7.10.2017: Sea Cottage; Porthleven

Cornwall – Work and Travel 2017

Ein Monat Work & Travel im Oktober 2017

Die Idee kam Karin, kurz nachdem wir das Austauschhalbjahr für Karla gebucht hatten und uns bewusst wurde, dass Luis ab Herbst 2017 Student sein wird: „Wir ziehen auch für eine Weile ins Ausland – nicht Urlaub, sondern normal leben und arbeiten!“

Okay – „eine Weile“ ist bei uns nicht fünf Monate, solange können wir dann doch nicht nur per Internet und Telefon arbeiten – aber ein Monat geht für uns beide ganz gut. Karin kann in dieser Zeit nur Übersetzungsaufträge annehmen, kein Dolmetschen. Michael muss die 4 Wochen möglichst von Meetings frei schießen (was sich wegen größtmöglicher Zusammenballung in den zwei Wochen danach ziemlich rächt ;-) und einiges ansammeln, was am Rechner oder per Telefon geschafft werden kann.

Die Entscheidung für Porthleven fiel spontan: wir lieben das Meer, der Ort gefällt uns, die entspannte Kultur spricht uns an, die Landschaft ist schön … so suchen wir uns während der Herbstferien 2016 ein wunderschönes Ferienhaus direkt am Meer und buchen es für vier Wochen. WLAN per LTE ist die Lösung für die Internetanbindung (super – 60 MBit/s download, fast 10 MBit/s upload, die ca. 40 € pro 30 GB sind erträglich), den Drucker nehmen wir von zuhause mit. So gerüstet verbringen wir vier produktive Wochen.

Fazit:

  • Wir hatten gut zu tun … unser Einkommen haben wir verdient … und wenn man den Rechner zuklappt … ist Urlaub 😃.
  • Das Ferienhaus mit Ausblicken auf’s Meer und den Glockenturm … einfach traumhaft.
  • Die vielen Alltagskleinigkeiten sind zuhause geblieben … den (nicht nur) zeitlichen Freiraum geniessen wir.
  • Und … insgesamt war es wie zweite Flitterwochen für uns ❤️.
  • Deshalb: Wir werden dies wiederholen 😃.

Prachtvolle Sonnenuntergänge im Herbst:

 

 

6./7.10.2017 – Hinfahrt via Calais/Dover, Stonehenge und Bath

6.10.2017: Indian Temptation, Bath
Indian Temptation, Bath

7.10.2017: Woodleigh Coach House, Cheriton an der A30
British humour

Die gut 1000 km bis Porthleven sind an einem Tag nicht zu schaffen, weil zum einen die Fähre (oder der Tunnel) gut 2 Stunden kostet, zum anderen man in England recht niedrige Durchschnittsgeschwindigkeiten hat: entweder den „car park around London“ (M25) oder kleine, enge Straßen an der Küste und in Cornwall.

Die 350 km bis Calais schafft man in knapp 4 Stunden, dann kommt als willkommene Pause die Fährüberfahrt (wir mögen die Schifffahrt mit Aussicht, und es ist deutlich billiger als der Tunnel). Aber für die restlichen knapp 700 km in England muss man mit 10-12 Stunden reine Fahrzeit rechnen.

So suchen wir uns für die Autofahrt nach Cornwall immer eine Übernachtungsstation, wo wir den Nachmittag und Abend verbringen. Diesmal ist es Bath, das eine schöne Innenstadt, Thermen und einen Fluss hat. Bei der Routenplanung sehen wir, dass Stonehenge praktisch auf dem Weg liegt – also bauen wir den Besuch für den Nachmittag ein.

Stonehenge ist sehr beeindruckend, mit einem interessanten Museum – aber selbst Anfang Oktober recht voll (die Bilder sind geschickt fotografiert ;-). Im Sommer wollen wir hier nicht sein.

Bath – immerhin Weltkulturerbe – kommt einfach zu kurz, wenn man nur einen Abend dort verbringt: Die Museen und die Therme sind schon geschlossen, Spaziergänge oder Ausflüge in die nähere Umgebung entfallen. Das wenige, was wir sehen, gefällt uns aber sehr: Innenstadt, der Fluss Avon, Kathedrale und Architektur. Und ohne die Erkältung, die uns erwischt, könnten wir auch die vielen urigen Pubs besuchen ;-).

Das Holiday Inn Express liegt günstig, in Fußentfernung zu Innenstadt, ist in Ordnung (einfach, sauber, Magenfüllung zum Frühstück), aber wie alle Hotels in und um Bath (zu) teuer.

