Alle Beiträge von Michael

Abenteuer Elektro-Mobilität

Unsere Gedanken und Erlebnisse rund um’s Elektroauto sind hier umgekehrt chronologisch in loser Zeitfolge erzählt. Wer alles lesen möchte, fängt am besten von hinten an.

 
4.12.2025: Wir bestellen den Skoda Elroq 85

Wir hatten den Schock etwas sacken lassen und überlegten: noch einmal ein Auto, oder nur noch Car Sharing?
Die Bequemlichkeit siegt – aber jetzt wollen wir ein streckentaugliches E-Auto, mit dem wir auch in den Urlaub fahren können. Die Auswahlkriterien: 350 km sichere Reichweite, großer Laderaum, Anhängerkupplung, möglichst klein …
… also eigentlich ein Fabia Combi in elektrisch ;-)

Wie gehabt … Michael liest Tests, konfiguriert Autos, der Elroq 85 kristallisiert sich heraus. Skoda, praktisch, gut. Zwar größer als gewünscht, aber kleinere E-Autos haben zu wenig Reichweite, und zudem keine Anhängerkupplung, mit denen man Anhänger ziehen darf.
Am 25.11. klappern wir die beiden Aachener Skoda-Händler ab. Jacobs hat keine Zeit, bei Fleischhauer erhalten wir ein Angebot, das mit den Online-Angeboten mithalten kann. Wir wollen uns „morgen“ entscheiden.

Das machen wir auch … aber jetzt hat Fleischhauer keine Zeit für den Kaufvertrag, vertröstet auf den Abend, ist nicht erreichbar. Auch Jacobs will kein Auto verkaufen. Am 4.12. reicht es uns, wir rufen beim freundlichen Autohaus in Norddeutschland an … und haben innerhalb von 3 Stunden alle Formalien erledigt.

Lieferung ist Juni/Juli 2026 – die deutschen Autokonzerne haben Lieferzeiten von 6-12 Monaten, wollen also offensichtlich so viele (sofort lieferbare) China-Importe wie möglich als Wettbewerber haben.

 
2./5.11.2025: Nach 9 Jahren der k.o. :-(

2 Jahre keine Klagen/Probleme, dann ein Wochenendausflug, die 130 km Hinweg ohne Probleme, trotz Regen und Kälte kommen wir mit 90-95 km/h auf der Autobahn gut hin.
Den Rückweg starten wir mit vollem Akku … aber die Reichweite ist gering. Wir fahren langsamer, nur noch 80 km/h. 15  km vor Aachen müssen wir laden … aber, oh Schreck, die Chademo-Säulen sind abgebaut. Mit 3 km Restreichweite erreichen wir die Stawag-Ladesäule in Verlautenheide.

Am Mittwoch der geplante Inspektionstermin, mit TÜV. Ich bitte, den Akku zu prüfen. Gegen Mittag ruft die Werkstatt an: Schlechte Nachricht, nur noch 27,9% der Zellen sind in  Ordnung … ob wir den TÜV überhaupt noch machen wollen?

Ein neuer Akku kostet inklusive Einbau 12.000€ – alte Technologie, Einzelanfertigung. Das lohnt nicht.

 
2.1.2024: VW/Seat zahlt !

Heute wurden 4.019,86 € überwiesen. VW hat „außergerichtlich“ die unstreitigen Fälle (wo der Halter zeitnah verkauft hat) anerkannt und der geforderte Schadenersatz wird in voller Höhe gezahlt. Danke myright!

 
16.11.2023: 7-Jahres-Inspektion … die erste Verschleißreparatur

TüV und Inspektion kosten etwas ca. 250 € … hinten sind Bremsscheiben und Beläge zu erneuern, satte 600 €.

 
26.11.2021: 5-Jahres-Inspektion … der Unterhalt ist konkurrenzlos günstig

Bezahlt habe ich 99,90 € für die Inspektion und 99,90 € für den TüV.

 
25.5.2020: Der Bundesgerichtshof …

… urteilt letztinstanzlich gegen VW. Ich zitiere mit innerer Genugtuung aus der offiziellen Pressemitteilung des BGH (Aktenzeichen: VI ZR 252/19):

  • die Beklagte (haftet) aus vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung gemäß §§ 826, 31 BGB
  • bewusste und gewollte Täuschung des KBA
  • … Fahrzeuge … , deren Motorsteuerungssoftware bewusst und gewollt so programmiert war, dass die gesetzlichen Abgasgrenzwerte mittels einer unzulässigen Abschalteinrichtung nur auf dem Prüfstand eingehalten wurden
  • Ein solches Verhalten ist … besonders verwerflich
  • einer arglistigen Täuschung gleichstehendes sittenwidrige Verhalten der Beklagten

Ob ich nach diesem Urteil die Verantwortlichen bei VW, SEAT etc. ungestraft als Lügner und Betrüger bezeichnen darf, entzieht sich meiner Kenntnis. Darum bliebe ich zur Sicherheit bei der Formulierung: offensichtliche Betrüger und Lügner.

Mit Spannung sehe ich dem Verhandlungsergebnis von my-right entgegen …

 
28.11.2019: TÜV, 3-Jahresinspektion

Tja – diesmal richtig teuer, nach 3 Jahren werden Unterbodenschutz, Innenraumluftfilter und der TÜV fällig … 253,41 € ☺️.
Okay – beim Fabia, unserem Benziner, werden im TÜV-Jahr um die 700€ fällig … ich beschwere mich also nicht!

 
31.10.2019: Die 12V-Batterie gibt den Geist auf

Zum 3. Mal in diesem Jahr: Kein Bild kein Ton, der Wagen lässt sich weder aufschließen noch (nach der manuellen Notentriegelung) irgendwie aktivieren. Aber ich kenne das ja schon – die 12V-Batterie ist tot (bzw. hat den Tiefentladeschutz aktiviert und sich abgeschaltet), ADAC rufen, Startkabel, alles geht wieder. Aber diesmal meint der ADAC-Techniker, dass die 12V-Batterie nach dem dritten Tiefentladen hinüber ist.

Der Hintergrund und die Ursache: Die Heizung des E-Autos ist ein großer, sehr großer Fön, bis zu 6000 Wh Leistung zieht der. Und dieser Verbraucher hängt an der 12V-Batterie und nicht am großen Akku. Das bedeutet in der kalten Jahreszeit, dass die 12V-Batterie unzulässig hoch belastet wird … und leidet, altert und schnell kaputt geht. Der TÜV-Techniker kennt das, passiert bei älteren KIA, BMW-i3 und einigen anderen in der kalten Jahreszeit dauernd. Alle heutigen Modelle speisen die Heizung über den Fahrakku.

Nach zwei Briefwechseln hat dann auch KIA eingesehen, dass dies ein Konstruktionsfehler gemäß ProdHaftG ist … die 160€-Rechnung für eine neue Batterie wurde storniert.

… early Technology Adopter …

 
5.1.2019: Zwei Zahlenbeispiele …

… welche die ganze Misere der deutschen Kraftfahrzeug-Industrie zeigen:

  • Aachen hat 2016 14 Elektrobusse bestellt, bei einem deutschen Lieferanten aus Salzgitter – einer wurde bisher geliefert. (Und der steht i.W. in der Werkstatt – aber das liest man eher nicht in der Zeitung.)
    Gleichzeitig fahren in China bereits ca. 400.000 E-Busse. 99% aller E-Busse fahren übrigens in China (Bloomberg, Stand Mai 2018).
    .
  • Mitte 2018 konnte man die folgenden E-Roller von europäischen Herstellern kaufen: … keine
    In China wurden 2016 ingesamt 20 Millionen Roller verkauft … 98% davon E-Roller !
    Auf der Motorradmesse in Köln war der mit Abstand größte Aussteller: NIU.

Ist der Zug vielleicht schon abgefahren für die deutschen Automobil-Hersteller, die ihre ganze Energie darauf verwenden, die heutigen Cash Cows (Diesel, SUV, Verbrenner) möglichst lange am Leben zu halten?
Ich erinnere mich noch gut an die deutschen Röhrenfernseher („LCD wird sich nie durchsetzen, nichts geht über eine vom Spezialisten justierte Bildröhre“) und die konkurrenzlos guten deutschen Kameras („Der Digitalkram aus Asien wird niemals an unsere Bildqualität herankommen“).

Und ja, die heutigen E-Fahrzeuge sind nicht perfekt, sogar weit weg davon. Ebenso wie die Infrastruktur zum Laden. Aber das war in den ersten Jahren bei LCD-Fernsehern und Digitalkameras auch der Fall. Wie sagt Alain Veuve: Sobald eine radikale Innovation den Marktanteil von 1% überschritten hat, wird der Wandel unaufhaltsam und schnell. Und 2018 ist der E-Auto-Anteil an den Neuzulassungen in Deutschland erstmals >1% …

 
4.1.2019: Zwei neue Familienmitglieder ;-)

Okay – es ist schon etwas länger her. Seit Juli hat Luis einen Elektroroller, seit September Michael ein E-Bike. Die Vorzüge von leise, sauber, kraftvoll und bequem gelten halt auch für Zweiräder.

  • Die Auswahl des Elektrorollers war gleichzeitig einfach (bis Ende 2018 gab es schlicht nur chinesische Hersteller, die europäischen Hersteller wie Vespa, BMW etc. glänzen mit Marketing-Ankündigungen ohne Preis und Liefertermin) und schwierig (die Auswahl ist riesig, es gibt Dutzende von Chinaimporten). Luis hat sich für den NIU N1S entschieden, zum einen wegen der guten Testberichte, zum anderen wegen der Ausstattung (starker Boschmotor, 150 kg Tragkraft für 2 Personen, App, Stauraum). Und schließlich wird NIU über Händler vertrieben.
    Luis ist sehr zufrieden – einzig der bei Lieferung bereits defekte Akku war ärgerlich, denn der Austausch dauerte fast 4 Wochen.
    Ansonsten ist es eine Freude, diesen leisen und spurtstarken Flitzer zu fahren :-).
    .
  • Mit Ü60 ist ein E-Bike für Michael von den Kids als „okay“ genehmigt worden  ;-).
    Die Auswahl fiel nach vielen Testberichten und ausführlichen Probefahrten auf das KTM Power Sport 10 CXS5.
    Es ist das beste Fahrrad, was ich je hatte: stabil, bequem und natürlich schnell. Zum ersten Mal in meinem Leben macht mir Fahrradfahren Spaß (ich bin mehr der Läufer), ich fahre jetzt sogar im Winter regelmäßig. Einzig ein ärgerlicher Defekt ist sehr störend: Wenn Karin bei Ausfahrten ihr Rennrad nimmt, schaltet das blöde E-Bike bei >26 km/h immer ab und ich komme am Berg nicht mehr mit … :-(
 
2.12.2018: Lade-Abenteuer (oder: -Ärger)

Der Benziner ist in der Werkstatt … also muss auch Karin ihre Feuertaufe mit dem KIA auf Langstrecke bestehen.

