Wir beschließen, zum Auto zu gehen und die Strandmuschel zu holen.

Aufbau der Strandmuschel: Um 15:50 wagen wir es trotz übermäßigem Wind, die Strandmuschel aufzubauen, die uns prompt fast davonfliegt. Nach 10 Minuten haben wir es geschafft, möglichst viele Heringe strategisch im Sand zu vergraben, und die Strandmuschel fliegt nicht weg … wenn man drinsitzt.

Um 16:50 schafft der Wind es endgültig, unsere Strandmuschel niederzuringen. Wir sammeln alle Heringe ein, die wir finden, und weil es regnet, lassen wir alles in der Muschel liegen, klappen sie zusammen und tragen sie ins Parkhaus. Um 17:10 haben wir sie abgebaut, alles so gut es geht abgesandet und in einer Decke eingewickelt ins Auto gelegt.

Wir beschließen, etwas essen zu gehen, und sind um 17:15 im Hotel Nordzee (was bei mir Erinnerungen wachruft) und bestellen beide eine Pizza. Nach einem leckeren Essen begeben wir uns um 18:00 Uhr zurück zum Parkhaus. Als wir versuchen, unser Parkticket zu bezahlen, sagt der Automat mehrmals: „Ihr Ticket ist bis 18:31 bezahlt“. Also fahren wir um 18:10 aus dem Parkhaus, verlassen die Küste und es geht nach Hause.

Um 19:00 Uhr kommen wir nach einer kurzweiligen Fahrt in Utrecht an und laden. Nach 3 Minuten in der Warteschleife und einem Helpdeskmitarbeiterwechsel beginnt die Ladung auf 94%. Um 19:36 geht es wieder Richtung Eindhoven.

In Eindhoven kommen wir um 20:40 an, Hannah ist mittlerweile etwas müde und fängt an zu schlafen. Ich weine wieder um die Teslas, mache aber diesmal ein paar Fotos.

Um 21:20 geht es auf zur letzten Etappe, wir schaffen es mit 12 km Restreichweite nach Hause, und um 22:35 sind wir wieder heim.

Fazit: Trotz anfänglicher Ladeschwierigkeiten ist der Kia auch für längere Strecken gut geeignet. Wir hatten sehr viel Spaß und eine gute Zeit :)

[Anmerkung: Luis hatte nur die Nummern der Ladekarten dabei. Bei den meisten Stationen funktioniert es noch nicht, den QR-Code mit der iPhone-App zum Freischalten zu verwenden, man braucht den Chip. Aber per Hotline kann man freischalten lassen.]

 
19.9.2017: Nichts zu vermelden :-)

Der Kia verrichtet einfach seinen Dienst. Ein paar längere Ausflüge habe ich gemacht (Krefeld, Bottrop), unterwegs ist halt 20 Minuten Kaffeepause.

Der Verbrauch jetzt im Sommer ist 12-14 kWh/100km, damit steigt die Reichweite auf 170-200 km.

 
5.6.2017: Das erste mal traue ich mich auf eine Langstrecke

Es ist warm, der Verbrauch auf meinen täglichen Strecken pendelt sich bei 12,5-13 kWh/100 km ein (also ca. 5 kWh weniger als bei Minustemperaturen), die Reichweite bei 180-200 km pro Ladung. Auf der Autobahn allerdings wird der Verbrauch wohl höher sein, also eher nur 150-170 km Reichweite.

Für den Besuch am Pfingstmontag in Siegen stelle ich die Frage: „Langweilig mit dem Fabia oder abenteuerlich mit dem KIA?“. Der Sohn war für Abenteuer … das schlimmste, was passieren kann, ist ja eine mehrstündige Zwangspause unterwegs durch „Schnarch“laden.

Zur Vorbereitung suche ich eine Schnellladestation für unterwegs raus: Raststätte Siegburg wird als einzige angezeigt, also ca. 25 km Umweg. In Siegen gibt es zwei 22 kW Ladestationen, für beide habe ich keine Ladekarte, aber man soll per Kreditkarte bzw. SMS zahlen können.

Das Summary vorweg: Entspannende Fahrt, alles ging glatt.

  • Nach 110 km der erste Ladestopp in Siegburg (Raststätte West): Der Schnelllader ist frei, kostet sogar nichts, 15 min Ladezeit für ca. 15 kWh.
  • In Siegen macht die erste Ladesäule (der Stadtwerke Siegen) Zicken: “Bitte halten Sie den RFID-Chip Ihrer Ladekarte vor das Display”. Grrr … keine SMS-Zahlung möglich. Also zur zweiten Ladesäule, von Innogy. Hier kann man wie angekündigt per Kreditkarte zahlen. Aber die 32A-Variante kostet 7,95€ pro Stunde … ich buche 2 Stunden, also 15,90€ für 13 kWh. Ein stolzer Preis :(
  • Später fällt mir ein, dass ich von New Motion ja auch einen RFID-Chip habe. Die haben Roaming mit über 100 Stadtwerken. Und tatsächlich, es funktioniert, und ich lade noch einmal  4 kW an der Stadtwerkesäule für 30ct/kWh (plus einmalig 30ct).
  • Auf dem Rückweg lade ich wieder stressfrei an der Raststätte Siegburg, 20 min, und komme mit 24% Akkustand und 35 Restkilometern zuhause wieder an.

Ein bisschen Statistik:

  • 410 km mit einem Durchschnittsverbrauch von 14,7 kWh/100 km.
  • Auf der Autobahn bin ich 105-110 km/h gefahren, im Durchschnitt (Stadt, Landstraße, Autobahn) ca. 75 km/h
  • Die  60,3 kWh für diese 410 km haben gekostet: 15,90€ bei Innogy (13 kWh) und noch einmal Vollladen zuhause für 4,90€ (20,5 kWh).
    Also knapp 20€ „Sprit“ für 410 km. Die kostenlosen Schnelllader von Tank&Rast haben den Apothekenpreis von Innogy aufgewogen.

Mein Fazit: Mittel-lange Strecken gehen, aber mehr als Hobby und in Muße denn als Dienstfahrt oder in Eile.

 
27.4.2017: KIA-Mobilitätsgarantie :-)

Der OBC (On Board Charger = Ladegerät) war wieder defekt. Jetzt habe ich Version P14, bei der laut US-KIA-Soul-Forum noch keine Fehler aufgetaucht sind. Die Ursache soll sein, dass bis Version V12 die OBC-Gehäuse sporadisch Haarrisse haben, die mit der Zeit größer werden. Irgendwann tritt Kühlflüssigkeit ein und es gibt einen Kurzschluss.

Die Mobilitätsgarantie hat stressfrei funktioniert.

 
21.4.2017:  Wieder Ladegerät-Fehler :-(
21.4.2017 - das KIA-Ladegerät ist wieder kaputt :-(
21.4.2017 – das KIA-Ladegerät ist wieder kaputt :-(

Gestern Abend der Schreck: Statt voll geladen kommt die gleiche Fehlermeldung wie im Dezember: „Fehler Ladegerät“.

Um einen Ersatzwagen durch die Mobilitätsgarantie zu bekommen, muss der Wagen „eingeschleppt“ werden. Das geht problemlos, innerhalb einer Stunde ist der Hubwagen da, Sixt bringt den Wagen zur Wunschzeit.

Der ADAC-Abschleppfahrer tröstete mich: “Da ist der KIA noch eine Ausnahme. Streetscooter und i3 haben diesen Defekt mit großem Abstand am häufigsten, dann Leaf, Golf/Up und Zoe. Erst dann KIA”. Mein erster Gedanke, dass ich nach drei fehlgeschlagenen Reparaturen zurückgeben kann und ein besseres Elektroauto kaufe, ist also wohl nicht der beste …

Jetzt bin ich gespannt, was es diesmal ist und wie lange es dauert …

 
9.2.2017: Zwei Monate – trotz Winter ein Erfolg :-)

2.1.2017 - der KIA heizt vor :-)2.1.2017 - der KIA heizt vor :-)
1.600 km bin ich in 8 Wochen problemlos gefahren, es ist bequem, ich verspüre keine Einschränkungen, die Reichweite ist immer ausreichend gewesen.

  • Bei Temperaturen in der Gegend von -10 °C sinkt die Reichweite auf ca. 120-130 km. Da man den Akku nicht leer fährt, sind das real ca. 100 km.
    Der wesentliche Grund ist die Heizung. Sie verbraucht 1-2 kW … bei der Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h steigt der Verbrauch alleine durch die Heizung um 3-6 kWh auf 18-19 kWh/100 km.
  • Sobald die Außentemperatur so bei 5-10 °C ist, sinkt der Verbrauch auf 14-16 kWh/100 km. Das ergibt dann sofort eine Reichweite von 130-150 km.
  • Wenn man bedenkt, dass 5 kWh ca. 1 Liter Benzin entsprechen (sowohl bzgl. Energiegehalt für’s Fahren als auch in etwa bzgl. Preis), sind diese Stromverbräuche aber sehr attraktiv.

Ein großes Trostpflaster bei den niedrigen Temperatur ist aber das morgendliche Kratzen. Bzw. eben  nicht-mehr-Kratzen (siehe Bild :-). Ich schalte die Heizung ein … und 2-5 Minuten später ist der Wagen frei.

 
29.12.2016: Einige Gedanken und Informationen
26.12.2016 – Sogar ein großer Koffer passt rein ;-)

Die wichtigsten Fragen vor und für Anschaffung eines Elektroautos sind in diesem Video wunderbar erläutert. Recht treffend, finde ich.