Unsere Stationen:

 

4./5.11.2017 – Rückfahrt via Weymouth und Fähre

Weymouth ist unsere Wahl für die Rückfahrt, zeitlich genau auf der Hälfte der Strecke nach Dover. Wir hatten zunächst ein bisschen Sorge, dass dieses alte Seebad schon etwas in die Jahre gekommen ist … vielleicht sogar ähnlich heruntergekommen wie z.B. Brighton oder Eastbourne. Aber dies ist unbegründet – Weymouth ist sehr bel(i)ebt, gepflegt und im Sommer auch wohl sehr voll.

Die Strandpromenade und der große Hafen laden zum Bummeln ein – aber der Clou sind die beiden Vogelschutzgebiete des RSPB: Eins liegt mitten im Ort, eins etwas außerhalb, in beiden kann man lange Wanderungen machen und sieht jede Menge Vögel. Und eine besondere Spezies – den britischen Bird Watcher ;-).
Den späten Nachmittag verbringen wir am Radipole Lake, mit schönem Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen wandern wir zwei Stunden durch Lodmoor.

Der einzige Wermutstropfen: Abends geraten wir zum ersten Mal in den vier Wochen an die sprichwörtliche englische Küche – fettig, nicht frisch, aufgewärmt im The Gloucester. Wo die 4,5 Tripadvisor-Punkte herkommen, ist mir unklar.

Am Sonntagmittag geht es nach Dover, die 200 mls schaffen wir ohne Stau in 3,5 Stunden. Wir erwischen eine Fähre früher als gebucht und sind 5 Minuten nach der Ankunft am Fährterminal auf dem Schiff (der geringe Aufpreis für Flexticket und Priority Boarding lohnt sich). Nach Pause, Abendessen und wieder einem tollen Sonnenuntergang auf der Fähre geht es auf die letzten 300 km nach Aachen.

Vogelschutzgebiet RSPB – Royal Society for the Protection of Birds:

 

Sea Cottage, Impressionen, Sand&Mee(hr)

Unser Sea Cottage liegt direkt an der Cliff Road, oberhalb des kleinen Strands von Porthleven, 5 Minuten vom Ortszentrum entfernt. Auf zwei Etagen haben wir insgesamt knapp 60 qm, unten das Wohnzimmer mit Kochecke und Esstisch, oben Schlafzimmer, Bad und eine kleine Kammer. Ein bisschen wie eine Puppenstube, zu zweit wunderbar. Die Einrichtung ist gemütlich und von guter Qualität – wie immer alles bestens von Porthleven Harbour Cottages. Am schönsten finden wir die Ausblicke auf das Meer und die Hafeneinfahrt – oft verlegen wir unseren Arbeitsplatz nach dem Frühstück ins Bett und machen es uns dort mit Rechner gemütlich ;-).

Dank Internet, Telefon und Drucker können wir hier wunderbar arbeiten – außerhalb der Saison ist es im Harbour Inn aber auch schön ruhig, so dass wir auch ab und zu dort sitzen. Die kleinen Pausen zwischendurch  – sei es für Mittagessen oder auch einmal kurz frische Luft schnappen – halten die Arbeitsmoral hoch :-)

Unser Tagesablauf besteht aus zwei Dritteln Arbeit (morgens, mittags und/oder abends), und einem Drittel Urlaub: morgens Laufen, nachmittags Wandern oder Abends lecker Essen.

Impressionen:

 

Fly in, sail back: Tagesausflug auf die Scilly Islands

In einem Prospekt finden wir das Fly-and-Sail-Angebot, für 72£ pro Person fliegt man morgens nach St. Mary’s und fährt abends mit der Scillonian III zurück. Der Flug dauert 15 Minuten, in einem kleinen, 6-sitzigen Propellerflugzeug. Die Rückfahrt mit dem Schiff dauert 2 ¾ Stunden und kann bei Wind sehr bewegt sein. Wir haben aber Glück – zwei Tage vor Ophelia ist es fast windstill. Für die drei Folgetage sind die Fährüberfahrten aber abgesagt – siehe bei „Porthleven Storm“, zu Recht.

Auf St. Mary’s haben wir gut 5 Stunden Aufenthalt, Zeit genug für einen schöne Wanderung: Von Hugh Town rund um die Garrison-Halbinsel mit alten Festungsanlagen, weiter via  Peninnis Head mit schönen Felsen bis Old Town (kleiner Snack mit Cider Tasting im Old Town Inn). Dann zurück über den Lower Moors Nature Trail (viele Vögel) zu Harry’s Wall zum Fähranleger in Hugh Town. Die 8 mls sind geruhsam in drei Stunden zu schaffen.