Fazit vorab: Sie schafft es :-)

  • Rasthof Aggertal-Süd, die Ladesäule wird von Allego betrieben, wie kommen wir nur auf die Idee, dass die eCharge-App von innogy funktionieren könnte. Aber newmotion (jetzt Shell) hat ja mit fast allen Betreibern ein Roaming-Abkommen. Tja – aber das System wehrt sich: “keine Server-Verbindung”.
  • Also auf nach Aggertal-Nord, sind ja nur 20 km Umweg. Hier gibt es eine Server-Verbindung, und newmotion funktioniert tatsächlich. (Es ist ja auch echt zu viel verlangt, wenn man bei Edeka mit der gleichen Kreditkarte wie bei Kaisers bezahlen wollte. Ich wundere mich, dass die Ladesäulenbetreiber keine eigene Währung einführen – dass in Euro abgerechnet wird, ist echt erstaunlich!)
  • Auf dem Rückweg noch schnell eine Schnellladung für die restlichen 100 km bis Aachen in Aggertal-Nord, hat sich ja bewährt auf dem Hinweg. Server-Verbindung ist da, und der Roamingvertrag von newmotion ist erstaunlicherweise immer noch gültig.
  • Kurz vor Aachen, noch 19 km Restreichweite, Karin beschließt, zur Sicherheit noch einen kleinen Ladeschluck in Aachener Land Nord zu nehmen. Eine innogy-Säule, eCharge müsste also gehen.
    Aber … der Bedienungsscreen zeigt einen so schnell durchlaufenden Text, dass man mit Lesen nicht mitkommt … okay, da steht “alles ganz einfach, folgen Sie den Anweisungen auf dem Bildschirm” … welchen Anweisungen? … ah, da steht “QR Code scannen” (so was hatte Michael auch erklärt ;-) … zum Scannen ist es zu dunkel (warum soll man auch eine Beleuchtung neben die Ladesäule stellen?) … kein Problem, das iPhone hat ja eine Taschenlampe … arggg, die App schaltet die Taschenlampe aus, sobald man scannen will … okay, dann wird eben die Ladesäulennummer in die App eingegeben … “Nummer unbekannt” meldet eCharge … ein letzter Versuch, Taschenlampe an der Tankstelle ausleihen und noch mal Scannen … Victory, Ladesäule erkannt, Ladevorgang kann gestartet werden. Aber warum ist die Nummer laut QR-Code eine andere als die aufgedruckte Nummer?

Wir werden den Eindruck nicht los, dass “man” (Regierung, Verwaltung, Konzerne, …) die Elektromobilität gar nicht wollen. Oder kann sich jemand vorstellen, dass VW sich mit Shell einigen dürfte, die Einfüll- und Tankstutzen dreieckig zu machen und nur mit Shell/VW-Kundenkarte das Tanken zu erlauben?

Oder wie ich letztens in einem Forum las: RWE&Co kommen aus der Braunkohleindustrie – da ist das wichtigste User-Interface der Hammer – und Technologiedurchbrüche wie Server, GUI, Kreditkarten sind noch weitgehend unbekannt.

 
30.11.2018: 2-Jahres-Inspektion

Fast ein Jahr ohne besondere Vorkommnisse, keine Pannen, kein neuer OBC ;-)

Die Inspektion kostet diesmal 234€ – es sind Luftfilter- und Bremsflüssigkeitswechsel erforderlich, ein kleiner Lackschaden wird ausgebessert.

 
30.12.2017: Ausflug ins Bergische

Mittlerweile nutzen wir den KIA auch ohne Scheu, wenn wir längere Strecken als die Reichweite haben. Der E-Routenplaner beim GoingElectric ist sehr bequem und verlässlich … und mittlerweile gibt es auch in Deutschland an fast jeder Autobahnraststätte Schnelllader.

Die 150 km bis nach Wiehl wären im Sommer problemlos in einem Rutsch zu schaffen … im Winter muss man zwischendurch einmal für 10-15 min eine Kaffeepause einlegen ;-).

 
16.11.2017: Die Jahresinspektion :-)

Bei km 10.200 kommt die Jahresinspektion und kostet … … … saaagenhafte  … … … 63,65€ 😂
Ich frage den Meister, wie man denn davon leben könne: „Wir nehmen doch schon den doppelten Stundensatz wie bei den Verbrennern …“ (Der Strukturwandel in der Automobilindustrie wird dem der Kohle- und Stahlindustrie in nichts nachstehen!).

Als Ergänzung gibt es einen Service-Alert (so heißt das bei KIA): Der OBC wird noch einmal getauscht. Oh nein, denke ich, warum? Der jetzige tut es doch seit 7 Monaten problemlos. Egal, wat mutt, dat mutt … am 6.12.2017 wird der vierte OBC innerhalb von 12 Monaten eingebaut. Mal schauen, wie lange der drin bleibt …

Dafür kostet der Austausch des rechten Scheinwerfers (Steinschlag) den Wucherpreis von 1044€. Grrr …

 
29.10.2017: Ausflug ans Meer, nach Katwijk aan Zee

Der „kleine Luis“ ist mittlerweile 18 Jahre alt, 1,86 m groß … und hat einen Führerschein ;-). Wie ich liebt er das Elektroauto, ist aber auch ein Tesla-Fan (siehe unten). Hier sein Erlebnisbericht – ein Tagesausflug nach Katwijk.

Fahrtbeginn Sonntag, 29.10.17 um 7:30. „100,5 – das Hitradio“ läuft. Erste Etappe nach Eindhoven, laut Navi 103 km und 56 Minuten. Ankunft in Eindhoven um 8:30, mit 20% Ladung. Spannung! Nach erstmaligem Schrecken an der Ladestation und mehreren Telefonaten mit Papa und dem Helpdesk lädt das Auto endlich per Schnelllader. Ich weine die ganze Zeit, weil neben uns ein Tesla lädt. Hannah und ich rasten aus, weil ein Mann in den Tesla steigt. Plan, ihn zu klauen, ist somit gescheitert. Bisher ernähren wir uns von mitgebrachten Äpfeln. Der Wagen ist um 9:35 auf 94% und es geht weiter. Da wir langsam aus dem 100,5-Bereich kommen, macht Hannah jetzt die Musik. Das Wetter bessert sich immer mehr, je weiter wir Richtung Meer fahren, im Moment sind 12° und es ist sonnig.

Nach einer angenehmen Fahrt kommen wir um 10:40 in Utrecht an, das Laden beginnt nach erneutem Anruf (die Station muss manuell ferngestartet werden) um 10:45. Wir holen uns im Starbucks an der Raststätte einen Latte Macchiato und einen Kakao und etwas Gebäck. Ich suche online nach der nächsten Ladestation bei Katwijk für die Rückfahrt und wir essen Burger und Pommes bei Burger King.

Um 11:25 fahren wir los zur letzten Etappe vor Katwijk. Wir laden das Auto um 12:10 kurz vorm Meer in Sassenheim, so dass wir für den Rückweg genug Akku haben.

Wir kommen um 13:00 Uhr in Katwijk an und parken im Parkhaus unter der Düne. Danach gehen wir kurz an den Strand und setzen uns ins Zee en Zon für Kaffee, Tee und Toastis. Es ist sehr windig, aber nicht zu kalt und wir genießen den Meerblick. Anschließend laufen wir eine Dreiviertelstunde den Strand auf und ab. Manchmal wird Hannah fast weggeweht, obwohl sie mit ca. 30 Decken doppelt so schwer wie sonst ist. Wir beschließen, zum Auto zu gehen und die Strandmuschel zu holen.

Aufbau der Strandmuschel: Um 15:50 wagen wir es trotz übermäßigem Wind, die Strandmuschel aufzubauen, die uns prompt fast davonfliegt. Nach 10 Minuten haben wir es geschafft, möglichst viele Heringe strategisch im Sand zu vergraben, und die Strandmuschel fliegt nicht weg … wenn man drinsitzt.

Um 16:50 schafft der Wind es endgültig, unsere Strandmuschel niederzuringen. Wir sammeln alle Heringe ein, die wir finden, und weil es regnet, lassen wir alles in der Muschel liegen, klappen sie zusammen und tragen sie ins Parkhaus. Um 17:10 haben wir sie abgebaut, alles so gut es geht abgesandet und in einer Decke eingewickelt ins Auto gelegt.

Wir beschließen, etwas essen zu gehen, und sind um 17:15 im Hotel Nordzee (was bei mir Erinnerungen wachruft) und bestellen beide eine Pizza. Nach einem leckeren Essen begeben wir uns um 18:00 Uhr zurück zum Parkhaus. Als wir versuchen, unser Parkticket zu bezahlen, sagt der Automat mehrmals: „Ihr Ticket ist bis 18:31 bezahlt“. Also fahren wir um 18:10 aus dem Parkhaus, verlassen die Küste und es geht nach Hause.

Um 19:00 Uhr kommen wir nach einer kurzweiligen Fahrt in Utrecht an und laden. Nach 3 Minuten in der Warteschleife und einem Helpdeskmitarbeiterwechsel beginnt die Ladung auf 94%. Um 19:36 geht es wieder Richtung Eindhoven.

In Eindhoven kommen wir um 20:40 an, Hannah ist mittlerweile etwas müde und fängt an zu schlafen. Ich weine wieder um die Teslas, mache aber diesmal ein paar Fotos.

Um 21:20 geht es auf zur letzten Etappe, wir schaffen es mit 12 km Restreichweite nach Hause, und um 22:35 sind wir wieder heim.

Fazit: Trotz anfänglicher Ladeschwierigkeiten ist der Kia auch für längere Strecken gut geeignet. Wir hatten sehr viel Spaß und eine gute Zeit :)

[Anmerkung: Luis hatte nur die Nummern der Ladekarten dabei. Bei den meisten Stationen funktioniert es noch nicht, den QR-Code mit der iPhone-App zum Freischalten zu verwenden, man braucht den Chip. Aber per Hotline kann man freischalten lassen.]

 
19.9.2017: Nichts zu vermelden :-)

Der Kia verrichtet einfach seinen Dienst. Ein paar längere Ausflüge habe ich gemacht (Krefeld, Bottrop), unterwegs ist halt 20 Minuten Kaffeepause.

Der Verbrauch jetzt im Sommer ist 12-14 kWh/100km, damit steigt die Reichweite auf 170-200 km.

 
5.6.2017: Das erste mal traue ich mich auf eine Langstrecke

Es ist warm, der Verbrauch auf meinen täglichen Strecken pendelt sich bei 12,5-13 kWh/100 km ein (also ca. 5 kWh weniger als bei Minustemperaturen), die Reichweite bei 180-200 km pro Ladung. Auf der Autobahn allerdings wird der Verbrauch wohl höher sein, also eher nur 150-170 km Reichweite.

