
Nach der Basisausbildung (siehe Lofoten), wie man die richtigen Belichtungswerte aus- und umrechnet, ist der Schwerpunkt auf Teneriffa, den Einsatz der Graufilter und Grauverlaufsfilter zu üben. Für die Umrechnung nutze ich die App PhotoBuddyĀ – es geht auch im Kopf, aber schneller und sicherer ist das āDaumenrad”, mit der man in der App die ISO, Blende und/oder FilterĀ verschieben kann und daraus die jeweilige Belichtungszeit berechnet wird. Die wesentlichen Schritte (und Kniffs) sind:
- Warum brauche ich eigentlich lange Belichtungszeiten, bzw. wodurch ergeben sie sich?
Entweder weil nicht genügend Licht da ist, oder weil ich durch lƤngere Zeiten bestimmte Effekte erzielen will. Typische Beispiel sind:- Wasser sieht flieĆend aus bei 0,3-1 sec. Ab 2 sec werden Wellen verwischt, ab 20 sec Ā ergeben sich die typischen āFeenbilderā.
- Sonnenauf-/untergang: Hier braucht man wegen der Kontrastunterschiede Grauverlaufsfilter, so dass sich schnell 1/20-1/4 sec ergeben.
- Sternbilder, MilchstraĆe: Hier mƶchte man keine Wischeffekte haben, als Faustformel muss die Belichtungszeit deshalb kleiner als 500/Brennweite sein. Bei 16 mm (Vollformat) also 30 sec … und das heiĆt dann, trotz der langen Zeit, ISO 3200-6400 und Blende 2.8.
- Startrails: Die erhƤltĀ man bei mindestens 20 min, besser 60-120 min Belichtungszeit. Und das heiĆt auch nachts (es darf kein Mond scheinen!), dass ein leichter Graufilter gebraucht wird. Oft istĀ hier auch ein Grauverlaufsfilter erforderlich, weil – trotz Dunkelheit – der Himmel deutlich heller als die Landschaft ist.
- Einstellung der Belichtung:
- Mit geeigneter ISO-Einstellung, Blende, ohne Graufilter, aber mit Grauverlaufsfilter wird die für diese Kombination richtige Belichtung bestimmt. Je dunkler es ist, desto höher wird hier ISO gewählt und desto offener die Blende. Am einfachsten geht es mittels Blendenautomatik (AV bei Canon) oder in kniffligen Fällen manuell (Einstellung M) mit Hilfe des Histogramms. Probeaufnahmen sind sinnvoll. Dies ist die Basis-Belichtung.
- Dann wird die gewünschte Blende (SchƤrfentiefe), ISO, Filter und/oder BelichtungszeitĀ eingestellt … die jeweils als variabel gewƤhlte GrƶĆe ergibt sich.
- Bei sehr hohen Belichtungszeiten taste ich mich in 2-3 Schritten ran – damit ich nicht erst nach 5 min Belichtung eine eventuellen Fehler bemerke.
- Das Histogramm ist unbedingt zu prüfen:
- Tagsüber sollten alle drei FarbkanƤle mƶglichst āvollā sein – jedoch maximal einer darf rechts anschlagen. Noch extremer ist ETTR – Expose to the rightĀ – erfordert aber auf jeden Fall die Nachbearbeitung in Lightroom oder Photoshop.
- Nachts sollte der stƤrkste Farbkanal nur ca. 60% des Belichtungsspielraums ausnutzen. Sonst ist das Bild zu hell, nƤmlich taghell.
- Scharfstellen beim Einsatz von starken Graufiltern: Man fokussiert ohne Graufilter, schaltet das Objektiv auf manuellen Fokus und setzt dann den Graufilter auf.
Wenn es zu dunkel für den Autofokus ist, fokussiert man auf eine helle Lichtquelle und schaltet dann auf manuellen Fokus um.
- Das sogenannteĀ DunkelbildĀ ist wichtig bei Belichtungszeiten >1 min. Der Sensor erzeugt bei Langzeitbelichtungen āFarbstƶrungen”, die durch ein direkt anschlieĆende Belichtung bei geschlossenem Verschluss (also ādunkel”) herausgerechnet werden. Bei einer 45 min Startrails-Belichtung ist die Kamera anschlieĆend noch einmal 45 min beschƤftigt, das Dunkelbild zu erzeugen. Dafür kann man sich aber ruhig auf den Heimweg machen – nur genügend Akku muss noch vorhanden sein.Ā (ImĀ Great Basin 2012Ā hatte ich diesĀ vergessen – die Bilder sind wunderschƶn bunt gesprenkelt und für mehr als Web-Ansicht nicht zu gebrauchen.)
Hier ein paar Beispiele zum Einsatz von Grau(verlaufs)filtern.
- Dabei sind Verlaufsfilter immer dann erforderlich, wenn die Kontrastunterschiede im Bild grƶĆer sind als die Dynamik des Sensors. Das Auge hat einen Dynamikumfang von bis zu 20 Blendenstufen, wƤhrend die Topkameras heute 11-13 Blendenstufen beherrschen. Der Verlaufsfilter sorgt dafür, dass helle Bildbereiche (meist der Himmel) abgedunkelt werden. Das ist übrigens kein wirklicher Verlust, weil sowohl Monitore (gute decken bis 10 Blenden ab) als auch Papier (bis 7 Blendenstufen) noch einmal deutlich weniger darstellen kƶnnen.
- Graufilter dunkeln das Bild insgesamt ab. Einziger Grund ist, lƤngere Belichtungszeiten zu erzielen.
| Caldera, Teide, Sternenhimmel 30s, f5.6, ISO 2500, 16mm
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Corona Forestal, La Gomera 1/640s, f8.0, ISO 400, 90mm
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La Tejita bei El MƩdano 1/10s, f13, ISO 400, 16mm
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Los Hermanos Bild 1 vs. 2: 11,3Ā Blendenstufen
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