In der Abendsonne fahren wir mit dem Schiff zurück und sehen die beiden Halbinseln, die wir gewandert sind – Garrison und Peninnis – jetzt vom Wasser aus. Zum Abschluss ein schöner Sonnenuntergang über Land’s End.

Wanderung:

Rückfahrt mit der Fähre:

 

Ausflüge und Wanderungen

Im ersten Supermarkt kaufen wir den kleinen Wanderführer 50 Walks in Cornwall. Er ist eine Fundgrube und wir finden viele schöne Wanderungen im Umkreis von 25 mls um Porthleven:

  • St. Mary’s: Garrison, Peninnis Head … okay, diese Wanderung ist etwas weiter entfernt, auf den Scilly Islands, siehe in dem Abschnitt zu den Scilly Islands. Ein schöner Tagesausflug ;-).
  • Rinsey ist eine kleine Ansiedlung 5 Minuten westlich von Porthleven: Knapp 3 mls geht es den Coast Path entlang der Steilküste, vorbei an alten Minentürmen zurück durch Felder und Heckenwege. Wegen Dunkelheit kürzen wir aber nach der Hälfte ab.
  • Helford, Frenchman Creek: Nur 12 mls östlich von Porthleven liegt der Helford River, eine AONB (<klick> für Neugierige, die wissen wollen, was das ist ;-). Der Helford River ist ein tief eingeschnittener Fjord mit unzähligen Nebenarmen, Watt-ähnlichen Gezeitenzonen, Salzmarschen und offenen Wasserflächen. Die kurze (3 mls) Wanderung zum Frenchman Creek führt entlang kleiner Bachläufe durch urige Wäldchen.  Einkehren kann man im Shipwrights Arms, wo es einfache – sehr leckere – Gerichte gibt.
  • St. Ives ist das Touristenrummelzentrum in Cornwall, sehr malerisch mit dem Hafen, den zwei Stränden, den kleinen Gassen. Die Tate Gallery ist eine wirklich lohnenswerte Attraktion. Dringend abzuraten ist die Anreise mit dem Auto, man sucht auch außerhalb der Saison ewig nach einem Parkplatz – im Sommer findet man überhaupt keinen. Stattdessen sollte man den Zug von St. Erth nach St. Ives nehmen, der sehr malerisch entlang des Hayle Estuary und der St. Ives Bay verläuft.
    Nach unserem Bummel durch St. Ives und Besuch der Tate Gallery beginnen wir bei strahlendem Sonnenschein die empfohlene 5-mls-Wanderung bis Lelant Station. Eine wunderbare Strecke … aber nach 15 Minuten fängt Regen an … immer mehr … schließlich geht es nur noch um’s Durchhalten … wir kommen bis auf die Haut naß an dem kleinen Bahnhof an.
  • Prussia Cove, eine kurze 2-mls-Wanderung, ca. 15 Minuten westlich von Porthleven: Durch Felder, vorbei an alten Häusern geht es zu einer wilden Bucht, an deren Steilküste einigen Fischerboote liegen. Genau richtig, um sich einmal kurz die Beine zu vertreten.
  • Von Perranuthnoe, noch einmal 5 Minuten weiter Richtung Penzance, startet eine weitere kleine Wanderung, ca. 2 mls. Der Knüller hier ist aber nicht die Wanderung sondern das Victoria Inn, eines der angesagtesten und besten Restaurants Cornwalls, in einem Pub aus dem 11.(!) Jahrhundert. Dass wir hier, an einem Montag im Oktober außerhalb jeglicher Ferien, spontan um 17:00 Uhr einen Tisch für den Abend reservieren konnten, soll pures Glück gewesen sein.
  • Bummel durch Hinterhofgassen und Morrab Gardens in Penzance. Eigentlich war ein Shoppingnachmittag in Penzance geplant – aber Penzance bietet (anders als St. Ives oder Porthleven) nur eine Ansammlung von Charity Shops und 1-Pound-Läden an. Es lohnt überhaupt nicht, die Innenstadt ist durch die großen Shopping-Center außerhalb sehr herunter gekommen. Leider – denn Penzance ist durchaus attraktiv: schöne alte Häuser, Gärten, Strandpromenade, Hafen.
  • Helford, Gillan Creek: Gut 2 Stunden ist man für diese 5 mls Wanderung unterwegs, entlang Helford und Gillan River, über Stierweiden und kleinste Pfade. Sehr malerisch sind die kleinen Orte St. Anthony in Meneage und Mannacan, mit uralten Kirchen aus dem 13. Jahrhundert. Unterwegs – sozusagen in the middle of nowhere – das exquisite Restaurant South Café :-)
  • Penzance-Mousehole & retour, ca. 8 mls: Einmal nicht durch Natur, sondern auf geteerten Wegen mit schöner Aussicht auf die Mount’s Bay. Es geht von der Strandpromenade in Penzance an den Hafen- und Industrieanlagen in Newlyn vorbei über die Küstenstraße bis zum malerischen Hafenort Mousehole. Hier kann man sehr gut einkehren im Ship Inn (herzhafte Küche) oder im Rock Pool Café (feine Kleinigkeiten, mit Aussicht).
  • Keine Wanderung, eher ein Spaziergang ist der Besuch des St. Michael’s Mount. Bei Ebbe kommt man trockenen Fußes zu diesem kleinen Bruder des Mont St. Michel in der Bretagne. Ganz nett und einige schöne Fotomotive.
  • Falmouth, nur 15 mls von Porthleven entfernt, ist immer einen Ausflug wert: Maritime Museum, Pendennis Castle, Hafen und Strände. Im Sommer ist die Anreise per Park & Float sehr zu empfehlen, die kurze Bootsfahrt bietet schöne Ausblicke auf den Fal River, den Hafen mit großen Yachten und auf Falmouth.
  • RSPB (Royal Society for the Protection of Birds) in Weymouth: Radipole Lake und Lodmoor –> siehe dazu unter „An- und Abreise“.