Für den Besuch am Pfingstmontag in Siegen stelle ich die Frage: „Langweilig mit dem Fabia oder abenteuerlich mit dem KIA?“. Der Sohn war für Abenteuer … das schlimmste, was passieren kann, ist ja eine mehrstündige Zwangspause unterwegs durch „Schnarch“laden.

Zur Vorbereitung suche ich eine Schnellladestation für unterwegs raus: Raststätte Siegburg wird als einzige angezeigt, also ca. 25 km Umweg. In Siegen gibt es zwei 22 kW Ladestationen, für beide habe ich keine Ladekarte, aber man soll per Kreditkarte bzw. SMS zahlen können.

Das Summary vorweg: Entspannende Fahrt, alles ging glatt.

  • Nach 110 km der erste Ladestopp in Siegburg (Raststätte West): Der Schnelllader ist frei, kostet sogar nichts, 15 min Ladezeit für ca. 15 kWh.
  • In Siegen macht die erste Ladesäule (der Stadtwerke Siegen) Zicken: “Bitte halten Sie den RFID-Chip Ihrer Ladekarte vor das Display”. Grrr … keine SMS-Zahlung möglich. Also zur zweiten Ladesäule, von Innogy. Hier kann man wie angekündigt per Kreditkarte zahlen. Aber die 32A-Variante kostet 7,95€ pro Stunde … ich buche 2 Stunden, also 15,90€ für 13 kWh. Ein stolzer Preis :(
  • Später fällt mir ein, dass ich von New Motion ja auch einen RFID-Chip habe. Die haben Roaming mit über 100 Stadtwerken. Und tatsächlich, es funktioniert, und ich lade noch einmal  4 kW an der Stadtwerkesäule für 30ct/kWh (plus einmalig 30ct).
  • Auf dem Rückweg lade ich wieder stressfrei an der Raststätte Siegburg, 20 min, und komme mit 24% Akkustand und 35 Restkilometern zuhause wieder an.

Ein bisschen Statistik:

  • 410 km mit einem Durchschnittsverbrauch von 14,7 kWh/100 km.
  • Auf der Autobahn bin ich 105-110 km/h gefahren, im Durchschnitt (Stadt, Landstraße, Autobahn) ca. 75 km/h
  • Die  60,3 kWh für diese 410 km haben gekostet: 15,90€ bei Innogy (13 kWh) und noch einmal Vollladen zuhause für 4,90€ (20,5 kWh).
    Also knapp 20€ „Sprit“ für 410 km. Die kostenlosen Schnelllader von Tank&Rast haben den Apothekenpreis von Innogy aufgewogen.

Mein Fazit: Mittel-lange Strecken gehen, aber mehr als Hobby und in Muße denn als Dienstfahrt oder in Eile.

 
27.4.2017: KIA-Mobilitätsgarantie :-)

Der OBC (On Board Charger = Ladegerät) war wieder defekt. Jetzt habe ich Version P14, bei der laut US-KIA-Soul-Forum noch keine Fehler aufgetaucht sind. Die Ursache soll sein, dass bis Version V12 die OBC-Gehäuse sporadisch Haarrisse haben, die mit der Zeit größer werden. Irgendwann tritt Kühlflüssigkeit ein und es gibt einen Kurzschluss.

Die Mobilitätsgarantie hat stressfrei funktioniert.

 
21.4.2017:  Wieder Ladegerät-Fehler :-(
21.4.2017 - das KIA-Ladegerät ist wieder kaputt :-(
21.4.2017 – das KIA-Ladegerät ist wieder kaputt :-(

Gestern Abend der Schreck: Statt voll geladen kommt die gleiche Fehlermeldung wie im Dezember: „Fehler Ladegerät“.

Um einen Ersatzwagen durch die Mobilitätsgarantie zu bekommen, muss der Wagen „eingeschleppt“ werden. Das geht problemlos, innerhalb einer Stunde ist der Hubwagen da, Sixt bringt den Wagen zur Wunschzeit.

Der ADAC-Abschleppfahrer tröstete mich: “Da ist der KIA noch eine Ausnahme. Streetscooter und i3 haben diesen Defekt mit großem Abstand am häufigsten, dann Leaf, Golf/Up und Zoe. Erst dann KIA”. Mein erster Gedanke, dass ich nach drei fehlgeschlagenen Reparaturen zurückgeben kann und ein besseres Elektroauto kaufe, ist also wohl nicht der beste …

Jetzt bin ich gespannt, was es diesmal ist und wie lange es dauert …

 
9.2.2017: Zwei Monate – trotz Winter ein Erfolg :-)

2.1.2017 - der KIA heizt vor :-)2.1.2017 - der KIA heizt vor :-)
1.600 km bin ich in 8 Wochen problemlos gefahren, es ist bequem, ich verspüre keine Einschränkungen, die Reichweite ist immer ausreichend gewesen.

  • Bei Temperaturen in der Gegend von -10 °C sinkt die Reichweite auf ca. 120-130 km. Da man den Akku nicht leer fährt, sind das real ca. 100 km.
    Der wesentliche Grund ist die Heizung. Sie verbraucht 1-2 kW … bei der Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h steigt der Verbrauch alleine durch die Heizung um 3-6 kWh auf 18-19 kWh/100 km.
  • Sobald die Außentemperatur so bei 5-10 °C ist, sinkt der Verbrauch auf 14-16 kWh/100 km. Das ergibt dann sofort eine Reichweite von 130-150 km.
  • Wenn man bedenkt, dass 5 kWh ca. 1 Liter Benzin entsprechen (sowohl bzgl. Energiegehalt für’s Fahren als auch in etwa bzgl. Preis), sind diese Stromverbräuche aber sehr attraktiv.

Ein großes Trostpflaster bei den niedrigen Temperatur ist aber das morgendliche Kratzen. Bzw. eben  nicht-mehr-Kratzen (siehe Bild :-). Ich schalte die Heizung ein … und 2-5 Minuten später ist der Wagen frei.

 
29.12.2016: Einige Gedanken und Informationen
26.12.2016 – Sogar ein großer Koffer passt rein ;-)

Die wichtigsten Fragen vor und für Anschaffung eines Elektroautos sind in diesem Video wunderbar erläutert. Recht treffend, finde ich.

Unsere Gedanken kreisen momentan um zwei Themen:

  • Wie weite Ausflüge kann man riskieren?
    Zum Beispiel waren wir mit vier Personen und bei feuchtem Wetter im Hohen Venn, bei Baraque Michel. Viele Aspekte, die echt schlecht für den Verbrauch sind:
    – voll beladen,
    – kalt, also Heizung einschalten,
    – feucht, also zusätzlich Lüftung und Klimaanlage (zum entfeuchten),
    – und 550 Höhenmeter.
    Das Ergebnis: Für die 38 km sank der Akkuladestand von 100 % auf 51 %. Oh Schreck – nichts mit 120 km Reichweite im Winter. Jedenfalls nicht voll beladen und bergauf.
    Die Erleichterung kam auf dem Rückweg: Nur weitere 5 % wurden gebraucht, also insgesamt ca. 75 km mit 54 % Akkuladung. Nicht schlecht, dies ergibt doch insgesamt mehr als 100 km.
    .
  • Welche Ladekarten brauche ich?
    Ich erwähnte es schon: Ein ärgerlicher, unübersichtlicher Flickenteppich in Deutschland :-(
    Aber dafür gibt es ja Weihnachten … und ich wünsche mir eine ausgiebige Recherche. Das Ergebnis:
    – Die lokalen Säulen hören auf Ladepay von Ladenetz.de. Ebenso einige Dutzend weitere Stadtwerke. QR-Code scannen, bezahlen, los – so heißt es zumindest.
    – Überregional: The New Motion und die BEWautostrom-Karte (Update Jan 2020: Gibt es nicht mehr).
    – Und Köln hat mal wieder was eigenes: TankE. (Update Okt. 2019: Webseite down, gibt es wohl nicht mehr.)
    Update Jan 2020: Die EinfachStromLaden-Karte von Maingau Energie hat sich seit ca. 1 Jahr zur Allzweckwaffe gemausert – sehr günstig (vor allem für Maingau-Kunden), an allen Autobahn-Ladestationen gültig und dank Kooperation mit Stadtwerken auch in fast allen Städten.
 
22.12.2016: Die ersten Garantiearbeiten

KIA hat den OBC („On Board Charger“) getauscht – das ist der Wandler, mit dem ich die Gleichstrom-Hochvoltbatterie (360 V) mit dem Haushaltswechselstrom (230 V) laden kann. Wenn der defekt ist, fühlt man sich ungefähr so wie mit verschlossenem Benzintank.
Zusätzlich hat KIA die Windschutzscheibe mit einem speziellen Glaspoliermittel gereinigt – es soll sich nur um festgebackenes Salz gehandelt haben. Mal schauen, wie es beim nächsten Sonnenschein ist.

Der Service war gut und zuvorkommend. Trotzdem hoffe ich, dass ich den nicht mehr brauchen werde ;-).

 
19.12.2016: Die ersten Eintrübungen … :-(
Pickel in der Frontscheibe, Kia Soul EV
Pickel in der Frontscheibe, Kia Soul EV

Die Windschutzscheibe ist fehlerhaft, bei Sonne zeigen sich „Pickel“ und die Sicht ist milchig. KIA will es sich mal anschauen.

Zu allem Überfluss kam gestern beim Laden die Meldung „Ladegerät fehlerhaft”. Da aber geladen worden war und ich zu einem Termin musste, habe ich es erstmal ignoriert. Aber … Laden ist nicht mehr möglich, weder mit dem mobilen Ladegerät, noch dem KIA-230V-Ladekabel.  Und zu allem Überfluss sagen die Foren, das sei der AC-Lader, der gehe bei KIA ab und zu schon mal kaputt. Also morgen der erste Werkstattbesuch.

… Early Adaptor … nennt man das wohl …

 
15.12.2016: Die ersten 500 km

Nach einer Woche verstärkt es sich: ein ganz normales Auto. Nachts wird geladen, über Tag gefahren. Meine Tagesetappen sind zwischen 20 km (zum Büro und zurück) und 120 km (Kundenbesuche, Einkaufen).

Ich muss aber auch sagen, dass dieses Nutzerprofil derzeit noch das ideale für ein Elektroauto ist: Zuhause wird geladen und die Reichweite ist höher als die Tagesfahrleistung. Dann geht alles bequem und ohne jegliche Einschränkungen.

Wer allerdings als Laternenparker oder mit Fahrstrecken größer als die Reichweite auf öffentliche Ladestationen angewiesen ist, muss wesentlich mehr Enthusiasmus mitbringen: Ladestationen suchen, den Dschungel der Bezahlsysteme durchdringen, Strecke und Reichweite in Einklang bringen und planen, was man während der im schlechten Fall mehrstündigen Ladezeit so macht. Da ist Deutschland mit seinem Flickenteppich an Lade-Infrastruktur und untereinander inkompatiblem Bezahlsystemen noch echt hinter dem Mond. Eine Fahrt nach Amsterdam oder an die niederländische Nordseeküste wäre dagegen ein Klacks – dort gibt es an den Autobahnen alle 40 km eine Schnellladestation (30 min) und an fast jeder Ecke Ladestationen. Und alles mit einer Bezahlkarte.