Unsere Gedanken kreisen momentan um zwei Themen:

  • Wie weite Ausflüge kann man riskieren?
    Zum Beispiel waren wir mit vier Personen und bei feuchtem Wetter im Hohen Venn, bei Baraque Michel. Viele Aspekte, die echt schlecht für den Verbrauch sind:
    – voll beladen,
    – kalt, also Heizung einschalten,
    – feucht, also zusätzlich Lüftung und Klimaanlage (zum entfeuchten),
    – und 550 Höhenmeter.
    Das Ergebnis: Für die 38 km sank der Akkuladestand von 100 % auf 51 %. Oh Schreck – nichts mit 120 km Reichweite im Winter. Jedenfalls nicht voll beladen und bergauf.
    Die Erleichterung kam auf dem Rückweg: Nur weitere 5 % wurden gebraucht, also insgesamt ca. 75 km mit 54 % Akkuladung. Nicht schlecht, dies ergibt doch insgesamt mehr als 100 km.
    .
  • Welche Ladekarten brauche ich?
    Ich erwähnte es schon: Ein ärgerlicher, unübersichtlicher Flickenteppich in Deutschland :-(
    Aber dafür gibt es ja Weihnachten … und ich wünsche mir eine ausgiebige Recherche. Das Ergebnis:
    – Die lokalen Säulen hören auf Ladepay von Ladenetz.de. Ebenso einige Dutzend weitere Stadtwerke. QR-Code scannen, bezahlen, los – so heißt es zumindest.
    – Überregional: The New Motion und die BEWautostrom-Karte (Update Jan 2020: Gibt es nicht mehr).
    – Und Köln hat mal wieder was eigenes: TankE. (Update Okt. 2019: Webseite down, gibt es wohl nicht mehr.)
    Update Jan 2020: Die EinfachStromLaden-Karte von Maingau Energie hat sich seit ca. 1 Jahr zur Allzweckwaffe gemausert – sehr günstig (vor allem für Maingau-Kunden), an allen Autobahn-Ladestationen gültig und dank Kooperation mit Stadtwerken auch in fast allen Städten.
 
22.12.2016: Die ersten Garantiearbeiten

KIA hat den OBC („On Board Charger“) getauscht – das ist der Wandler, mit dem ich die Gleichstrom-Hochvoltbatterie (360 V) mit dem Haushaltswechselstrom (230 V) laden kann. Wenn der defekt ist, fühlt man sich ungefähr so wie mit verschlossenem Benzintank.
Zusätzlich hat KIA die Windschutzscheibe mit einem speziellen Glaspoliermittel gereinigt – es soll sich nur um festgebackenes Salz gehandelt haben. Mal schauen, wie es beim nächsten Sonnenschein ist.

Der Service war gut und zuvorkommend. Trotzdem hoffe ich, dass ich den nicht mehr brauchen werde ;-).

 
19.12.2016: Die ersten Eintrübungen … :-(
Pickel in der Frontscheibe, Kia Soul EV
Pickel in der Frontscheibe, Kia Soul EV

Die Windschutzscheibe ist fehlerhaft, bei Sonne zeigen sich „Pickel“ und die Sicht ist milchig. KIA will es sich mal anschauen.

Zu allem Überfluss kam gestern beim Laden die Meldung „Ladegerät fehlerhaft”. Da aber geladen worden war und ich zu einem Termin musste, habe ich es erstmal ignoriert. Aber … Laden ist nicht mehr möglich, weder mit dem mobilen Ladegerät, noch dem KIA-230V-Ladekabel.  Und zu allem Überfluss sagen die Foren, das sei der AC-Lader, der gehe bei KIA ab und zu schon mal kaputt. Also morgen der erste Werkstattbesuch.

… Early Adaptor … nennt man das wohl …

 
15.12.2016: Die ersten 500 km

Nach einer Woche verstärkt es sich: ein ganz normales Auto. Nachts wird geladen, über Tag gefahren. Meine Tagesetappen sind zwischen 20 km (zum Büro und zurück) und 120 km (Kundenbesuche, Einkaufen).

Ich muss aber auch sagen, dass dieses Nutzerprofil derzeit noch das ideale für ein Elektroauto ist: Zuhause wird geladen und die Reichweite ist höher als die Tagesfahrleistung. Dann geht alles bequem und ohne jegliche Einschränkungen.

Wer allerdings als Laternenparker oder mit Fahrstrecken größer als die Reichweite auf öffentliche Ladestationen angewiesen ist, muss wesentlich mehr Enthusiasmus mitbringen: Ladestationen suchen, den Dschungel der Bezahlsysteme durchdringen, Strecke und Reichweite in Einklang bringen und planen, was man während der im schlechten Fall mehrstündigen Ladezeit so macht. Da ist Deutschland mit seinem Flickenteppich an Lade-Infrastruktur und untereinander inkompatiblem Bezahlsystemen noch echt hinter dem Mond. Eine Fahrt nach Amsterdam oder an die niederländische Nordseeküste wäre dagegen ein Klacks – dort gibt es an den Autobahnen alle 40 km eine Schnellladestation (30 min) und an fast jeder Ecke Ladestationen. Und alles mit einer Bezahlkarte.

Aber eins muss man sagen: Elektroauto-Fahren ist e.n.t.s.p.a.n.n.e.n.d :-)

Lärm verursacht Stress, das kann man immer wieder lesen. Aber dass dies auch tatsächlich so ist, merkt man erst, wenn es auf einmal leise ist. Richtig leise. Kein Motorgeräusch, kein Anstriebsstrang-/Auspuffdröhnen. Leise. Was wird das für ein Paradies, wenn alle mit einem Elektroauto fahren. Unsere Städte werden wieder ein friedlicher, nicht stinkender Ort sein.

Und billiger ist es auch heute schon – zumindest für mein Nutzerprofil.

 
8.12.2016: Der erste Tag mit dem Elektroauto

Ich nutze die Tage bis zur Lieferung zum Bau unserer Ladesäule. Unser Elektriker entpuppt sich als äußerst interessiert an der Thematik, er sieht dies als Zukunftsfeld, das er unbedingt lernen möchte. So bekommen wir – völlig unüblich – einen Termin schon 4 Tage nach dem Anruf.

Die Übergabe findet morgens um 11:00 Uhr statt … der Alhambra („Das beste Auto, das wir je hatten. Wenn es nur nicht so scheiße wäre.” wie unser Sohn sagt) geht weg … und ich habe direkt ein volles Fahrprogramm mit dem Neuen: diverse Meetings in der Gegend, ca. 120 km Gesamtstrecke.

Das erste Fazit: Ein ganz normales Auto, nur leiser.

Ach ja – und bei autoscout24 hat sich dann doch noch jemand gemeldet, der den gewünschten Preis sofort und bar zahlen möchte. Da er aus Südfrankreich komme, wäre doch ein Treffpunkt für Wagen- und Geldübergabe auf einem Rastplatz in Nordfrankreich ideal …

 
2.12.2016: Der KIA Soul EV wird gekauft :-)
2.12.2016 - Kia Soul EV, die Ladekabel sind schon da
2.12.2016 – Kia Soul EV, die Ladekabel sind schon da

Die Gründe sind: Sitzqualität, Platz im Fond und Kofferraum,  die niedrigsten Fahrgeräusche und die gute Ausstattung. Und noch einmal ein guter Tausender Rabatt für den Wagen im Ausstellungsraum. Übergabe schon in einer Woche :-)

In der Zwischenzeit tut sich bei autoscout24 furchtbar wenig. Außer einem Albaner, dem wir beim Heben eines Silberschatzes helfen sollen, und einer Syrerin, die uns 30% ihres Familienschatzes von 10,5 Mio. € zusichert, meldet sich nur ein Interessent, der aber nach einem Tag wieder absagt.

Zum Ausgleich beschäftigen wir Jungs uns mit Ladetechnologie. Uns schwirrt bald der Kopf von Typ 1 – und Typ 2 – Steckern, von Mode 2 und 3 – Kabeln, CCS, Chademo, Schuko, CEE16, Campingstecker, CEE32, 8/16/32 Ampere-Laden, Wallbox, mobiler Lader usw. Das ganze von diversen Herstellern, garniert mit in Deutschland, Österreich, Schweiz unterschiedlichen Vorschriften, die von den Herstellern mal so, mal so eingehalten werden.

Am Ende entscheide ich mich für eine CEE32-Dose (das bedeutet: 32A, dreiphasig, 400V) in der Einfahrt und einen mobilen Lader von KHONS. Dazu noch ein Mode 3 – Kabel, Typ 1 an Typ 2, damit wir auch an öffentlichen Ladesäulen tanken können.

 
20.11.2016: „Der Alhambra muss weg. Sofort!”

Als der VW-Chef Müller am 19.11. in der FASZ verkündet, dass VW ja niemandem Schaden zugefügt habe und die Autos schließlich einwandfrei funktionierten und überhaupt es ja gar nicht konkret nachgewiesen sei, wie schädlich NOx sei … da meinte die sonst so besonnene Karin: „Der Alhambra muss weg. Sofort!”.

Michael steigt in die Beschaffungsphase ein und besorgt sich Angebote von KIA- und Nissan-Händlern in der nahen und auch fernen Umgebung, von meinauto.de, erkundigt sich nach Lieferzeiten und wir alle wägen Ausstattungsvarianten und auch noch einmal Vor- und Nachteile ab. Die Waage neigt sich zunehmend Richtung KIA Soul EV.