 

Gourmet-Mekka Cornwall: Restaurant-Empfehlungen

Viele glauben uns nicht, wenn wir es erzählen:  Cornwall ist gespickt mit sehr guten, zum Teil exquisiten Restaurants!
Nix mit englischer Küche, sondern „local, artisanal, organic“ ist das Motto. Für uns immer wieder überraschend ist, in welchen abgelegenen Ecken ausgezeichnetes Essen zu finden ist. Unsere Favoriten:

  • The Square und Kota in Porthleven,
    Victoria Inn in Perranuthnoe und
    South Café in Manaccan
    sind ausgezeichnet, sogar exquisit und können mit den besten Restaurants in Aachen oder Köln mithalten. Und das zu überaus vernünftigen Preisen, pro Person muss man inklusive Wein mit 20-30 £ (für den Hauptgang) rechnen.
  • Überdurchschnittlich gut, d.h. frisch zubereitet und variantenreich haben wir gegessen im
    – Old Town Inn, St. Mary’s,
    – Sea Drift (teuer), Porthleven,
    Shipwrights Arms, Helford, und
    – Ship Inn und Rock Pool Café, Mousehole.
    Die Preise sind sehr moderat, zum Teil unter 10 £ pro Person.

 

16.10.2017 – Hurricane Ophelia

16.10.2017 - Hurricane Ophelia @Porthleven
Hurricane Ophelia @Porthleven

Am 6. Oktober geschieht im Südatlantik etwas sehr seltenes: Hurricane Ophelia macht sich auf nach Osten, auf Europa zu, statt wie üblich Richtung Amerika. Seit 1851 erreicht erst zum 4. Mal ein Hurricane Europa, mit Kategorie 3 sogar der stärkste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Am 16. Oktober trifft das Zentrum von Ophelia auf den Westen Irlands, Windgeschwindigkeiten bis 191 km/h (Rekord für Irland) richten dort große Schäden an. Cornwall wird „nur“ vom östlichen Wirbel des Hurricanes getroffen, mit Winden von 100-120 km/hm, in Böen bis 160 km/h.  Surreal ist die Kombination von klarem Himmel, rekordverdächtig hohen Wellen und Windböen, die einen fast zu Boden warfen.

Porthleven hat enormes Glück, weil die Flut nur 4,50 m hoch ist (nominal – durch den Sturm ca. 1,50 m höher) … 5 Tage später ist Springflut mit 5,60 m (nominal). Man kann an den Fotos gut sehen, dass dieser zusätzlicher Meter Wasserhöhe wohl beträchtlichen Schaden angerichtet hätte.

So ist es für alle ein ungefährliches Spektakel, dass nur die äußeren Hafenbereiche überflutet – die sind dafür gebaut und natürlich gesperrt.

 
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