Aber eins muss man sagen: Elektroauto-Fahren ist e.n.t.s.p.a.n.n.e.n.d :-)

Lärm verursacht Stress, das kann man immer wieder lesen. Aber dass dies auch tatsächlich so ist, merkt man erst, wenn es auf einmal leise ist. Richtig leise. Kein Motorgeräusch, kein Anstriebsstrang-/Auspuffdröhnen. Leise. Was wird das für ein Paradies, wenn alle mit einem Elektroauto fahren. Unsere Städte werden wieder ein friedlicher, nicht stinkender Ort sein.

Und billiger ist es auch heute schon – zumindest für mein Nutzerprofil.

 
8.12.2016: Der erste Tag mit dem Elektroauto

Ich nutze die Tage bis zur Lieferung zum Bau unserer Ladesäule. Unser Elektriker entpuppt sich als äußerst interessiert an der Thematik, er sieht dies als Zukunftsfeld, das er unbedingt lernen möchte. So bekommen wir – völlig unüblich – einen Termin schon 4 Tage nach dem Anruf.

Die Übergabe findet morgens um 11:00 Uhr statt … der Alhambra („Das beste Auto, das wir je hatten. Wenn es nur nicht so scheiße wäre.” wie unser Sohn sagt) geht weg … und ich habe direkt ein volles Fahrprogramm mit dem Neuen: diverse Meetings in der Gegend, ca. 120 km Gesamtstrecke.

Das erste Fazit: Ein ganz normales Auto, nur leiser.

Ach ja – und bei autoscout24 hat sich dann doch noch jemand gemeldet, der den gewünschten Preis sofort und bar zahlen möchte. Da er aus Südfrankreich komme, wäre doch ein Treffpunkt für Wagen- und Geldübergabe auf einem Rastplatz in Nordfrankreich ideal …

 
2.12.2016: Der KIA Soul EV wird gekauft :-)
2.12.2016 - Kia Soul EV, die Ladekabel sind schon da
2.12.2016 – Kia Soul EV, die Ladekabel sind schon da

Die Gründe sind: Sitzqualität, Platz im Fond und Kofferraum,  die niedrigsten Fahrgeräusche und die gute Ausstattung. Und noch einmal ein guter Tausender Rabatt für den Wagen im Ausstellungsraum. Übergabe schon in einer Woche :-)

In der Zwischenzeit tut sich bei autoscout24 furchtbar wenig. Außer einem Albaner, dem wir beim Heben eines Silberschatzes helfen sollen, und einer Syrerin, die uns 30% ihres Familienschatzes von 10,5 Mio. € zusichert, meldet sich nur ein Interessent, der aber nach einem Tag wieder absagt.

Zum Ausgleich beschäftigen wir Jungs uns mit Ladetechnologie. Uns schwirrt bald der Kopf von Typ 1 – und Typ 2 – Steckern, von Mode 2 und 3 – Kabeln, CCS, Chademo, Schuko, CEE16, Campingstecker, CEE32, 8/16/32 Ampere-Laden, Wallbox, mobiler Lader usw. Das ganze von diversen Herstellern, garniert mit in Deutschland, Österreich, Schweiz unterschiedlichen Vorschriften, die von den Herstellern mal so, mal so eingehalten werden.

Am Ende entscheide ich mich für eine CEE32-Dose (das bedeutet: 32A, dreiphasig, 400V) in der Einfahrt und einen mobilen Lader von KHONS. Dazu noch ein Mode 3 – Kabel, Typ 1 an Typ 2, damit wir auch an öffentlichen Ladesäulen tanken können.

 
20.11.2016: „Der Alhambra muss weg. Sofort!”

Als der VW-Chef Müller am 19.11. in der FASZ verkündet, dass VW ja niemandem Schaden zugefügt habe und die Autos schließlich einwandfrei funktionierten und überhaupt es ja gar nicht konkret nachgewiesen sei, wie schädlich NOx sei … da meinte die sonst so besonnene Karin: „Der Alhambra muss weg. Sofort!”.

Michael steigt in die Beschaffungsphase ein und besorgt sich Angebote von KIA- und Nissan-Händlern in der nahen und auch fernen Umgebung, von meinauto.de, erkundigt sich nach Lieferzeiten und wir alle wägen Ausstattungsvarianten und auch noch einmal Vor- und Nachteile ab. Die Waage neigt sich zunehmend Richtung KIA Soul EV.

Die Händler bieten für den Alhambra 12.000€ – 13.200€ an – eine herbe Enttäuschung, nach 4 Jahren und 85.000 km nur 40% vom Neupreis, 35% vom Listenpreis. Wir  inserieren den Alhambra zusätzlich bei autoscout24, für 15.xxx€

 
12.11.2016: Eine Besichtigungstour durch Autohäuser, die Elektroautos führen

Wir überlegen erstmals, den Alhambra abzustoßen: Die Großen sind aus dem Haus, die „Kleinen“ sind auch schon fast groß. Autourlaube machen wir kaum noch bzw. könnten wir auch mit dem Fabia (einem Benziner) machen.

Auf keinen Fall mehr einen Diesel, so viel ist klar. Ein kleiner Benziner? Oder kommt gar ein Elektroauto infrage?
Michael braucht täglich ein Auto für Fahrten zur Arbeit und zu Kunden in der näheren Umgebung, aber weitere  Dienstreisen finden eigentlich immer mit dem Zug statt. Ein Check in den Fahrtaufzeichnungen für die Firma … nur zweimal seit Januar 2015 waren es mehr als 100 km. Also: Ein Elektroauto ist denkbar, wenn es sicher mehr als 100 km pro Akkuladung schafft.

12.11.2016 - Unser neuer Kia Soul EV, noch im Autohaus

So beginnt die Planer- und Checklistenfraktion unserer Familie mit der Recherche … ein erster Überblick über Preise, Ausstattung, Vor- und Nachteile entsteht. Ergebnis ist, dass drei Modelle zur Auswahl stehen: Nissan Leaf, KIA Soul EV und Hyundai ioniq. Der Renault Zoe fällt aus, da er uns dann doch zu klein ist, ebenso der BMW i3 (teurer, noch kleiner und die Probefahrt offenbarte eine inakzeptabel schlechte Straßenlage) und der e-Golf ist schlicht zu teuer. Beim e-Golf rechnen wir außerdem damit, dass die angegebene Reichweite durch konzerntypische Tuningmaßnahmen besonders fehlerhaft ist.

Nach ein paar Telefonaten die erste Ernüchterung: Nur wenige Autohäuser führen die Elektromodelle ihrer Marke, erste Antworten wie „Warum denn die E-Version, da haben wir doch fast keine Marge. Auf die Dieselversion kann ich Ihnen 32% Rabatt geben” bestärken uns aber in unserer Entscheidung.
Schließlich können wir in der näheren Umgebung alle drei Autos besichtigen, wenn auch den Hyundai ioniq nur in der Hybridversion. Mit dem KIA und dem Nissan machen wir Probefahrten, beide gefallen uns gut, bzw. den Ladies gefällt die Optik nicht, aber das Fahren schon. Ein leichtes Prä für den KIA entwickelt sich. Der Hyundai fällt bereits nach der Besichtigung aus, weil er auf den Rücksitzen so niedrig ist, dass man dort als normalgroßer Erwachsener bereits mit dem Kopf ans Dach stößt.

 
November 2016: Nichts ist geschehen, VW ist unschuldig

Wir haben seit diesem Schreiben nichts mehr von SEAT gehört. VW meldet stolz, dass laut Analyse der Konzernanwälte nicht gegen deutsches oder europäisches Recht verstoßen wurde. Auf der anderen Seite häufen sich Presseberichte über haarsträubende Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren aller Hersteller, über fragwürdiges Softwaretuning zum Bestehen von CO2/NOx-Tests, über die wirklichen Verbrauchswerte der Fahrzeuge.

 
27.7.2016: Wir registrieren uns bei my-right

Der VW-Konzern gibt keinerlei Bereitschaft zu erkennen, Schadenersatz zu leisten. Wir registrieren uns bei my-right, dem deutschen Vertreter der US-Kanzlei Hausfeld, die in ähnlichen Fällen auch gegen übermächtige Gegner Privatleuten zu ihrem Recht verholfen haben.

 
15.2.2016: Rückrufaktion von SEAT

Wir erhalten ein Schreiben zur „Dieselthematik” und werden informiert, dass „der in unserem Fahrzeug eingebaute Dieselmotor von einer Software betroffen ist, durch welche … verschlechtert wird”. Die Instandsetzung werde im Laufe des Kalenderjahres 2016 erfolgen.

 
November 2015: Auch unser SEAT Alhambra ist betroffen

Wir erfahren aus der Presse, dass alle 2.0-Liter-Turbodiesel mit der Bezeichnung EA189 die Betrugssoftware enthalten. Ein kurzer Check … auch unser Alhambra hat diesen Motor … nix mit „Clean Diesel“ … aus gewolltem (und mit vierstelligen Aufpreisen bezahltem) Umweltschutz ist das Gegenteil geworden :-(

 
September 2015: VW hat die Abgaswerte bei Dieseln manipuliert

Nach der Veröffentlichung der Vorwürfe durch die US-Umweltbehörde EPA gibt Volkswagen die Manipulation der Abgaswerte bei Dieselmotoren zu. In Deutschland sollen mehr als 2 Mio. Fahrzeuge betroffen sein, weltweit fast 10 Mio.

 

La Palma 2024 – Land und Leute

Der Workshop ist perfekt organisiert

Wir übernachten jeweils zu zweit in den Ferienhäusern Casa Campana in La Punta:

  • gut ausgestattet
  • ein großer Pool
  • für jeden ein eigener Trakt mit Schlaf- und Badezimmer

Das Frühstück bekommen wir im Ferienhaus der beiden Tutoren, reichhaltig und frisch aufgetischt.

Die Abendessen sind im Workshop-Preis enthalten. Mehmet sucht einfache und (wohl gerade deswegen) wirklich gute Restaurants aus. Vor allem die einfachen Bistros sind Spitze: frisch, lecker, freundlich.

Zusätzlich zu den Nachtsessions unternehmen wir einige Ausflüge, so dass wir auch einiges von La Palma sehen.

Unterwegs sind wir in zwei großen SUVs von Cicar. Tiptop – wohl die beste Autovermietung auf den Kanaren, wie wir von Mehmet erfahren.
Dadurch haben wir genug Platz für jeden. Und können uns aufteilen, falls eine Gruppe früher zurück möchte.

 

On Location

Natürlich sind die Locations für Astrofotografie ausgesucht – was auch sonst, genau das haben wir ja gebucht!