Die Händler bieten für den Alhambra 12.000€ – 13.200€ an – eine herbe Enttäuschung, nach 4 Jahren und 85.000 km nur 40% vom Neupreis, 35% vom Listenpreis. Wir  inserieren den Alhambra zusätzlich bei autoscout24, für 15.xxx€

 
12.11.2016: Eine Besichtigungstour durch Autohäuser, die Elektroautos führen

Wir überlegen erstmals, den Alhambra abzustoßen: Die Großen sind aus dem Haus, die „Kleinen“ sind auch schon fast groß. Autourlaube machen wir kaum noch bzw. könnten wir auch mit dem Fabia (einem Benziner) machen.

Auf keinen Fall mehr einen Diesel, so viel ist klar. Ein kleiner Benziner? Oder kommt gar ein Elektroauto infrage?
Michael braucht täglich ein Auto für Fahrten zur Arbeit und zu Kunden in der näheren Umgebung, aber weitere  Dienstreisen finden eigentlich immer mit dem Zug statt. Ein Check in den Fahrtaufzeichnungen für die Firma … nur zweimal seit Januar 2015 waren es mehr als 100 km. Also: Ein Elektroauto ist denkbar, wenn es sicher mehr als 100 km pro Akkuladung schafft.

12.11.2016 - Unser neuer Kia Soul EV, noch im Autohaus

So beginnt die Planer- und Checklistenfraktion unserer Familie mit der Recherche … ein erster Überblick über Preise, Ausstattung, Vor- und Nachteile entsteht. Ergebnis ist, dass drei Modelle zur Auswahl stehen: Nissan Leaf, KIA Soul EV und Hyundai ioniq. Der Renault Zoe fällt aus, da er uns dann doch zu klein ist, ebenso der BMW i3 (teurer, noch kleiner und die Probefahrt offenbarte eine inakzeptabel schlechte Straßenlage) und der e-Golf ist schlicht zu teuer. Beim e-Golf rechnen wir außerdem damit, dass die angegebene Reichweite durch konzerntypische Tuningmaßnahmen besonders fehlerhaft ist.

Nach ein paar Telefonaten die erste Ernüchterung: Nur wenige Autohäuser führen die Elektromodelle ihrer Marke, erste Antworten wie „Warum denn die E-Version, da haben wir doch fast keine Marge. Auf die Dieselversion kann ich Ihnen 32% Rabatt geben” bestärken uns aber in unserer Entscheidung.
Schließlich können wir in der näheren Umgebung alle drei Autos besichtigen, wenn auch den Hyundai ioniq nur in der Hybridversion. Mit dem KIA und dem Nissan machen wir Probefahrten, beide gefallen uns gut, bzw. den Ladies gefällt die Optik nicht, aber das Fahren schon. Ein leichtes Prä für den KIA entwickelt sich. Der Hyundai fällt bereits nach der Besichtigung aus, weil er auf den Rücksitzen so niedrig ist, dass man dort als normalgroßer Erwachsener bereits mit dem Kopf ans Dach stößt.

 
November 2016: Nichts ist geschehen, VW ist unschuldig

Wir haben seit diesem Schreiben nichts mehr von SEAT gehört. VW meldet stolz, dass laut Analyse der Konzernanwälte nicht gegen deutsches oder europäisches Recht verstoßen wurde. Auf der anderen Seite häufen sich Presseberichte über haarsträubende Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren aller Hersteller, über fragwürdiges Softwaretuning zum Bestehen von CO2/NOx-Tests, über die wirklichen Verbrauchswerte der Fahrzeuge.

 
27.7.2016: Wir registrieren uns bei my-right

Der VW-Konzern gibt keinerlei Bereitschaft zu erkennen, Schadenersatz zu leisten. Wir registrieren uns bei my-right, dem deutschen Vertreter der US-Kanzlei Hausfeld, die in ähnlichen Fällen auch gegen übermächtige Gegner Privatleuten zu ihrem Recht verholfen haben.

 
15.2.2016: Rückrufaktion von SEAT

Wir erhalten ein Schreiben zur „Dieselthematik” und werden informiert, dass „der in unserem Fahrzeug eingebaute Dieselmotor von einer Software betroffen ist, durch welche … verschlechtert wird”. Die Instandsetzung werde im Laufe des Kalenderjahres 2016 erfolgen.

 
November 2015: Auch unser SEAT Alhambra ist betroffen

Wir erfahren aus der Presse, dass alle 2.0-Liter-Turbodiesel mit der Bezeichnung EA189 die Betrugssoftware enthalten. Ein kurzer Check … auch unser Alhambra hat diesen Motor … nix mit „Clean Diesel“ … aus gewolltem (und mit vierstelligen Aufpreisen bezahltem) Umweltschutz ist das Gegenteil geworden :-(

 
September 2015: VW hat die Abgaswerte bei Dieseln manipuliert

Nach der Veröffentlichung der Vorwürfe durch die US-Umweltbehörde EPA gibt Volkswagen die Manipulation der Abgaswerte bei Dieselmotoren zu. In Deutschland sollen mehr als 2 Mio. Fahrzeuge betroffen sein, weltweit fast 10 Mio.

 

NGC 7822 – Teddy Bear Nebula

August 2025 – Dualband-Filter, Foraxx, SHO … und der Teddy Bear Nebula

Auf der Astronomiemesse ATT in Essen konnte ich dem Messerabatt nicht widerstehen und ein EFW (Electronic Filter Wheel) fand ein neues Zuhause ;-)

Ein Bastelnachmittag folgt, die Montage der Filter und des Filterrads erfordern ungewohnte Feinmotorik. Sehr hilfreich waren die Tipps auf der Messe, wie ich die Verkabelung noch weiter optimieren kann:
– Je ein 12V-Stromkabel zum Mount und zur ebenfalls neuen Powerbox am Teleskop, von zwei Netzteilen
– Mount und ASIAIR verbinden sich über Bluetooth, kein Kabel. 👍
– ASIAIR zu Kamera, Guidekamera zu ASIAIR zu Mount: integriert, diese 3 Kabel sind dank ASI2600MC AIR gar nicht erforderlich. 👍
– Bleiben nur 4 kurze Kabel, die sich nicht verheddern können: 2x 12V von der Powerbox zur Kamera und zum Dew Heater, 2x USB von der Kamera zu EFW und EAF. 👍

Dank der Autorun- und Plan-Funktionen in ASIAIR sind die Aufnahmen super-easy, durchaus Apple-like: Filter wählen, Flats aufnehmen und für die Lights Objekt, Belichtungszeit, Gain, Filter und Anzahl festlegen, der Rest geht automatisch.
Auch das Stacking in APP begreife ich schnell: 3 Parameter sind zu ändern (Algorithmus, globale und lokale Normalisierung), dann schnurrt der Mac eine Stunde.

 

Was ist Narrowband Imaging ?! (Die Expertenerklärung ist hier.)
Die Farbkamera (OSC – One Shot Color) nimmt die drei für das menschliche Auge sichtbaren Spektren Rot, Grün, Blau auf (RGB – in englisch Red, Green, Blue ;-). Der Astro-Profi nimmt dies mit einer Monochrom-Kamera in getrennten Sessions mit Rot-, Grün-, Blaufilter auf,  aber viel einfacher (mit etwas schlechterer Auflösung und höherem Rauschen) geht es mit der Farbkamera.

  • Sterne und Galaxien senden hauptsächlich dieses sichtbare RGB-Licht aus.
  • Aber Nebel sieht man nur in extrem engen Wellenlängen, die von ionisierten Gasen ausgestrahlt werden. Die häufigsten (und mit Amateur-Equipment sichtbaren) sind Ha (H-alpha, Wasserstoff, rot), OIII (Sauerstoff, blau-grün) und SII (Schwefel, tiefrot).
  • Der Trick, diese auch mit einer Farbkamera aufzunehmen: zwei Dualband-Filter Ha-OIII und SII-OIII –> das Rot von Ha bzw. SII landet in den roten Sensorpixeln, das Grün-Blau von OIII in den grünen und blauen.
    Dadurch kann man die Farben in drei Mono-Bilder trennen: Ha, SII aus den roten Pixeln und OIII aus den grünen und blauen. Wie mit einer Monokamera mit Narrowband-Filter – da man aber nur ½ – ⅓ der Pixel je Farbe hat, muss man mit einer Farbkamera viel länger belichten.
  • Anmerkung: Natürlich nimmt man mit einer Farbkamera ohne Filter auch die drei Spektren Ha, SII und OIII auf – aber sie sind so lichtschwach, dass sie vom Rot/Grün/Blau der Sterne und des Hintergrunds komplett überstrahlt werden. Sie sind zwar im „Pixelkorb“ enthalten, aber können nicht separiert werden.
  • Und am Ende der Clou: Diese drei Monobilder ordnet man dem RGB-Spektrum zu, so dass sie für das menschliche Auge sichtbar werden.

Das Linear Processing macht man wie gewohnt, man lässt nur die Farbkalibrierung weg und am Ende kommt DBXtract, dass aus dem Dualband-Farbbild die Monobilder erzeugt. Zusätzlich nimmt man separat eine Stunde ohne Filter auf und hat dann eine Farbbild mit korrekt farbkalibrierten Sternen.