Wer ausgedehnte Sessions für Sonnenuntergänge oder Seascape sucht, oder Birding-Urlaub machen möchte … braucht einen anderen Workshop.

Die ideale Astro-Location

  • ist stockdunkel, also weit entfernt von Städten, Straßen etc.,
  • liegt möglichst hoch, mit klarer Sicht und wenig Wolken,
  • hat wenig bis keine Besucher (die machen Licht 😱),
  • hat möglichst in alle Richtungen maximale Sicht auf den Himmel (also wenig „Landschaft“ drumrum)
  • und einen Fels- oder Asphaltuntergrund, damit die Stative 100% stabil stehen.

Wir haben viel Spaß, die Astrofotografie gibt einem ja viel Zeit, sich zu unterhalten, weil die Kameras automatisiert vor sich hin arbeiten.

 

Astro-Zombies …

Kein Schimpfwort, weil so nennen die Astrofotografen sich selbst. Jedenfalls die wir getroffen haben ;-)
Als Gründe vermute ich: Schlafmangel wegen durchwachter Nächte, quadratische Augen wegen stundenlanger Bearbeitungssessions am Computer und Werkzeug-artige Finger wegen diffizilster Basteleien am eigenhändig getunten Equipment 😂.

Aber eine nette Spezies … die sogar, wenn auch erst nach einiger Umgewöhnung, im Hellen solch lichtverschmutzte Motive wie Landschaft oder Sonnenuntergänge fotografieren kann. Nur Sonnenaufgänge geht gar nicht, da schlafen sie …


 
5.9.2024 - Roque de los Muchachos
Roque de los Muchachos – X-H2S mit XF 150-600 in Action

Ein bisschen Wildlife gibt’s auch

Sogar meine Vogelkamera kommt manchmal zum Einsatz.

La Palma ist ein Vogelparadies (das wusste ich gar nicht), wegen der total unterschiedlichen Klimazonen auf engsten Raum: Meer, Strand, Steilküste, Trockenwald, Hochgebirge, im Norden Regenwald und im Süden Wüste und Lagunen.

Trotz wenig Zeit fürs Birding habe ich sogar ein paar Erstsichtungen:

    • Kanarienvogel / Atlantic Canary – zum ersten Mal sehe ich die in der Natur.
    • Einfarbsegler / Plain Swift – zahlreich, mit wilden Flugmanövern oben am Roque. BIF ist sehr schwierig (und ich bin stolz ;-).
    • Mittelmeermöwe / Yellow-legged Gull – ausgewachsen, in England sahen wir bisher nur Jungvögel.
    • Sepiasturmvogel / Cory’s Shearwater – das südliche Pendant zum Eissturmvogel / Northern Fulmar.
    • Alpenkrähe / Red-billed Chough (nur im Flug) – sieht man in den Alpen kaum, häufiger in Osteuropa und – erstaunlich – auf La Palma und in Cornwall.
 
 
 

La Palma 2024 – Astrofotografie

Astrofotografie ist ein Universum …

5.9.2024 - 3 Millionen Lichtjahre 😳

… mit vielen Spezialdisziplinen: Sonne, Planeten, Milchstraße, Star Trails, Nordlichter, Deep Sky, Kometen, Satelliten … mit jeweils unterschiedlichem Equipment, Aufnahmetechniken, Anforderungen an die Umgebung, und Nachbearbeitung.

Deep Sky-Astrofotografie fasziniert mich am meisten: Galaxien, Nebel, Sternhaufen. Man braucht lange Aufnahmezeiten (Stunden!) und macht das mit vielen Einzelaufnahmen. Techniken wie Stacking, Dithering, separate Aufnahmen je Farbkanal, Light/Dark/Calibration Frames usw. werden eingesetzt. Plus jede Menge Spezialequipment: motorische Nachführung, gekühlte Hauptkamera, Nachführkamera, separate Aufnahme- und Nachführteleskope, Filter, Steuerungscomputer.

Auf der nach oben offenen Astro-Skala geht es von der Basisausstattung (gute Landschaftskamera und lichtstarkes Objektiv plus einfacher Tracker) über die Top-10-Upgrades (nur so 9.000 € ;-) und der eigenen Sternwarte im Garten (Mehmet hat seine Traum realisiert) bis zur Profi-Sternwarte (für den Preis von $750.000 ist dann die Lieferung inklusive 😂).

Man verbringt Monate im Internet, hier mal ein Link, was man so alles lernen kann. Nach einigen Jahren des Anschaffen und Lernen gelingen dann Bilder wie diese auf astrobin oder der 7000 Lichtjahre entfernte Fly Nebula.

Wo man auf der Nord- bzw. Südhalbkugel fotografiert, ist übrigens egal – die Sterne sind überall gleich (darum heißt es ja Fix!sterne), die Rechnersteuerung fährt den jeweiligen Himmelspunkt exakt und automatisch an, Hauptsache es ist dunkel und klare Luft. Für ein fertiges Bild sammeln manche von vielen verschiedenen Orten bis zu 100 und mehr Stunden Belichtungszeit, das sind bei 1-5 min pro Einzelbild einige 1000 Frames. Wenn man bedenkt, dass man in Deutschland pro Jahr (!) vielleicht 5 Nächte mit klarem Himmel hat, dass man in La Palma, Namibia oder Chile in einer Woche im Idealfall ca. 30 Stunden aufnehmen kann, dann versteht man, dass man für ein Bild Monate bis Jahre braucht.

6.9.2024 - am Roque Palmero, light, +3.5 aufgehellt6.9.2024 - am Roque Palmero, stacked
Mein Ziel ist sehr bescheiden – ich möchte die Milchstraße mit meiner Ausrüstung für Landschaftsfotografie optimal fotografieren – mit GFX 100S und GF 20-35/4:
– Nachteile:  nur Blende f/4, keine automatische Nachführung
– Vorteile: das niedrige Rauschen und die hohe Auflösung der GFX
– Siehe mein Beitrag im dpreview-Forum

Vor diesem Workshop habe ich die Milchstraße immer als Einzelbild aufgenommen, mit 10-15 sec Belichtungszeit, Offenblende, ISO 1600-3200, dann in Lightroom nachbearbeitet.

Gelernt habe ich jetzt, mehrere Frames aufzunehmen und diese nachher zu stacken. Siehe die gute Erklärung hier. Ich nutze auf dem Mac Starry Landscape Stacker.
Links ein Vergleich von (bearbeitetem) Einzelbild und Stacking aus 40 Einzelbildern.

Die generelle Vorgehensweise ist:
– wie üblich: guter Standort, stabiles Stativ, Motiv/Vordergrund finden
– dann ca. 20-50 RAW-Bilder aufnehmen, die sogenannten Frames
– und in der Nachbearbeitung: RAW aufhellen – Entrauschen – TIFF – Stacking – Nachbearbeiten – ggfs. Vordergrund einbauen.

 

 
Diese folgenden vier Beispiele zeigen mit Zwischenschritten, was dank Rauscharmut und 100 Megapixeln möglich ist, obwohl man mit dem GF 20-35/4 um 3-4 Blenden gegenüber einem lichtstarken Vollformat-Objektiv unterbelichten muss.

Die Andromeda-Galaxie ist natürlich Spielerei mit ungeeignetem Equipment: Blende 5,6 –> 2-3 Blenden unterbelichten trotz ISO 12.800; 200 mm Brennweite (umgerechnet nur 160 mm) –> zusätzlich noch einmal 2-3x croppen.

Milchstraße:
Stack aus 23 Lights, 10 Darks
10 sec, f/4,5, ISO 4.000, 20 mm
7 Lights wegen Autoscheinwerfern unbrauchbar.

Vordergrund 1: (real]
Blaue Stunde, Richtung Milchstraße
9 sec, f/13, ISO 100, 20 mm

Vordergrund 2: (kreativ ;-)
Sonnenuntergang nach Westen
1/140 sec, f/9, ISO 100, 20 mm

Herausforderung:
Farbtemperatur des Vordergrunds anpassen. Sorgfältige Maske in Photoshop.

Milchstraße:
Stack aus 30 Lights, 10 Darks
10 sec, f/4,5, ISO 3.200, 20 mm
Da es stockdunkel ist, sind alle Lights brauchbar.

Vordergrund: (nicht separat)
Kein separates Bild, sondern aus dem Stack aufgehellt, die Wolken um 5 (!) Blendenstufen.
Dadurch viele Artefakte, die ich per „Entfernen“ wegstempeln muss. Aber erstaunlich, was Stacken auch für den Vordergrund bringt.

Herausforderung:
Beim nächsten Mal werde ich nicht so faul sein und ein Vordergrundbild mit vernünftiger Belichtung machen.

Milchstraße und Mond:
Stack aus 20 Lights, 5 Darks
10 sec, f/4,5, ISO 3.200, 24 mm
Starry Landscape Stacker schafft das Alignment von Milchstraße (bewegt sich nach rechts) und Mond (nach unten).

Vordergrund: (nicht separat)
Ich habe außer den Autos alles recht dunkel gelassen, und den Wassertank wegretuschiert.
Ein separates Bild klappte wegen Überstrahlung nicht.

Herausforderung:
Helligkeitsunterschiede bändigen. GFX und Lightroom helfen.

 

Andromeda-Galaxie:
Stack aus 20 Lights, 10 Darks
6,5 sec, f/5,6, ISO 12.800 (!), 200 mm

Die Belichtung ist viel zu lang, nach NPF-Formel darf max 2 sec belichten, um keine Striche zu haben.
Mehmet hat die Sterne am Ende zu Punkten gemacht (mit PixInsight)

Herausforderung:
Wo ist die Andromeda-Galaxie?
Für mich war es schon schwer genug, sie mit dem bloßen Auge zu finden.
Durch den Kamerasucher sieht man gar nichts … also grob ausrichten, 6 sec belichten … korrigieren … nach ein paar Mal klappt es.

 

Fazit:

  • Mit GFX und dem GF 20-35/4 klappen Aufnahmen der Milchstraße und auch Sternspuren sehr gut – durchaus vergleichbar mit einer f/1.4-Optik beim Vollformat.

  • Das meiste  holt man raus
    – mit Geduld vor Ort: sauberer Bildaufbau, Vordergrund separat aufnehmen, viele Frames 👍
    – und Spucke zuhause: KI-Entrauschen, Stacking, Bildbearbeitung 😂.

  • Die Fortschritte in Kameratechnik, Aufnahmetechnik und Nachbearbeitung sind beeindruckend, siehe rechts.

  • Die 7 Regeln aus dem dpreview-Forum bringen auf den Punkt, was man braucht:
    1. Man muss es wirklich wollen
    2. Ausdauer
    3. Lernfähigkeit und Lernwillen
    4. gute Ratgeber
    5. … merken, welche wirklich gut sind 🤣
    6. große Geduld und
    7. … auch etwas Frustrationstoleranz.