Die wirkliche Herausforderung kommt danach:
– die Farbkombination (zum Beispiel HSO: Ha=rot, SII=grün, OIII=blau, SHO, HOS entsprechend, oder Farbmischungen wie Foraxx),
– ob man das Stretching einzeln vor oder gemeinsam nach der Kombination macht,
– und abschließend wie man die Farben normalisiert und verstärkt.
Für mich ein Universum, das ich auch nach einigen Monaten nur rudimentär begreife. Rechts einige Versuche – man kann sich stundenlang austoben. 😂

 

Nachtrag Jan. 2026 – mein bisher bestes Bild. Gelernt habe ich drei Punkte:
– noch mehr Aufnahmezeit (16 Std. sind es hier), sorgfältige Gradientenkorrektur
– nach SHO-Kombination Hintergrund neutralisieren und Farben normalisieren
(d.h. auf gleiche Stärke bringen)
– erst danach Stretching (der neue Prozess MAS ist super) und nur noch „sanfte“ Farb- und Kontrastverbesserung

26.1.2026 - NGC 7822 Teddy Bear Nebula, SHO DBE, 1h RGB, 5h Ha, 10h S2, 15h O3 im Okt/Nov 2025
26.1.2026 – NGC 7822 Teddy Bear Nebula, SHO DBE, 1h RGB, 5h Ha, 10h S2, 15h O3 im Okt/Nov 2025

 
 

M81 und M82 – Stacking und Processing

Stacking in AstroPixelProcessor (APP)

APP macht Stacking sehr einfach, wenn man zunächst ohne Filter und mit nur einer Aufnahme-Session beginnt:
– Laden der Lights, Flats, Darks und Bias
– Alle Parameter auf Default lassen
Start Integrate … nach einiger Zeit ist die lineare FITS-Datei erzeugt.
Ebenfalls erzeugt werden Master-Flat, -Dark und -Bias, die man in späteren Integrationen statt der Einzelframes verwenden kann. Geht schneller, beim Laden und beim Rechnen.

Bei mehreren Sessions ordnet man die Lights und (Master-) Flats, Darks, Bias passend zueinander … und startet die Integration. Dauert ca. 30-60 min bei 100-200 Frames (auf meinem MacBook Pro M3max).
 

Linear Processing in PixInsight

Ich hatte einige Wochen probiert, mit AstroPixelProcessor die lineare Bearbeitung und das Stretching zu machen … aber zum Teil kam ich nicht mit dem User-Interface zurecht, zum Teil sind die Funktionen zu rudimentär.
So probierte ich PixInsight aus (der Defakto-Standard in der Astrofotografie) und kam überraschend schnell und gut zurecht. Nur das Stacking in PixInsight habe ich gar nicht erst probiert, es nutzt nicht die Apple-Silicon-GPUs und ist deshalb 5-10x langsamer als APP.
Die Installation von PixInsight ist aufwändig: Download aller erforderlichen Astro-Datenbanken, Installieren vieler sinnvollen Erweiterungen wie XTerminator-Tools von Russell Croman, die Scripts von Seti Astro, Bill Blansham, Night Photons und diverse Prozesse wie GHS, DBXtract und einige mehr.

Der erste Schritt ist die lineare Bearbeitung, man bereinigt Bildfehler und Rauschen und erzeugt so einen möglichst sauberen File für das Stretching. Die Schritte sind i.W. immer gleich, bei einigen Prozessen muss man die Parameter an die Bildgegebenheiten anpassen: (in blau der PixInsight-Prozess)

  • Gradienten entfernen (Mond, Lichtverschmutzung): MSGC (exakt anhand der Himmelsdatenbank MARS), GradientCorrection (automatisch) oder DBE (manuell, falls die ersten beiden nicht funktionieren)
  • Sternfehler beseitigen: BXT correct only (BlurXTerminator, eines der Tools von Russell Croman)
  • Sternfarben justieren: SPCC (SpectroPhotometricColorCalibration) kalibriert die Sterne exakt anhand der verwendeten Kamera/Filter und der Sternpositionen im Bild.
  • Schärfen: BXT, mit geeigneten Parametern für Sterne, Nebel und Halo-Entfernung.
  • Sterne separieren (–> Dann ist Stretching einfacher und meist auch besser): SXT (StarXTerminator). Hier muss man aufpassen, ob Artefakte entstehen. Falls ja, muss man Sterne und Nebel doch gemeinsam stretchen.
  • Entrauschen: NXT (NoiseXTerminator) – aber Achtung, nicht zu stark entrauschen, es entstehen schnell Artefakte.

Stretching in PixInsight

Stretching – was ist das und warum?

  • Der Nachthimmel ist so dunkel, dass selbst die hellen Sterne nur die untersten 5-20% der Grauwerte einnehmen. Was wir hier in Westeuropa als Helligkeit sehen, ist nicht der Nachthimmel, sondern Lichtverschmutzung – die Sterne werden dadurch noch blasser.
  • Galaxien und Nebel sind im linearen Bild praktisch nicht zu sehen, sie haben höchstens 1-2 Grauwerte auf einer 256er Skala.
  • Man muss die Grauwerte also „Strecken“, um sie im Bild sichtbar zu machen. Die Sterne von Grauwert 10-50 auf 50-200, also um einen Faktor 4-10. Galaxie bzw. Nebel von 1-2 auf 20-100, also viel höherer Faktor 20-50.
  • Der ganze Aufwand vor dem Stretching wird gemacht, um das Rauschen unter die Grauwerte der Galaxie, des Nebels zu drücken – bzw. umgekehrt die Nutzsignale über das Rauschen zu heben. Darum braucht man eine hohe Gesamtbelichtungszeit für möglichst viele Photonen der Nutzsignale, und zur Rauschminimierung  dienen Dithering, Integration, Gradientenkorrektur, Entrauschen beim Stacking und in der linearen Bearbeitung.

Was macht Stretching so komplex? Es sind zum einen die schwachen Grauwerte knapp über dem Rauschen, zum anderen die so unterschiedlichen Stretch-Faktoren von Sternen und Nebel. Und die Farben darf man beim Stretchen natürlich auch nicht verfälschen oder übersättigen.

  • Separates Stretching von Nebel und Sternen ist deshalb einfacher, weil man nicht so unterschiedliche Stretch-Faktoren gleichzeitig in Einklang bringen muss. Beim gemeinsamen Stretching brennen die Sterne schnell aus, wenn man den Nebel aus den niedrigen Grauwerten herausholt.
  • Die wesentlichen PixInsight-Prozesse sind HT (HistogramTransformation), MAS (MultiscaleAdaptiveStretch), GHS (GeneralisedHyperbolicStretch) und CT (CurveTransformation). Und zusätzlich einige Spezialitäten zur gezielten Kontrasterhöhung wie LHE (LocalHistogramEqualisation), DSE (DarkStructureEnhance) u.v.m.
  • Ein Universum von Möglichkeiten … viele Tutorials … es gibt, anders als für die lineare Bearbeitung, kein Standardrezept … ganz allmählich nur bekomme ich ein Gefühl, was man wann wie einsetzen kann.

 
 

März 2025 – Upgrade auf kleine Astro-Sternwarte

28.3.2025: Stativ, Montierung, Teleskop, Kamera mit Steuerungsrechner.

Die beiden Hauptpunkte sind Rausch-Minimierung und längere Belichtungszeiten, für mich ist aber auch „Convenience“ wichtig.

  • Super erklärt ist hier, was Rauschen ist und was man dagegen tun kann. In Kurzform: Man braucht eine rauscharme Kamera und Calibration-Frames (Dark, Bias), um möglichst viel Rauschen heraus zu rechnen. Die heutigen Astrokameras haben die gleichen Sensorchips von Fujifilm wie die Systemkameras von Sony, Fuji, Nikon – nur sie sind gekühlt. Alle 6-7 °C halbiert sich nämlich das thermische Rauschen, bei 0 bis -10 °C ist es vernachlässigbar klein.
  • Die Calibration-Frames (Dark, Bias und Flats zum Herausrechnen von Staub/Flecken im optischen Weg) erfordern, dass man sie mit der gleichen Temperatur erstellt wie die Belichtungen der Sterne, die sogenannten Light-Frames. Ohne aktive Kühlung ist es schwierig, die gleichen Temperaturen einzustellen.
    ==> Also eine gekühlte Astro-Kamera 👍
     
  • 10-20 Stunden Gesamtbelichtungszeit mit 10-sec-Light-Frames … man käme auf 5-10.000 Bilder, da würde das Stacking mehrere Tage dauern. Um auf 2-5 min Einzelbelichtungszeit zu kommen (300-500 Frames sind es dann, Stacking ca. 1 Stunde) braucht man einen guten Mount, ein sehr gutes Stativ oder eine feste Säule und eine Guiding-Kamera. Guiding und Mount ermöglichen das sogenannte Dithering,  erforderlich um Walking Noise zu eliminieren. Die feste Säule scheiterte am Einspruch der Familie, die den Garten weiter voll nutzen möchte. 😩
     
  • Und die „Convenience“ – ich möchte es nicht Bequemlichkeit nennen, denn gerade als Brillenträger sind Polarausrichtung, Fokussieren und das Auffinden des Ziels eine Qual. Und automatisierte Aufnahmepläne helfen, bei diesem Nachthobby etwas mehr Schlaf zu bekommen. Das bedeutet: Steuerrechner und elektronischer Autofokus (EAF). 🤔
     
  • Meine Hoffnung war, wenigstens meine guten und lichtstarken Fuji-Objektive weiter verwenden zu können. Aber – an allen Ecken und Kanten lauern Inkompatibilitäten, man müsste weiter manuell scharf stellen, kein Dithering. Also auch noch ein Astro-Teleskop. 😳
    Welche Brennweite? Für den Anfang wird 300-500 mm empfohlen.

Nach intensiven Recherchen (kenne ich ja schon vom Fotohobby ;-) entscheide ich mich für das ZWO-Ecosystem statt eines Windows-Systems: Alles passt gut zusammen, ähnlich wie bei PCs hat man die Wahl zwischen Apple (weniger Freiraum, aber mehr Automatismen) und Windows (alles kann und muss detailliert konfiguriert werden).
Anmerkung: Im Vergleich zur PC-Welt ist Astro aber deutlich unreifer, viel mehr Fehler, viel Frickelei, die Firmen sind klein und die Produkte deutlich weniger professionell. Außer die Teleskope, die sind erste Sahne.

Mein Start in das Hobby Astrofotografie:

  • Askar FRA500, mit 0.7x Reducer: Ich kann von 500/5.6 auf 350/3.9 umbauen. Es ist ein Refraktor, weil mir ein Reflektor als Start zu groß und zu komplex war. Viele Ratgeber-Seiten findet man im Internet, gefühlt habe ich alle gelesen, z.B. Galactic Hunter.
    Ich habe gewissermaßen alles vermieden, was die Komplexität noch mehr erhöhen würde: hohe Brennweite (braucht super-präzises Guiding), hohes Gewicht (braucht teuren Mount und macht Guiding noch schwieriger), präzises Justieren eine Reflektors (Collimation, Tilt, Backfocus).
  • ZWO AM5N Mount: „leicht“ (5 kg 😳), Tragkraft 15-20 kg und gutes Guiding. Ich wollte einen guten, leichten (alles ist relativ ;-), möglichst viel Komfort beim Aufbauen und Einrichten, der auch für größere Teleskope noch geeignet ist. Siehe auch den Vergleich hier.
  • ZWO ASI2600MC Air: Kamera, Guiding-Kamera und Steuerrechner kombiniert im Kameragehäuse, in der gleichen Größe wie die Kamera ohne alles. „Alles in einem“ wird von einigen als kritisch angesehen, aber die Kompaktheit und deutlich weniger Kabelverhau haben mich überzeugt. Eine Farbkamera (OSC – One Shot Color) als Start war für mich klar – eine Mono-Kamera hätte die Komplexität für Aufnahme und Bearbeitung noch weiter erhöht.
  • ZWO EAF: Autofokus
  • Berlebach Planet: mit fast 20 kg keine Reisestativ, aber stabil wie ein Felsen
 

Die ersten 7 Stunden Belichtung mit dem neuen Equipment: Bessere Auflösung und weniger Rauschen als mit der Fuji … aber das Processing ist noch sehr verbesserungswürdig.

2.4.2025 - M81,82, Bode & Cigar Galaxy. 7,7h RGB
2.4.2025 – M81,82, Bode & Cigar Galaxy. 7,7h RGB

 
 

 

Februar 2025: Astro-Einstieg mit Skywalker-Montierung

22.2.2025: Sternnachführung – der erste Schritt

Der Star Adventurer GTI von Skywalker ist eine preiswerte Montierung (oder auch neudeutsch „Mount“: motorische Sternnachführung), die bis zu 5 kg tragen kann, ausreichend für eine Systemkamera und ein Teleobjektiv.

Die Nachführung ist „unguided“.
Learning No. 1: Alle Montierungen im bezahlbaren Bereich (d.h. weniger als 5-stellig 😳) brauchen ein sogenanntes Guiding: eine separate Kamera, die einen bestimmten Stern im Bild (den Guiding Star) verfolgt und alle 0,5-3 sec einen Korrektur an die Montierung sendet.
Ohne Guiding ist bei Brennweiten von 300-600 mm die maximale Belichtungszeit pro Aufnahme nur 10-30 sec. Aber immerhin, ohne Nachführung wären es bei diesen Brennweiten nur ca. 0,5 sec.
Anmerkung: Guiding ginge mit dem Star Adventurer auch, aber dafür braucht man so viel zusätzliches Equipment (Rechner, Guiding-Kamera), dass sich auch eine bessere Montierung lohnt.

Es rauscht gewaltig.
Learning No. 2: Was für Landschaftsaufnahmen (Langzeit, nachts) sehr gut ist, reicht für Astrofotografie bei weitem nicht aus. Das wenige Licht der Sterne oder Nebel, das in 10 sec (oder mit Guiding 120-300 sec) auf dem Kamera-Sensor ankommt, ist so wenig, dass es im Rauschen versinkt. Genau dafür dient das „Stacking“ – durch die Mittelung aus vielen Aufnahmen reduziert sich das Rauschen und die eigentliche Bildsignale kommen mehr und mehr heraus. Man braucht viele Stunden Gesamtbelichtungszeit!
Learning No. 3: Ohne Guidung, Dithering und gekühlte Astro-Kamera gelingt es nicht, dass Rauschen so weit zu reduzieren, dass ich das Bildresultat gut finde.

Stacking dauert … und Bildbearbeitung noch mehr 😳
Bei 10 bzw. 30 sec muss ich für 7 Stunden Belichtungszeit 1400 Bilder sammeln – da braucht selbst mein Highend-MacBook mehrere Stunden.
Und bzgl. Bildbearbeitung nach dem Stacking … ich verstehe jetzt, was im Forum gemeint war mit „forget everything what you learnt for terrestrial photography“.

Trotz allem – ich freue mich über mein erstes Astrobild, von der Bode Galaxy M81 und der  Cigar Galaxy M82 – und was ich alles an Details aus den Ausgangsbildern heraus gekitzelt habe.

 

Gut 7 Stunden belichtet: Das erste Galaxie-Bild.
Auflösung nicht so doll, den Hintergrund musste ich fast schwarz machen wegen Rauschen, den Walking Noise sieht man deutlich und die Star-Spikes sind ein Photoshop-Gimmick.

3.-6.3.2025 - M81 Bode Galaxy, M82 Cigar Galaxy - 7,3h Fuji X-H2S, 280mm und 600mm
3.-6.3.2025 – M81 Bode Galaxy, M82 Cigar Galaxy – 7,3h Fuji X-H2S, 280mm und 600mm

 
 

La Palma 2024 – Land und Leute

Der Workshop ist perfekt organisiert

Wir übernachten jeweils zu zweit in den Ferienhäusern Casa Campana in La Punta:

  • gut ausgestattet
  • ein großer Pool
  • für jeden ein eigener Trakt mit Schlaf- und Badezimmer

Das Frühstück bekommen wir im Ferienhaus der beiden Tutoren, reichhaltig und frisch aufgetischt.

Die Abendessen sind im Workshop-Preis enthalten. Mehmet sucht einfache und (wohl gerade deswegen) wirklich gute Restaurants aus. Vor allem die einfachen Bistros sind Spitze: frisch, lecker, freundlich.

Zusätzlich zu den Nachtsessions unternehmen wir einige Ausflüge, so dass wir auch einiges von La Palma sehen.

Unterwegs sind wir in zwei großen SUVs von Cicar. Tiptop – wohl die beste Autovermietung auf den Kanaren, wie wir von Mehmet erfahren.
Dadurch haben wir genug Platz für jeden. Und können uns aufteilen, falls eine Gruppe früher zurück möchte.

 

On Location

Natürlich sind die Locations für Astrofotografie ausgesucht – was auch sonst, genau das haben wir ja gebucht!

Wer ausgedehnte Sessions für Sonnenuntergänge oder Seascape sucht, oder Birding-Urlaub machen möchte … braucht einen anderen Workshop.

Die ideale Astro-Location

  • ist stockdunkel, also weit entfernt von Städten, Straßen etc.,
  • liegt möglichst hoch, mit klarer Sicht und wenig Wolken,
  • hat wenig bis keine Besucher (die machen Licht 😱),
  • hat möglichst in alle Richtungen maximale Sicht auf den Himmel (also wenig „Landschaft“ drumrum)
  • und einen Fels- oder Asphaltuntergrund, damit die Stative 100% stabil stehen.

Wir haben viel Spaß, die Astrofotografie gibt einem ja viel Zeit, sich zu unterhalten, weil die Kameras automatisiert vor sich hin arbeiten.

 

Astro-Zombies …

Kein Schimpfwort, weil so nennen die Astrofotografen sich selbst. Jedenfalls die wir getroffen haben ;-)
Als Gründe vermute ich: Schlafmangel wegen durchwachter Nächte, quadratische Augen wegen stundenlanger Bearbeitungssessions am Computer und Werkzeug-artige Finger wegen diffizilster Basteleien am eigenhändig getunten Equipment 😂.

Aber eine nette Spezies … die sogar, wenn auch erst nach einiger Umgewöhnung, im Hellen solch lichtverschmutzte Motive wie Landschaft oder Sonnenuntergänge fotografieren kann. Nur Sonnenaufgänge geht gar nicht, da schlafen sie …


 
5.9.2024 - Roque de los Muchachos
Roque de los Muchachos – X-H2S mit XF 150-600 in Action

Ein bisschen Wildlife gibt’s auch

Sogar meine Vogelkamera kommt manchmal zum Einsatz.

La Palma ist ein Vogelparadies (das wusste ich gar nicht), wegen der total unterschiedlichen Klimazonen auf engsten Raum: Meer, Strand, Steilküste, Trockenwald, Hochgebirge, im Norden Regenwald und im Süden Wüste und Lagunen.