 
 

3.-6.3.2025 - M81 Bode Galaxy, M82 Cigar Galaxy - 7,3h Fuji X-H2S, 280mm und 600mm
3.-6.3.2025 – M81 Bode Galaxy, M82 Cigar Galaxy – 7,3h Fuji X-H2S, 280mm und 600mm

Sneak preview (11.3.2025):

  • Seit 2 Wochen habe ich mir eine kleine Montierung zugelegt (Skywatcher Star Adventurer GTI).
  • Nach einigen Pleiten, Pech und Pannen (nicht scharf gestellt, mit Objektivdeckel 2 Stunden fotografiert, Gartenstrom abgeschaltet) …
  • … habe ich 3 Nächte jeweils 2-3 Stunden aufgenommen …
  • … ein paar Tage mich in die Anfänge des Astro-Bild-Processing eingearbeitet …
  • … und präsentiere stolz wie ein Erstklässler mein erstes Astrobild. 🙂
  • … hemdsärmelig gestackt und mit Lightroom und Photoshop bearbeitet.
 
 

La Palma 2024 – Workshop

4.9.2024: Lange Anreise, geruhsames Ankommen und Kennenlernen

Ein langer Tag: Aufstehen um 2:45 Uhr, Abflug um 6:15 Uhr in Düsseldorf … Ankunft im Ferienhaus um 15 Uhr. Schreck am Gepäckband: Der Apple AirTag sagt, dass der Koffer in Hamburg ist 😱 … Gottseidank, ein Fehlalarm, dicker Bock von Apple.

Wir sind 4 Teilnehmer: die beiden Astrofotografen Norbert und Werner, mein Kollege Rolf und ich als „nur“ Landschaftsfotografen. Plus Mehmet und Bernd, unsere Tutoren. Es steht also 4:2 für Deep Sky … was sich noch auswirken wird 🤣.

Nach der langen Anreise ist heute ein ruhiger Tag: Ausbaumeln und Mittagsschlaf, gegen 6 Uhr fahren wir nach Puerto de Tazacorte, Abendessen in der Taberna del Puerto, leckerer Fisch. 

Bei einem Glas Wein werden wir schon einmal informiert, wie ein normaler Deep-Sky-Tag abläuft:
– Frühstück gegen 11 Uhr, im Ferienhaus der Tutoren.
– Ausruhen, am Nachmittag ein Ausflug, frühes Abendessen in einem landestypischen Restaurant.
– Gegen 20 Uhr geht es „hoch zum Roque”, pünktlich zum Beginn der Dunkelheit.
– Die Nacht wird durchgemacht, bis gegen 3, 4 Uhr.

 
5.9.2024: Roque des los Muchachos
5.9.2024 - GTC am Roque de los Muchachos ... „Wo ist der Spiegel?“ 😂
GTC am Roque de los Muchachos: „Wo ist der Spiegel?“ 😂

Frühstück um 8 in Mehmets und Bernds Haus (gestern war ja keine Nachtschicht), dann geht es hoch zum „Roque“ (de los Muchachos, dem höchsten Punkt des einstigen Vulkans im Norden). Wir besichtigen das Observatorium:

  • MAGIC, die Gammastrahlen-Teleskope: Seit 2016 werden in Chile und hier in La Palma bis 2028 insgesamt 60 Teleskope gebaut, mit denen Wissenschaftler versuchen, das Zentrum der Milchstraße zu vermessen.
  • GTC (Grand Telescopio de Canarias), mit einem Spiegeldurchmesser von 10,4 m das (derzeit noch) größte Spiegelteleskop der Welt. Rolf und ich fragten beide „Wo ist der Spiegel?“ … wir wollten niemanden veräppeln … der Spiegel ist so sauber, dass wir die Spiegelung für den Bereich hinter dem Spiegel halten 😂.
  • Anschließend geht es ganz nach oben zum Roque de los Muchachos, mit 2426 m die höchste Erhebung des Kraterrands des einst noch ca. 1000 m höheren Vulkans Taburiente.
    Tolle Aussicht, Michael ist der Kolkraben-Flüsterer 😍.
  • Zeit für das Museum haben wir leider nicht.
5.9.2024 - Roque de los Muchachos, Natternkopf im Sonnenuntergang
Magisch: Sonnenuntergang über den Wolken

Für 1  Stunde Mittagsschlaf fahren wir ins Ferienhaus zurück, dann zum Abendessen nach Las Tricias, zu Camu Camu Garafía, ein kleines, gemütliches Bistro, mit sehr leckeren vegetarischen Burgern.

Dann geht es zur ersten Astro-Sitzung wieder hoch zum Roque: In der blauen Stunde machen wir fleißig Vordergrundfotos (mir erschließt sich erst später, auf was zu achten ist), dann bauen wir unsere Stative am Besucherzentrum auf und es gibt erste Milchstraßenbilder. Oder – um es präzise zu sagen: Wir nehmen die „Frames“ auf, aus denen später per Software die Milchstraßenbilder entstehen. Technische Details siehe beim Menüpunkt Astrofotografie.

Zwischendurch ein kleiner Abstecher zum Aussichtspunkt Mirador de los Andenes. Der Blick über die riesige Caldera ist fast kitschig schön:  weiße Wolken, angestrahlt von unten durch die Lichter der Hauptstadt Santa Cruz de la Palma, darüber die Milchstraße. Für uns Landschaftsfotografen ein tolles Motiv, für die Astrofotografen ist es … Lichtverschmutzung 😄.

Gegen halb 2 sind wir zurück … uns Einsteiger will Mehmet am ersten Tag wohl nicht verschrecken.

 

 
6.9.2024: Bootstour, Llano de los Animas („Wassertank“)

Spätes Frühstück, Bilder bearbeiten, um halb 3 geht’s nach Tazacorte zur Bootstour. 2,5 Stunden fahren wir an der Westküste entlang:

  • Zuerst etwas nach Süden, wo beim Ausbruch von 2021 die Lava des Cumbre de Veija ins Meer floss.
  • Wir fahren in 2 Lavahöhlen, besichtigen die Klippenhäuser
  • und dann geht es aufs offene Meer, um Delfine oder gar Wale zu sehen.
    Das klappt nicht, aber dafür finden wir Sepia-Sturmtaucher, die südlichen Verwandten des Northern Fulmar, den Karin und ich an Englands Ostküste entdeckt hatten. Sie leben ebenfalls fast nur auf dem Meer, außer zum Brüten. Mir gelingen schöne Fotos 🙂.

Frühes, leckeres Abendessen in der Pizzeria II Tramonto am Hafen, 1,5 Stunden Ausruhen, dann geht es hoch zum Wassertank am Llano de los Animas.

Die Astrofotografie-Session wird vorbereitet  … d.h. das ganze Foto-Geraffel auspacken, aufbauen, justieren, dann einige Testaufnahmen und die vorprogrammierten Automatiken werden gestartet. Für den Rest der Nacht heißt es dann für die Astro-Jungs … warten, reden, schlafen, warten … ☺️.

Rolf und ich wollen mehr Action, und kraxeln 250 Höhenmeter hoch zum Krater, zum Roque Palmero. Uns gelingen schöne Milchstraßenbilder. Aber irgendwie ist die Milchstraße überall auf der Welt gleich, nur halt der Vordergrund variiert. Da haben die anderen mit ihren Teleskopen schon deutlich mehr Auswahl: Nebel, Galaxien …

Gegen Mitternacht sind wir zurück bei den anderen, ich gehe ins Auto zum Schlafen … als Rolf ins Auto kommt und mir den Andromeda-Nebel aufgenommen zeigt, mit seiner X-T5 und XF 50-140/2.8 … da gehe ich auch noch mal raus, und versuche es mit meiner dafür eigentlich komplett ungeeigneten Kombi GFX und GF 100-200 f/5.6.

Klappt erstaunlich gut – und es ist faszinierend: Die Andromeda-Galaxie (im Messier Katalog mit der Bezeichnung M31, bei Wikipedia ausführlicher Lesestoff) ist 2,5 Mio. Lichtjahre von uns entfernt, ca. zweimal so groß wie unsere Milchstraße, das am weitesten entfernte Objekt, das wir mit bloßem Auge erkennen können (bei wenig Lichtverschmutzung).
„2,5 Millionen Lichtjahre“ … Wahnsinn, alles was wir sehen, ist vor 2,5 Mio. Jahre passiert.


Die anderen erbarmen sich, und schon kurz nach 1 fahren wir alle gemeinsam zurück.

 
7.9.2024: Aussichtspunkte an der Küstenstraße LP-1, Auszeit ;-)

Frühstück um 10, Bilder sortieren und bearbeiten bis 15 Uhr, dann fahren wir die LP-1 nach Norden:

Abendessen im Restaurante Parrillada Pino de La Virgen, in El Pino, ganz okay.

Rolf und ich sind k.o. – als Landschaftsfotograf ist man zwei Tage Nachtschicht halt nicht gewöhnt 😄.

Wir nehmen einen der Wagen und fahren schon gegen 7 Uhr zurück, mit Zwischenstop zum Sonnenuntergang am Mirador Barranco de Garome. Abends bearbeiten wir noch ein paar Bilder.

Die anderen vier fahren noch einmal hoch zum Wassertank … und bleiben bis 4 Uhr morgens 😱.

 
8.9.2024:  Bildbearbeitung, Llano de los Animas („Wassertank“)
8.9.2024 - Llano de los Animas, Mond
(umgerechnet) 1260 mm Brennweite

Der übliche Rhythmus: 10 Uhr Frühstück, bis 15 Uhr Bildbearbeitung und Ausruhen, dann geht’s los.

Zum 3. Mal  geht’s zum Wassertank, weil es dort für Astrofotografen nahezu ideal ist: stockdunkel, klare Luft bei 2000 m Höhe, keine anderen Menschen (mit so bösen Dingen wie Taschenlampen oder Autoscheinwerfern) und – auch sehr wichtig – Asphalt als Untergrund.
Denn wenn die Stative bei Astrofotos auch nur einen Millimeterbruchteil einsinken, dann verrutschen in den Weiten des Weltalls die Galaxien 😳.

Unser Landschaftsfotografen-Sonderwunsch heute: Bilder im Hellen, also goldene Stunde und Sonnenuntergang, d.h. schon gegen 7 Uhr am Ziel sein.

Einige Überzeugungsarbeit für eine so frühe Ankunft ist erforderlich, denn die anderen sind komplett auf Nachtaufnahmen gepolt: „Was sollen wir so früh da oben, da ist es doch noch viel zu hell.

Mit Mühe schaffen wir es, um 18 Uhr los zu fahren … dass man für Sunset-Fotos eine gute Stunde vor Sonnenuntergang da sein muss, ist Astrofotografen unbekannt 😊. 

Schöner Sonnenuntergang auf 1900 m Höhe, traumhaft über den Wolken, tolle Lichtstimmung.