Trotz wenig Zeit fürs Birding habe ich sogar ein paar Erstsichtungen:

    • Kanarienvogel / Atlantic Canary – zum ersten Mal sehe ich die in der Natur.
    • Einfarbsegler / Plain Swift – zahlreich, mit wilden Flugmanövern oben am Roque. BIF ist sehr schwierig (und ich bin stolz ;-).
    • Mittelmeermöwe / Yellow-legged Gull – ausgewachsen, in England sahen wir bisher nur Jungvögel.
    • Sepiasturmvogel / Cory’s Shearwater – das südliche Pendant zum Eissturmvogel / Northern Fulmar.
    • Alpenkrähe / Red-billed Chough (nur im Flug) – sieht man in den Alpen kaum, häufiger in Osteuropa und – erstaunlich – auf La Palma und in Cornwall.
 
 
 

La Palma 2024 – Astrofotografie

Astrofotografie ist ein Universum …

5.9.2024 - 3 Millionen Lichtjahre 😳

… mit vielen Spezialdisziplinen: Sonne, Planeten, Milchstraße, Star Trails, Nordlichter, Deep Sky, Kometen, Satelliten … mit jeweils unterschiedlichem Equipment, Aufnahmetechniken, Anforderungen an die Umgebung, und Nachbearbeitung.

Deep Sky-Astrofotografie fasziniert mich am meisten: Galaxien, Nebel, Sternhaufen. Man braucht lange Aufnahmezeiten (Stunden!) und macht das mit vielen Einzelaufnahmen. Techniken wie Stacking, Dithering, separate Aufnahmen je Farbkanal, Light/Dark/Calibration Frames usw. werden eingesetzt. Plus jede Menge Spezialequipment: motorische Nachführung, gekühlte Hauptkamera, Nachführkamera, separate Aufnahme- und Nachführteleskope, Filter, Steuerungscomputer.

Auf der nach oben offenen Astro-Skala geht es von der Basisausstattung (gute Landschaftskamera und lichtstarkes Objektiv plus einfacher Tracker) über die Top-10-Upgrades (nur so 9.000 € ;-) und der eigenen Sternwarte im Garten (Mehmet hat seine Traum realisiert) bis zur Profi-Sternwarte (für den Preis von $750.000 ist dann die Lieferung inklusive 😂).

Man verbringt Monate im Internet, hier mal ein Link, was man so alles lernen kann. Nach einigen Jahren des Anschaffen und Lernen gelingen dann Bilder wie diese auf astrobin oder der 7000 Lichtjahre entfernte Fly Nebula.

Wo man auf der Nord- bzw. Südhalbkugel fotografiert, ist übrigens egal – die Sterne sind überall gleich (darum heißt es ja Fix!sterne), die Rechnersteuerung fährt den jeweiligen Himmelspunkt exakt und automatisch an, Hauptsache es ist dunkel und klare Luft. Für ein fertiges Bild sammeln manche von vielen verschiedenen Orten bis zu 100 und mehr Stunden Belichtungszeit, das sind bei 1-5 min pro Einzelbild einige 1000 Frames. Wenn man bedenkt, dass man in Deutschland pro Jahr (!) vielleicht 5 Nächte mit klarem Himmel hat, dass man in La Palma, Namibia oder Chile in einer Woche im Idealfall ca. 30 Stunden aufnehmen kann, dann versteht man, dass man für ein Bild Monate bis Jahre braucht.

6.9.2024 - am Roque Palmero, light, +3.5 aufgehellt6.9.2024 - am Roque Palmero, stacked
Mein Ziel ist sehr bescheiden – ich möchte die Milchstraße mit meiner Ausrüstung für Landschaftsfotografie optimal fotografieren – mit GFX 100S und GF 20-35/4:
– Nachteile:  nur Blende f/4, keine automatische Nachführung
– Vorteile: das niedrige Rauschen und die hohe Auflösung der GFX
– Siehe mein Beitrag im dpreview-Forum

Vor diesem Workshop habe ich die Milchstraße immer als Einzelbild aufgenommen, mit 10-15 sec Belichtungszeit, Offenblende, ISO 1600-3200, dann in Lightroom nachbearbeitet.

Gelernt habe ich jetzt, mehrere Frames aufzunehmen und diese nachher zu stacken. Siehe die gute Erklärung hier. Ich nutze auf dem Mac Starry Landscape Stacker.
Links ein Vergleich von (bearbeitetem) Einzelbild und Stacking aus 40 Einzelbildern.

Die generelle Vorgehensweise ist:
– wie üblich: guter Standort, stabiles Stativ, Motiv/Vordergrund finden
– dann ca. 20-50 RAW-Bilder aufnehmen, die sogenannten Frames
– und in der Nachbearbeitung: RAW aufhellen – Entrauschen – TIFF – Stacking – Nachbearbeiten – ggfs. Vordergrund einbauen.

 

 
Diese folgenden vier Beispiele zeigen mit Zwischenschritten, was dank Rauscharmut und 100 Megapixeln möglich ist, obwohl man mit dem GF 20-35/4 um 3-4 Blenden gegenüber einem lichtstarken Vollformat-Objektiv unterbelichten muss.

Die Andromeda-Galaxie ist natürlich Spielerei mit ungeeignetem Equipment: Blende 5,6 –> 2-3 Blenden unterbelichten trotz ISO 12.800; 200 mm Brennweite (umgerechnet nur 160 mm) –> zusätzlich noch einmal 2-3x croppen.

Milchstraße:
Stack aus 23 Lights, 10 Darks
10 sec, f/4,5, ISO 4.000, 20 mm
7 Lights wegen Autoscheinwerfern unbrauchbar.

Vordergrund 1: (real]
Blaue Stunde, Richtung Milchstraße
9 sec, f/13, ISO 100, 20 mm

Vordergrund 2: (kreativ ;-)
Sonnenuntergang nach Westen
1/140 sec, f/9, ISO 100, 20 mm

Herausforderung:
Farbtemperatur des Vordergrunds anpassen. Sorgfältige Maske in Photoshop.

Milchstraße:
Stack aus 30 Lights, 10 Darks
10 sec, f/4,5, ISO 3.200, 20 mm
Da es stockdunkel ist, sind alle Lights brauchbar.

Vordergrund: (nicht separat)
Kein separates Bild, sondern aus dem Stack aufgehellt, die Wolken um 5 (!) Blendenstufen.
Dadurch viele Artefakte, die ich per „Entfernen“ wegstempeln muss. Aber erstaunlich, was Stacken auch für den Vordergrund bringt.

Herausforderung:
Beim nächsten Mal werde ich nicht so faul sein und ein Vordergrundbild mit vernünftiger Belichtung machen.

Milchstraße und Mond:
Stack aus 20 Lights, 5 Darks
10 sec, f/4,5, ISO 3.200, 24 mm
Starry Landscape Stacker schafft das Alignment von Milchstraße (bewegt sich nach rechts) und Mond (nach unten).

Vordergrund: (nicht separat)
Ich habe außer den Autos alles recht dunkel gelassen, und den Wassertank wegretuschiert.
Ein separates Bild klappte wegen Überstrahlung nicht.

Herausforderung:
Helligkeitsunterschiede bändigen. GFX und Lightroom helfen.

 

Andromeda-Galaxie:
Stack aus 20 Lights, 10 Darks
6,5 sec, f/5,6, ISO 12.800 (!), 200 mm

Die Belichtung ist viel zu lang, nach NPF-Formel darf max 2 sec belichten, um keine Striche zu haben.
Mehmet hat die Sterne am Ende zu Punkten gemacht (mit PixInsight)

Herausforderung:
Wo ist die Andromeda-Galaxie?
Für mich war es schon schwer genug, sie mit dem bloßen Auge zu finden.
Durch den Kamerasucher sieht man gar nichts … also grob ausrichten, 6 sec belichten … korrigieren … nach ein paar Mal klappt es.

 

Fazit:

  • Mit GFX und dem GF 20-35/4 klappen Aufnahmen der Milchstraße und auch Sternspuren sehr gut – durchaus vergleichbar mit einer f/1.4-Optik beim Vollformat.

  • Das meiste  holt man raus
    – mit Geduld vor Ort: sauberer Bildaufbau, Vordergrund separat aufnehmen, viele Frames 👍
    – und Spucke zuhause: KI-Entrauschen, Stacking, Bildbearbeitung 😂.

  • Die Fortschritte in Kameratechnik, Aufnahmetechnik und Nachbearbeitung sind beeindruckend, siehe rechts.

  • Die 7 Regeln aus dem dpreview-Forum bringen auf den Punkt, was man braucht:
    1. Man muss es wirklich wollen
    2. Ausdauer
    3. Lernfähigkeit und Lernwillen
    4. gute Ratgeber
    5. … merken, welche wirklich gut sind 🤣
    6. große Geduld und
    7. … auch etwas Frustrationstoleranz.

 
 

3.-6.3.2025 - M81 Bode Galaxy, M82 Cigar Galaxy - 7,3h Fuji X-H2S, 280mm und 600mm
3.-6.3.2025 – M81 Bode Galaxy, M82 Cigar Galaxy – 7,3h Fuji X-H2S, 280mm und 600mm

Sneak preview (11.3.2025):

  • Seit 2 Wochen habe ich mir eine kleine Montierung zugelegt (Skywatcher Star Adventurer GTI).
  • Nach einigen Pleiten, Pech und Pannen (nicht scharf gestellt, mit Objektivdeckel 2 Stunden fotografiert, Gartenstrom abgeschaltet) …
  • … habe ich 3 Nächte jeweils 2-3 Stunden aufgenommen …
  • … ein paar Tage mich in die Anfänge des Astro-Image-Processing eingearbeitet …
  • … und präsentiere stolz wie ein Erstklässler mein erstes Astrobild. 🙂
  • … hemdsärmelig gestackt und mit Lightroom und Photoshop bearbeitet.
 

Ein Jahr später … geht es weiter in meinem Astro-Blog. 😃

 
 

La Palma 2024 – Workshop

4.9.2024: Lange Anreise, geruhsames Ankommen und Kennenlernen

Ein langer Tag: Aufstehen um 2:45 Uhr, Abflug um 6:15 Uhr in Düsseldorf … Ankunft im Ferienhaus um 15 Uhr. Schreck am Gepäckband: Der Apple AirTag sagt, dass der Koffer in Hamburg ist 😱 … Gottseidank, ein Fehlalarm, dicker Bock von Apple.

Wir sind 4 Teilnehmer: die beiden Astrofotografen Norbert und Werner, mein Kollege Rolf und ich als „nur“ Landschaftsfotografen. Plus Mehmet und Bernd, unsere Tutoren. Es steht also 4:2 für Deep Sky … was sich noch auswirken wird 🤣.

Nach der langen Anreise ist heute ein ruhiger Tag: Ausbaumeln und Mittagsschlaf, gegen 6 Uhr fahren wir nach Puerto de Tazacorte, Abendessen in der Taberna del Puerto, leckerer Fisch. 

Bei einem Glas Wein werden wir schon einmal informiert, wie ein normaler Deep-Sky-Tag abläuft:
– Frühstück gegen 11 Uhr, im Ferienhaus der Tutoren.
– Ausruhen, am Nachmittag ein Ausflug, frühes Abendessen in einem landestypischen Restaurant.
– Gegen 20 Uhr geht es „hoch zum Roque”, pünktlich zum Beginn der Dunkelheit.
– Die Nacht wird durchgemacht, bis gegen 3, 4 Uhr.

 
5.9.2024: Roque des los Muchachos
5.9.2024 - GTC am Roque de los Muchachos ... „Wo ist der Spiegel?“ 😂
GTC am Roque de los Muchachos: „Wo ist der Spiegel?“ 😂

Frühstück um 8 in Mehmets und Bernds Haus (gestern war ja keine Nachtschicht), dann geht es hoch zum „Roque“ (de los Muchachos, dem höchsten Punkt des einstigen Vulkans im Norden). Wir besichtigen das Observatorium:

  • MAGIC, die Gammastrahlen-Teleskope: Seit 2016 werden in Chile und hier in La Palma bis 2028 insgesamt 60 Teleskope gebaut, mit denen Wissenschaftler versuchen, das Zentrum der Milchstraße zu vermessen.
  • GTC (Grand Telescopio de Canarias), mit einem Spiegeldurchmesser von 10,4 m das (derzeit noch) größte Spiegelteleskop der Welt. Rolf und ich fragten beide „Wo ist der Spiegel?“ … wir wollten niemanden veräppeln … der Spiegel ist so sauber, dass wir die Spiegelung für den Bereich hinter dem Spiegel halten 😂.
  • Anschließend geht es ganz nach oben zum Roque de los Muchachos, mit 2426 m die höchste Erhebung des Kraterrands des einst noch ca. 1000 m höheren Vulkans Taburiente.
    Tolle Aussicht, Michael ist der Kolkraben-Flüsterer 😍.
  • Zeit für das Museum haben wir leider nicht.
5.9.2024 - Roque de los Muchachos, Natternkopf im Sonnenuntergang
Magisch: Sonnenuntergang über den Wolken

Für 1  Stunde Mittagsschlaf fahren wir ins Ferienhaus zurück, dann zum Abendessen nach Las Tricias, zu Camu Camu Garafía, ein kleines, gemütliches Bistro, mit sehr leckeren vegetarischen Burgern.

Dann geht es zur ersten Astro-Sitzung wieder hoch zum Roque: In der blauen Stunde machen wir fleißig Vordergrundfotos (mir erschließt sich erst später, auf was zu achten ist), dann bauen wir unsere Stative am Besucherzentrum auf und es gibt erste Milchstraßenbilder. Oder – um es präzise zu sagen: Wir nehmen die „Frames“ auf, aus denen später per Software die Milchstraßenbilder entstehen. Technische Details siehe beim Menüpunkt Astrofotografie.

Zwischendurch ein kleiner Abstecher zum Aussichtspunkt Mirador de los Andenes. Der Blick über die riesige Caldera ist fast kitschig schön:  weiße Wolken, angestrahlt von unten durch die Lichter der Hauptstadt Santa Cruz de la Palma, darüber die Milchstraße. Für uns Landschaftsfotografen ein tolles Motiv, für die Astrofotografen ist es … Lichtverschmutzung 😄.

Gegen halb 2 sind wir zurück … uns Einsteiger will Mehmet am ersten Tag wohl nicht verschrecken.

 

 
6.9.2024: Bootstour, Llano de los Animas („Wassertank“)

Spätes Frühstück, Bilder bearbeiten, um halb 3 geht’s nach Tazacorte zur Bootstour. 2,5 Stunden fahren wir an der Westküste entlang:

  • Zuerst etwas nach Süden, wo beim Ausbruch von 2021 die Lava des Cumbre de Veija ins Meer floss.
  • Wir fahren in 2 Lavahöhlen, besichtigen die Klippenhäuser
  • und dann geht es aufs offene Meer, um Delfine oder gar Wale zu sehen.
    Das klappt nicht, aber dafür finden wir Sepia-Sturmtaucher, die südlichen Verwandten des Northern Fulmar, den Karin und ich an Englands Ostküste entdeckt hatten. Sie leben ebenfalls fast nur auf dem Meer, außer zum Brüten. Mir gelingen schöne Fotos 🙂.

Frühes, leckeres Abendessen in der Pizzeria II Tramonto am Hafen, 1,5 Stunden Ausruhen, dann geht es hoch zum Wassertank am Llano de los Animas.

Die Astrofotografie-Session wird vorbereitet  … d.h. das ganze Foto-Geraffel auspacken, aufbauen, justieren, dann einige Testaufnahmen und die vorprogrammierten Automatiken werden gestartet. Für den Rest der Nacht heißt es dann für die Astro-Jungs … warten, reden, schlafen, warten … ☺️.

Rolf und ich wollen mehr Action, und kraxeln 250 Höhenmeter hoch zum Krater, zum Roque Palmero. Uns gelingen schöne Milchstraßenbilder. Aber irgendwie ist die Milchstraße überall auf der Welt gleich, nur halt der Vordergrund variiert. Da haben die anderen mit ihren Teleskopen schon deutlich mehr Auswahl: Nebel, Galaxien …

Gegen Mitternacht sind wir zurück bei den anderen, ich gehe ins Auto zum Schlafen … als Rolf ins Auto kommt und mir den Andromeda-Nebel aufgenommen zeigt, mit seiner X-T5 und XF 50-140/2.8 … da gehe ich auch noch mal raus, und versuche es mit meiner dafür eigentlich komplett ungeeigneten Kombi GFX und GF 100-200 f/5.6.

Klappt erstaunlich gut – und es ist faszinierend: Die Andromeda-Galaxie (im Messier Katalog mit der Bezeichnung M31, bei Wikipedia ausführlicher Lesestoff) ist 2,5 Mio. Lichtjahre von uns entfernt, ca. zweimal so groß wie unsere Milchstraße, das am weitesten entfernte Objekt, das wir mit bloßem Auge erkennen können (bei wenig Lichtverschmutzung).
„2,5 Millionen Lichtjahre“ … Wahnsinn, alles was wir sehen, ist vor 2,5 Mio. Jahre passiert.


Die anderen erbarmen sich, und schon kurz nach 1 fahren wir alle gemeinsam zurück.

 
7.9.2024: Aussichtspunkte an der Küstenstraße LP-1, Auszeit ;-)

Frühstück um 10, Bilder sortieren und bearbeiten bis 15 Uhr, dann fahren wir die LP-1 nach Norden:

Abendessen im Restaurante Parrillada Pino de La Virgen, in El Pino, ganz okay.

Rolf und ich sind k.o. – als Landschaftsfotograf ist man zwei Tage Nachtschicht halt nicht gewöhnt 😄.

Wir nehmen einen der Wagen und fahren schon gegen 7 Uhr zurück, mit Zwischenstop zum Sonnenuntergang am Mirador Barranco de Garome. Abends bearbeiten wir noch ein paar Bilder.

Die anderen vier fahren noch einmal hoch zum Wassertank … und bleiben bis 4 Uhr morgens 😱.

 
8.9.2024:  Bildbearbeitung, Llano de los Animas („Wassertank“)
8.9.2024 - Llano de los Animas, Mond
(umgerechnet) 1260 mm Brennweite

Der übliche Rhythmus: 10 Uhr Frühstück, bis 15 Uhr Bildbearbeitung und Ausruhen, dann geht’s los.

Zum 3. Mal  geht’s zum Wassertank, weil es dort für Astrofotografen nahezu ideal ist: stockdunkel, klare Luft bei 2000 m Höhe, keine anderen Menschen (mit so bösen Dingen wie Taschenlampen oder Autoscheinwerfern) und – auch sehr wichtig – Asphalt als Untergrund.
Denn wenn die Stative bei Astrofotos auch nur einen Millimeterbruchteil einsinken, dann verrutschen in den Weiten des Weltalls die Galaxien 😳.

Unser Landschaftsfotografen-Sonderwunsch heute: Bilder im Hellen, also goldene Stunde und Sonnenuntergang, d.h. schon gegen 7 Uhr am Ziel sein.