Dann unser Topshot kurz nach Sonnenuntergang: Milchstraße und Monduntergang, gleichzeitig im Bild 🙂👍.
In der Dämmerung war der Mond noch nicht untergegangen, also „viel zu hell“ für Astrofotos, „hat gar keinen Zweck, jetzt schon zu fotografieren“. Aber Rolf probiert es, sieht gut aus. Ich schieße sogar einige Dutzend Frames fürs Stacking – und zur Überraschung aller verkraftet die Stacking-Software auch die unterschiedliche Objektgeschwindigkeit und -richtung von Milchstraße und Mond.

Rolf und ich fahren gegen Mitternacht zurück.


8.9.2024 - Llano de los Animas, Milchstraße und Mond, stacked aus 25 Frames
8.9.2024 – Llano de los Animas, Milchstraße und Mond, stacked aus 25 Frames
 
9.9.2024: Rundfahrt Roque und Santa Cruz de la Palma
9.9.2024 - Mirador de Los Andenes, die Kolkraben sind handzahm ;-)
Mirador de Los Andenes, die Kolkraben sind handzahm … (klick für Video)

Frühstück erst um 11 … die anderen hatten wieder bis 4 Uhr Nachtschicht. 😱

Um 14 Uhr fahren wir via Roque de los Muchachos und nur 2 Aussichtspunkten (die sind echt keine Landschaftsfotografen ;-) nach Santa Cruz de la Palma.

Ich weine zwischendurch, denn beim Mirador de los Andenes nehme ich nur die GFX mit Weitwinkel aus dem Wagen, nicht das „Rohr“ mit 600 mm Brennweite … und prompt schweben 2 Alpenkrähen (die mit den roten Füßen und Schnabel) und 2 Turmfalken vorbei, ganz nah, auf Augenhöhe. Ich hole schnell die Vogelkamera … aber kein Vogel kommt mehr.
Okay, stimmt nicht ganz: 2 Kolkraben lassen sich anlocken und fressen mir aus der Hand. Magisch, diese Nähe, wie der Vogel mich anschaut, mit einer Mischung aus Vorsicht und Zutrauen.

Santa Cruz ist nett, ich finde die Stadt aber nicht besonders schön, auch nicht fotogen. Wir bummeln 2 Stunden und essen leckere Pizza an der Strandpromenade (Made in Italy).

Gegen 22 Uhr sind wir wieder in der Unterkunft, noch Bilder einlesen und sortieren … morgen ist der letzte Tag.

 
10.9.2024: Vulkanfelder von 2021, „Wasserfall“, Centro de Visitantes
10.9.2024 - Wasserfall über der Cumbre Nueva
10.9.2024 – Wasserfall über der Cumbre Nueva (klick für Video)

Ein ruhiger Tag heute. 

  • Der Vulkanausbruch des Cumbre Vieja hat 2021 ca. 1600 Häuser zerstört. Man sieht Hausreste im Lavastrom, und Häuser, die auf der Gartenseite 5 m in der Lava stecken, auf der Straßenseite frei zugänglich sind … und noch bewohnt werden. 
  • Licht, Wind und Wolken spielen mit … der Wolkenwasserfall über der Cumbre Nueva sieht toll aus. 
  • Das Besucherzentrum ist klasse. Am schönsten finde ich das große Reliefmodell der Insel. 

Frühes Abendessen in der Dorfbar von La Punta, es gibt genau zwei Gerichte: Pollo oder Pescado, mit Kartoffeln und Salat. Einfach und sehr lecker. 👍🙂

Den Abend lassen wir auf unserer Terrasse ausklingen, die Wein- und Bierreserven müssen weg 😊.

11.9.2024: Rückflug
13.9.2024 - Andenken an den Workshop :-)
Andenken an den Workshop :-)

Ein Werbe-Doofpaddel ruft um 4:44 Uhr auf dem Handy an, verschlafen stehe ich auf, waschen, Koffer packen, Rolf wecken … der mir dann sagt, dass es 5:25 Uhr, nicht 7:25 ist 😂.
Gottseidank kann ich wieder einschlafen (Rolf auch ;-) und stehe um 7 Uhr wieder auf. Ohne Hektik ist noch Zeit für einen Kaffee und Joghurt. 

Um 7:30 Uhr geht’s zum Flughafen, Rolf fliegt um 10:45 Uhr schon nach Düsseldorf, wir anderen fünf um 12:10 Uhr nach Frankfurt. 

Ruhiger Flug. Pünktliche Landung um 18:30 Uhr … den durchgehenden Zug nach Aachen um 19:08 Uhr bekomme ich dann wohl nicht.
Mein Koffer kommt um 19:01 Uhr … ich will es probieren … kleiner Gepäcklauf … 19:08 Uhr am Gleis 6 … 19:09 Abfahrt. Wohl ein neuer Rekord, um quer durch den Frankfurter Flughafen zum Fernbahnhof zu kommen 👍.

 

Fazit:

  • Toller Workshop, nette Leute
  • Gute Mischung aus spät frühstücken, Siesta, Nachmittagsprogramm und Abend-/Nachtschicht
  • Mehmet vertraut mir einen der 2 Mietwagen an, so dass Rolf+ich schon früher als die „Astrozombies“ zum Schlafen zurückfahren können. 
  • Milchstraße habe ich jetzt gelernt, gelingt mit GFX und dem GF 20-35 perfekt:  30-50 Aufnahmen mit ca. 10 sec, f/4, ISO 3200, und dann stacken. 
  • Auch Andromeda klappt (3-6 sec, ISO 12800, mit dem GF 100-200).
    Ärgerlich, dass ich das XF 200/2 nicht mitgenommen habe … damit wären wohl auch ohne Nachführung ein paar Nebel ganz gut gegangen.
    —> Kommt auf die Packliste für den La Palma Urlaub mit Karin 😊😍🥰
  • Mehmet ist ein super netter, ruhiger und äußerst geduldiger Workshop-Leiter. Fokus und Knowhow liegen natürlich bei Astrofotografie.
    Sonnenuntergang, Lichtstimmungen oder dramatische Bergszenen … fallen ihm genauso gut auf wie mir auffällt, ob Karin beim Friseur war 😂.
  • Am Ende habe ich ca. 10 „Burner“, mehr als auf den anderen Workshops. 
 
 

La Palma 2024

4.-11.9.2024 – Astrofotografie auf La Palma
4.-11.9.2024 - Astrofotoworkshop La Palma
4.-11.9.2024 – Astrofotoworkshop La Palma (© Google 2024)
5.9.2024 - Mirador de los Andenes: Werner, Mehmet, Michael, Rolf
5.9.2024 – Mirador de los Andenes, (c) Rolf Geisen

Schon immer haben mich Astrofotos fasziniert, siehe z.B. hier. Wenn man auch nur ein bisschen eintaucht, öffnet sich ein Universum an Motiven, Equipment und Techniken. Genau das richtige für mich – Fotograf, Technik-Fan und Software-Freak 😂.

Auf meiner Kandidatenliste war so ein Astroworkshop schon lange – um zu schauen, ob dies etwas für mich ist.

La Palma ist Dark Sky Reserve und hat den dunkelsten Himmel in Europa.
Ich habe die Sternwarte in La Palma nach Workshops angefragt, und Mehmet Ergün wurde empfohlen. Als im September eine Dienstreise entfiel, habe ich kurz entschlossen gebucht.

Eine Woche verbringen wir in einem Ferienhaus an der Westküste, so dass wir nur kurze Fahrzeiten zu den Dark Sky Spots auf 2000-2300 m Höhe haben. Aber auch Ausflüge stehen auf dem Programm: Bootstour mit Lavahöhlen, Santa Cruz de la Palma, und der 2021 ausgebrochene Vulkan Cumbre Viejo.

Mein Ziel und gleichzeitig die Herausforderung: Mit meinem auf Landschaftsfotografie ausgelegten Equipment möchte ich gute Milchstraßenbilder hinkriegen.

Fazit:

  • Milchstraße kann ich jetzt 👍. Mehmet war die erhoffte Hilfe, die angelesene Theorie in die Praxis umzusetzen. Danke!
  • Ich weiß aber jetzt auch, dass Astrofotografie nicht mein Hobby werden wird: Zeit, Gelegenheit, Ausdauer … all dies habe ich zu wenig und meine andere Vorlieben wie Familie, Birding, Reisen, Schach haben Vorrang.
  • Die Landschaft La Palmas ist ein Knüller: als Wander- und Birding-Urlaub jetzt ganz oben auf unserer Wunschliste 😍.

 

La Palma – Deep Sky und Landscape

 

 

La Palma 2024 – Impressionen

 

Tromsø & Senja 2024 – never give up

… never give up !

Die Steigerung des dritten P’s der 3P – nach Perseverance (Ausdauer) kommt: Niemals aufgeben!
(Aber die Grenzen sind fließend. 😊)

Sandnessundbrua:
Kein Tag für Landschaftsfotografie, starkes Schneetreiben, 45 Minuten stehen wir mit aufgebauten Stativen und machen ein paar Verzweiflungsbilder. Wir brechen ab und fahren zurück … auf der Brücke sehen wir in der Ferne, dass es aufklart.
Wir kehren um … und landen wieder im Schneetreiben … aber dann, plötzlich, 1 Minute Himmel, Sonne, Licht 🙂.



Eismeerkathedrale:
Das bekannte Motiv „Weiße und rote Scheinwerferspuren umkurven die Kathedrale“ will ich natürlich auch fotografieren … und ich verzweifle an der fehlenden Kooperation der Autos (entweder kommt keins oder alle auf einmal) und der Ampel (wird rot und alle Lichter ballen sich an einer Stelle). Aber Toms Rat ist der richtige: einfach solange Belichtungen mit 15-20 sec machen, bis eine passt 😊.



Fjelleisen:
Schneetreiben, Nebel, null Sicht, wir verziehen uns ins Restaurant.
Aber ich will nicht aufgeben und ziehe alleine im dichten Schneetreiben wieder los zum Aussichtspunkt … und kurz nach der Ankunft klart es für 5 min auf 👍.



Tromsø, nach dem Abendessen:
20 Uhr, wir alle sind müde, draußen stürmt und schneit es. Aber ich will „Schnee bei Nacht“ fotografieren … und es wird ein magischer Schneespaziergang 😍.



Okshornan:
Wir sitzen hinter unseren Stativen und warten auf die blaue Stunde. Ein einheimischer Fotograf kommt, schaut kurz und dreht mit den Worten „uninteresting“ wieder um. Auf unsere Frage antwortet er:
„I want northern lights over Oxhornan – because of the direction, we need very strong northern lights, and calm sea … this happens once every 10 years. I come and look nearly every evening.“
Mein Ehrgeiz ist geweckt … und sichte meine Bilder der Nordlichter vom Vortag … scheint zu passen, wenn ich die Felswand etwas höher und weiter rechts im Bild platziere.
Die zwei Stunden Rückflug nutze ich, um mit Photoshop meine Version von „1x in 10 Jahren“ anzufertigen 😂.