Einige Überzeugungsarbeit für eine so frühe Ankunft ist erforderlich, denn die anderen sind komplett auf Nachtaufnahmen gepolt: „Was sollen wir so früh da oben, da ist es doch noch viel zu hell.

Mit Mühe schaffen wir es, um 18 Uhr los zu fahren … dass man für Sunset-Fotos eine gute Stunde vor Sonnenuntergang da sein muss, ist Astrofotografen unbekannt 😊. 

Schöner Sonnenuntergang auf 1900 m Höhe, traumhaft über den Wolken, tolle Lichtstimmung.

Dann unser Topshot kurz nach Sonnenuntergang: Milchstraße und Monduntergang, gleichzeitig im Bild 🙂👍.
In der Dämmerung war der Mond noch nicht untergegangen, also „viel zu hell“ für Astrofotos, „hat gar keinen Zweck, jetzt schon zu fotografieren“. Aber Rolf probiert es, sieht gut aus. Ich schieße sogar einige Dutzend Frames fürs Stacking – und zur Überraschung aller verkraftet die Stacking-Software auch die unterschiedliche Objektgeschwindigkeit und -richtung von Milchstraße und Mond.

Rolf und ich fahren gegen Mitternacht zurück.


8.9.2024 - Llano de los Animas, Milchstraße und Mond, stacked aus 25 Frames
8.9.2024 – Llano de los Animas, Milchstraße und Mond, stacked aus 25 Frames
 
9.9.2024: Rundfahrt Roque und Santa Cruz de la Palma
9.9.2024 - Mirador de Los Andenes, die Kolkraben sind handzahm ;-)
Mirador de Los Andenes, die Kolkraben sind handzahm … (klick für Video)

Frühstück erst um 11 … die anderen hatten wieder bis 4 Uhr Nachtschicht. 😱

Um 14 Uhr fahren wir via Roque de los Muchachos und nur 2 Aussichtspunkten (die sind echt keine Landschaftsfotografen ;-) nach Santa Cruz de la Palma.

Ich weine zwischendurch, denn beim Mirador de los Andenes nehme ich nur die GFX mit Weitwinkel aus dem Wagen, nicht das „Rohr“ mit 600 mm Brennweite … und prompt schweben 2 Alpenkrähen (die mit den roten Füßen und Schnabel) und 2 Turmfalken vorbei, ganz nah, auf Augenhöhe. Ich hole schnell die Vogelkamera … aber kein Vogel kommt mehr.
Okay, stimmt nicht ganz: 2 Kolkraben lassen sich anlocken und fressen mir aus der Hand. Magisch, diese Nähe, wie der Vogel mich anschaut, mit einer Mischung aus Vorsicht und Zutrauen.

Santa Cruz ist nett, ich finde die Stadt aber nicht besonders schön, auch nicht fotogen. Wir bummeln 2 Stunden und essen leckere Pizza an der Strandpromenade (Made in Italy).

Gegen 22 Uhr sind wir wieder in der Unterkunft, noch Bilder einlesen und sortieren … morgen ist der letzte Tag.

 
10.9.2024: Vulkanfelder von 2021, „Wasserfall“, Centro de Visitantes
10.9.2024 - Wasserfall über der Cumbre Nueva
10.9.2024 – Wasserfall über der Cumbre Nueva (klick für Video)

Ein ruhiger Tag heute. 

  • Der Vulkanausbruch des Cumbre Vieja hat 2021 ca. 1600 Häuser zerstört. Man sieht Hausreste im Lavastrom, und Häuser, die auf der Gartenseite 5 m in der Lava stecken, auf der Straßenseite frei zugänglich sind … und noch bewohnt werden. 
  • Licht, Wind und Wolken spielen mit … der Wolkenwasserfall über der Cumbre Nueva sieht toll aus. 
  • Das Besucherzentrum ist klasse. Am schönsten finde ich das große Reliefmodell der Insel. 

Frühes Abendessen in der Dorfbar von La Punta, es gibt genau zwei Gerichte: Pollo oder Pescado, mit Kartoffeln und Salat. Einfach und sehr lecker. 👍🙂

Den Abend lassen wir auf unserer Terrasse ausklingen, die Wein- und Bierreserven müssen weg 😊.

11.9.2024: Rückflug
13.9.2024 - Andenken an den Workshop :-)
Andenken an den Workshop :-)

Ein Werbe-Doofpaddel ruft um 4:44 Uhr auf dem Handy an, verschlafen stehe ich auf, waschen, Koffer packen, Rolf wecken … der mir dann sagt, dass es 5:25 Uhr, nicht 7:25 ist 😂.
Gottseidank kann ich wieder einschlafen (Rolf auch ;-) und stehe um 7 Uhr wieder auf. Ohne Hektik ist noch Zeit für einen Kaffee und Joghurt. 

Um 7:30 Uhr geht’s zum Flughafen, Rolf fliegt um 10:45 Uhr schon nach Düsseldorf, wir anderen fünf um 12:10 Uhr nach Frankfurt. 

Ruhiger Flug. Pünktliche Landung um 18:30 Uhr … den durchgehenden Zug nach Aachen um 19:08 Uhr bekomme ich dann wohl nicht.
Mein Koffer kommt um 19:01 Uhr … ich will es probieren … kleiner Gepäcklauf … 19:08 Uhr am Gleis 6 … 19:09 Abfahrt. Wohl ein neuer Rekord, um quer durch den Frankfurter Flughafen zum Fernbahnhof zu kommen 👍.

 

Fazit:

  • Toller Workshop, nette Leute
  • Gute Mischung aus spät frühstücken, Siesta, Nachmittagsprogramm und Abend-/Nachtschicht
  • Mehmet vertraut mir einen der 2 Mietwagen an, so dass Rolf+ich schon früher als die „Astrozombies“ zum Schlafen zurückfahren können. 
  • Milchstraße habe ich jetzt gelernt, gelingt mit GFX und dem GF 20-35 perfekt:  30-50 Aufnahmen mit ca. 10 sec, f/4, ISO 3200, und dann stacken. 
  • Auch Andromeda klappt (3-6 sec, ISO 12800, mit dem GF 100-200).
    Ärgerlich, dass ich das XF 200/2 nicht mitgenommen habe … damit wären wohl auch ohne Nachführung ein paar Nebel ganz gut gegangen.
    —> Kommt auf die Packliste für den La Palma Urlaub mit Karin 😊😍🥰
  • Mehmet ist ein super netter, ruhiger und äußerst geduldiger Workshop-Leiter. Fokus und Knowhow liegen natürlich bei Astrofotografie.
    Sonnenuntergang, Lichtstimmungen oder dramatische Bergszenen … fallen ihm genauso gut auf wie mir auffällt, ob Karin beim Friseur war 😂.
  • Am Ende habe ich ca. 10 „Burner“, mehr als auf den anderen Workshops. 
 
 

La Palma 2024

4.-11.9.2024 – Astrofotografie auf La Palma
4.-11.9.2024 - Astrofotoworkshop La Palma
4.-11.9.2024 – Astrofotoworkshop La Palma (© Google 2024)
5.9.2024 - Mirador de los Andenes: Werner, Mehmet, Michael, Rolf
5.9.2024 – Mirador de los Andenes, (c) Rolf Geisen

Schon immer haben mich Astrofotos fasziniert, siehe z.B. hier. Wenn man auch nur ein bisschen eintaucht, öffnet sich ein Universum an Motiven, Equipment und Techniken. Genau das richtige für mich – Fotograf, Technik-Fan und Software-Freak 😂.

Auf meiner Kandidatenliste war so ein Astroworkshop schon lange – um zu schauen, ob dies etwas für mich ist.

La Palma ist Dark Sky Reserve und hat den dunkelsten Himmel in Europa.
Ich habe die Sternwarte in La Palma nach Workshops angefragt, und Mehmet Ergün wurde empfohlen. Als im September eine Dienstreise entfiel, habe ich kurz entschlossen gebucht.

Eine Woche verbringen wir in einem Ferienhaus an der Westküste, so dass wir nur kurze Fahrzeiten zu den Dark Sky Spots auf 2000-2300 m Höhe haben. Aber auch Ausflüge stehen auf dem Programm: Bootstour mit Lavahöhlen, Santa Cruz de la Palma, und der 2021 ausgebrochene Vulkan Cumbre Viejo.

Mein Ziel und gleichzeitig die Herausforderung: Mit meinem auf Landschaftsfotografie ausgelegten Equipment möchte ich gute Milchstraßenbilder hinkriegen.

Fazit:

  • Milchstraße kann ich jetzt 👍. Mehmet war die erhoffte Hilfe, die angelesene Theorie in die Praxis umzusetzen. Danke!
  • Die Landschaft La Palmas ist ein Knüller: als Wander- und Birding-Urlaub jetzt ganz oben auf unserer Wunschliste 😍.
  • Ich weiß aber jetzt auch, dass Astrofotografie nicht mein Hobby werden wird: Zeit, Gelegenheit, Ausdauer … all dies habe ich zu wenig und meine andere Vorlieben wie Familie, Birding, Reisen, Schach haben Vorrang.
  • Nachtrag März 2025: Salto rückwärts … es hat mich doch nicht mehr losgelassen … das erste (einfache) Astro-Equipment wird gekauft. 12 Monate später habe ich eine „richtige“ Ausrüstung, und viele Stunden aufgenommen, erste schöne Galaxien und Nebel erfolgreich bearbeitet. 🙂

 

La Palma – Deep Sky und Landscape

 

 

La Palma 2024 – Impressionen