23.2.2024 - Tungeneset, Devil's Teeth (Okshornan)23.2.2024 - Tungeneset, Devil's Teeth (Okshornan) ... mit Polarlicht 😂

Ein Ausschnitt des Nordlichtfotos vom Vortag – so zugeschnitten, dass es genau über die Felsen des Okshornan passt.

2 Stunden bastel ich in Photoshop – 80% davon google und lerne ich, wie man Himmel ersetzt und an einer definierten Geraden spiegelt. Noch ein bisschen Retusche … violà.

 
 

Tromsø & Senja 2024 – Workshop

15.-19.2.2024: Tromsø

Schon am Vortag reise ich an, mit Meilenschnäppchen bekomme ich einen ein 50€-Direktflug in der Business Class von Frankfurt aus. Das Thon Hotel Polar liegt zentral, ideal für Stadtrundgänge, aber dank Parkhaus auch ein guter Ausgangspunkt für Abstecher mit dem Auto. Die Zimmer sind zwar klein, aber das Frühstück ist super und hat zurecht mehrmals einen Preis in der norwegischen Hotelfrühstücksmeisterschaft gewonnen.

Den Extratag verbringe ich mit Spaziergängen und Museumsbesuchen:
Perspektivet, ein kleines Heimat- und Fotomuseum
– Das Polarmuseum über die Geschichte(n) der norwegischen Polarforscher
Günstiges und leckeres Abendessen im Sabrura Sticks & Sushi.

 
Tromsø – Eismeerkathedrale

Diese Architektur-Ikone liegt gegenüber der Tromsøya („Troms-Insel“) und ist zusammen mit der langen, geschwungenen Tromsøbrua ein tolles Fotomotiv.
Innen war ich nicht – der Andrang war einfach zu hoch. Ich war überrascht, wie voll Tromsø jetzt im Februar war – ausgebucht und überall sind Touristen, hauptsächlich aus Asien. Nordlichter sind derzeit wohl der Hit dort.

 
Tromsø – Sandnessundbrua

Die Brücke über den Sandnessund liegt beim Flughafen und verbindet Tromsøya mit Kvaløya.
Im Schneetreiben gelingen einige nette Bilder, für wenige Minuten reißt der Himmel auf, Licht und Sonne überfluten uns.

 
Tromsø – Fylkesvei 862

Die Landstraße 862 führt durch die Berge von Kvaløya, ein Eldorado für Schneewanderer.
Ich versuche erstmals Highkey-Aufnahmen – technisch schaffe ich das natürlich, aber die Herausforderung sind Motiv und Bildausschnitt. Viele Versuche, intensives Nacharbeiten am Rechner, einige wenige gute Bilder.

 
Tromsø – Fjellheisen

Die Seilbahn hoch zum Storsteinen bringt uns zu dem Aussichtspunkt über Tromsø. Aus 420 m Höhe blickt man über Eismeerkathedrale, Tromsøbrua und Tromsø. Auch ohne Nordlichter sehr schön – vor allem nach mehr als zwei Stunden warten und bibbern, bis das Schneetreiben eine kurze Pause einlegt.

 
Tromsø – Magischer Schneeabend

Alle sind müde, aber mich reizt das Schneetreiben. Es ist faszinierend, wie innerhalb weniger Minuten dichtes Schneetreiben ohne jede Sicht wechselt zu klarer Luft, dann wieder zu Schneesturm. Zwischendrin immer wieder Phasen mit sanften Schneeflocken.

 
19.-24.2.2024: Senja

Nach dem Frühstück (leider – das letzte gute Frühstück auf dieser Tour) starten wir die 3,5 Stunden Fahrt an die Westküste von Senja.

Für die nächsten 5 Nächte ist Hamn i Senja („Hafen in Senja“) unsere Basis. Die schönen Ferienhäuser liegen am Hafen, im Haupthaus gibt es einige Zimmer und das Restaurant (ganz okay, aber kein Gourmet-Tempel – typisch norwegisch halt ;-).

Unsere Locations sind ca. 30-60 km entfernt, also in maximal 1 Stunde gut erreichbar. Aber auch rund um Hamn i Senja kann man gut fotografieren.

 

 
Hamn i Senja

Rund um das Hotel gibt es viele schöne Aussichtspunkte. Zwischendurch stromern wir immer mal herum – ein paar Schnappschüsse, Nachtaufnahmen und auch Langzeitbelichtungen.

 
Senja – Schnee pur

Festgefahrene Schneedecke, wo nicht geräumt ist, hohe Schneewehen, einsame Häuser in Winterlandschaft. Viele Fotomotive.

 
Senja – Mefjord

Der Aussichtspunkt fordert uns einiges ab, weil der Weg dorthin unter dem Schnee verschwunden ist. Nach vergeblicher Suche gehen wir querfeldein, sehr mühsam, durch zum Teil hüfthohen Schnee. Für knapp 200 m und 10 Höhenmeter brauchen wir 20 min. Ich sinke einmal bis zu Brust ein … kostet ziemlich Kraft, da wieder rauszukommen.
Oben stampfen wir uns eine Fläche für Stative (und uns), damit wir beim Fotografieren nicht einsinken.

Zunächst sind Wolken, Nebel und fahles Licht, aber dann „explodiert“ der Himmel in surrealen Farben.

 
Senja – Nordlichter

Wir hatten bis zum vorletzten Tag großes Pech: Entweder es gab tolle Nordlichter … über der Wolkendecke. Oder wir hatten klaren Himmel, aber keine Nordlichter. Oder am Tag nach unserem Fjellheisen-Besuch gab es Nordlichter in Tromsø, aber wir waren schon in Senja, bei bedecktem Himmel.

Nach einer abwechselnden Nachtwache, um die vorhergesagten Nordlichter nicht zu verpassen, die dann aber doch nicht kamen, gaben wir innerlich auf. Außerdem waren wir am folgenden Tag müde. Um 22:15 Uhr dann der Rundruf „raus, ein ganz feiner Nordlichtschimmer“.
Und tatsächlich, man sieht ein paar. Nicht besonders stark, aber ca. eine Stunde gelingen ganz nette Aufnahmen.

Und ich weiß, dass mit der GFX auch bei Blende f/4, 6-8 sec Belichtungszeit und ISO 2000 sehr gute Bilder gelingen.

22.2.2024 - Hamn i Senja, Nordlichter (Panorama aus 7 Bildern)
22.2.2024 – Hamn i Senja, Nordlichter (Panorama aus 7 Bildern)
 
Senja – Okshornan

Oder auch Devil’s Teeth. Dieser Spot ist sehr bekannt, aber wir haben Glück, keine anderen Fotografen, so dass wir uns jeder einen schönen Platz vor dem Gezeitentümpel suchen können.

Tom hat Tide und Uhrzeit wieder perfekt abgestimmt, genau die richtige Wasserhöhe, so dass der Tümpel zwar Wasser enthält, aber nur ab und zu von einen Welle erwischt wird. Kaum Wind – so können wir immer wieder den Moment abpassen, wo das Wasser glatt ist und die Teufelszähne spiegelt.
(Ich habe bereits die Idee für mein „Never give up“-Werk –> der Ausschnitt und das fahle, bläuliche Licht des 4. Bilds sind Absicht 😊.)

 
Senja – Wildlife

Meine Vogelkamera (X-H2S mit XF 150-600) nehme ich auf Reisen immer mit. Die Ausbeute auf so einem Landscape-Workshop ist aber begrenzt … umso mehr freue ich mich über die BIF-Bilder vom Seeadler. Und die Erstsichtung der Gryllteiste 🙂.

 
24.2.2024: Ausflug nach Sommerøy, Rückflug

Gut, dass wir 2 Autos haben … denn Tom, Joan und Alec fliegen schon mittags in Tromsø ab und müssen um 6 Uhr los. Nick und ich können in Ruhe frühstücken und starten um 9.  Ich liefere ihn um 12 am Flughafen ab … und habe noch gut 5 Stunden Zeit.

Ein kurze Mittagspause unter der Sandnessundbrua … was könnte ich noch unternehmen? Ich entscheide mich, noch weitere 70 km bis Sommerøy zu fahren, dem westlichsten Punkt hier in der Gegend. Unterwegs stoppe ich in Brensholmen, wo die Fähre nach Senja abfährt – in the middle of nowhere 😂. Nur 40 km Luftlinie bin ich hier von Hamn i Senja entfernt, statt 275 km mit dem Auto.
Sommerøy ist über zwei einspurige Brücken erreichbar, ein schöner Fischerhafen, ein kleiner Kro zum Aufwärmen mit leckeren Lite Bites.

Um 19 Uhr geht es mit Eurowings direkt nach Düsseldorf, mit der RE komme ich gut nach Aachen komme.

 
 

Tromsø & Senja 2024 – Impressionen

 

Tromsø & Senja 2024

16.-24.2.2024: Fotoworkshop Tromsø & Senja
16.-24.2.2024 - Locations des Fotoworkshop Senja, Tom Mackie
16.-24.2.2024 – Locations des Fotoworkshop Senja (© Google 2024)
22.2.2024 - Viewpoint Mefjord - Joan+Alec
22.2.2024 – Viewpoint Mefjord – der Aufstieg hat sich gelohnt 👍

Mein 5. Workshop mit Tom Mackie – bewährt, geruhsam, tolle Locations, aber diesmal „dank“ der bekannt schlechten norwegischen Küche ohne Fine Dining. Wir kochen sogar zweimal selbst.

In Slowenien schwärmten alle von Norwegen im Winter: Schnee pur, Nordlichter, Seascape und Architektur in Tromsø. So buchte ich kurzentschlossen den letzten freien Platz.

Die ersten vier Nächte verbringen wir in Tromsø, mit 80.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Norwegens.

Bei viel Schnee und Wind sind gute Fotos eine Herausforderung … never give up wird unser Motto. Sei es beim Abpassen der einzigen Minute mit freier Sicht, oder der Aufgabe, einen geschützten Standort im dichten Schneetreiben zu finden. Oder beim schweißtreibenden Aufstieg durch hüfttiefen Schnee zum besten Aussichtspunkt auf den Fjord.

Südwestlich von Tromsø liegt Senja, die zweitgrößte Insel Norwegens. Eigentlich recht nah … aber die vielen Fjorde erfordern einige Umwege, so dass man ca. 200 km fahren muss. Abenteuerlich auf festgefahrener Schneedecke, aber mit Spikes kein Problem. Senja ist im Winter einsam, die Lichtstimmung bei Schnee, Wolken, Sonne ist wunderschön. Nordlichter haben wir nur einmal, recht schwach. Aber das führt zum abschließenden Beispiel von never give up 😂.

Fazit: Tom Mackie ist immer eine Reise wert – nette Leute, tolle Locations, ich lerne immer etwas dazu.
Und: Man braucht definitiv Spikes unter den Schuhen!

 

 

Winterlandschaften in Norwegen